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Bauen und Wohnen wird nachhaltig

Städtisches oder stadtnahes Wohnen, Mehrgenerationen-Wohnweise, Ökologie und sinkender Energieverbrauch, gesundes Wohnen, das Bad als Wellness-Oase, Komfort, Bequemlichkeit und Sicherheit – dies sind nach Meinung der Architekten die Megatrends, wenn es ums Bauen und Wohnen der Zukunft geht. Ganz konkret hat dies auch Auswirkungen auf Produkte und Systeme, für die in den kommenden Jahren die Nachfrage steigen beziehungsweise nachlassen wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine Trendstudie, für die Heinze Marktforschung von Ende August bis Mitte September knapp 400 Architekten und Innenarchitekten online nach ihrer Einschätzung zu Trends der kommenden fünf bis sechs Jahre im Wohnbau befragt hat.


Megatrend 1: städtisches, stadtnahes Wohnen
Für die kommenden Jahre erwarten die Architekten eine deutliche Zunahme des städtischen und stadtnahen Wohnens sowie der Mehrgenerationen-Wohnweise. Bei einer immer älter werdenden Bevölkerung spielt die attraktive Grundversorgung in oder nahe der Stadt eine wichtige Rolle, wenn es um die Wohnentscheidung geht. Auch die wachsende Zahl der Single-Haushalte orientiert sich eher in Richtung städtisches Wohnen.


Ob sich dieser Trend weiter verstärken wird, hängt vor allem von der Bezahlbarkeit des Wohnraums im städtischen und stadtnahen Umfeld ab. Aufgabe der politischen Entscheidungsträger sollte es sein, hier bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Steigende Mietpreise und der geringe Anteil des Mehrfamilienhaus-Neubaus sind allerdings Alarmzeichen, die ernst genommen werden sollten.


Megatrend 2: Ökologie und sinkender Energieverbrauch
Dieser Trend findet sich in unterschiedlichen Bereichen des Bauens und Wohnens wieder. So werden bei der Fassadengestaltung Wärmedämm-Verbundsysteme und Wärmeschutzverglasung nach Meinung der Planer deutlich zunehmen. Im Dachbereich sind Solarthermie und Photovoltaik Trendsetter. Bei einer deutlichen Zunahme der Nachfrage nach diesen Produkten ist von sinkenden Kosten auszugehen, was wiederum die Nachfrage stimulieren wird.


Bei der Haustechnik gehören die Wärmepumpe und die kontrollierte zentrale Zu- und Abluftanlage zu den Gewinnern, während Heizsysteme auf der Basis fossiler Brennstoffe – mit Ausnahme des Erdgases – deutlich Federn lassen werden, hier insbesondere die Ölheizung. Heizen mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz liegt dagegen voll im Trend. Holz- und Holzpelletheizungen, aber auch Kamine und Öfen werden deutlich zulegen.


Bei der Beleuchtung werden sich LEDs und OLEDs (Leuchtdioden mit organischen Halbleitern) zulasten der konventionellen Glühlampen durchsetzen.


Bei den traditionellen Wandbaustoffen wie Ziegel, Kalksandstein, Beton oder Porenbeton sehen die Architekten eine im Großen und Ganzen gleich bleibende Verwendung für die kommenden Jahre. Lediglich Holz als Wandbaustoff wird sich stärker entwickeln. Das unterstreichen die Architekten auch bei der Bewertung der Häusertypen: Hier liegen Holzhäuser deutlich vorne.


Megatrend 3: Baubiologie/gesundes Wohnen
Im Innenbereich werden nach Ansicht der Architekten die Bodenbelagsarten Holz/Parkett, Keramik/Fliesen, Naturwerksteine und Naturstein zulegen. Verlierer sind hier Kunststoff- und Laminatböden.


An der Wand sind natürliche Anstriche, Sichtputze, Natursteinwände, Betonoberflächen oder Spachteltechniken gefragt. Rau- und Glasfasertapeten verlieren hingegen an Bedeutung.


Bei Möbeln liegen naturbelassene Oberflächen und Naturbezugsstoffe wie Baumwolle und Leder im Trend.


Wenn es um die Dämmung geht, favorisieren die Architekten in den kommenden Jahren Holzfaserdämmplatten/-stoffe und Altpapier/Zellulosedämmstoffe.


Megatrend 4: Komfort, Bequemlichkeit und Sicherheit
Zukünftiges Wohnen soll komfortabel, bequem und sicher sein. Gewünscht wird ein Kontrapunkt zum stressigen Alltag. Mehr Sicherheit soll die Installation von Rauchmeldern, Alarmanlagen und Bewegungsmeldern mit Außenbeleuchtung bieten, mehr Komfort der Einbau von Bussystemen zur Steuerung der gesamten Haustechnik und Sonnenschutzsteuerungen, mehr Bequemlichkeit zum Beispiel der Einsatz von selbstreinigendem Glas.


Grundsätzlich gilt: Einrichtungsformen oder Wohnstile, die gesundes, erholsames Wohnen und Barrierefreiheit bieten, gleichzeitig aber auch ein umfassendes Home Entertainment sind zukünftig noch stärker gefragt. Obwohl oder gerade weil der Wunsch nach umfassender Vernetzung deutlich spürbar ist, werden nach Meinung der Architekten konstruktive Lösungen zur Vermeidung von Elektrosmog zukünftig stärker nachgefragt.


Megatrend 5: Bad und Wellness
Das Bad mutiert von der Nasszelle zur Wellnessoase. Was Modernisierungsstudien der Heinze Marktforschung bestätigen, sehen Architekten bei ihrer Einschätzung ebenfalls als einen Megatrend. Großzügigere Flächen, Wellnesszonen, bodenebene Duschen, barrierefreie Lösungen, Regenduschen, Design-Armaturen, hochwertige Möbel und Multimedia machen das Bad zum zweiten Wohnzimmer. Kombinierte Dusch- und Dampfkabinen, Whirlpools und die Sauna runden das hochwertige Inventar des Bades der Zukunft ab.


Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil
Architekten sehen sich gemeinsam mit den Bauherren in der Verantwortung, zukünftiges Bauen an den Kriterien der Nachhaltigkeit zu orientieren. Dazu gehört insbesondere die Einsparung fossiler Energieträger, der Einsatz regenerativer Energieformen, aber auch ein möglichst hoher Anteil recycelbarer Baustoffe. Diese Einschätzung findet sich auch bei der Bewertung der einzelnen Produktbereiche wieder. Die nötigen Techniken und Produkte der Industrie stehen heute bereits weitgehend zur Verfügung. Da diese allerdings komplexer sind und außerdem höhere Anschaffungskosten verursachen, steigt nach Meinung der Architekten der Aufklärungsbedarf bei Bauherren und Modernisierern. Hier sehen sich die Architekten mehr als bisher in der Rolle des Meinungsbildners und Beraters rund um das Thema Nachhaltigkeit.

 
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