06. Juli 2016

Heilbronn: Kammergebäude ist Prüfungsbaustelle für angehende Stuckateurmeister

Die Stuckleisten wurden bereits in der Prüfungsvorbereitungswoche in der Werkstatt fertig gestellt. Auf der Baustelle des Kammergebäudes bringen die Prüflinge die Leisten an die neue Decke an. Fotos: Handwerkskammer/I

Auf der Baustelle im Kammergebäude der Handwerkskammer Heilbronn absolvierten Ende Juni 2016 sechs Meisterschüler ihre praktische Prüfung. „Die Prüfungsordnung verlangt, dass wir praxisnah arbeiten“, erklärt Ulrich Rank, erster Vorsitzender der Meisterprüfungskommission. „Wir versuchen, das immer eins zu eins umzusetzen.“

Für die angehenden Stuckateurmeister und die Kommission bedeutet das viel Aufwand. Insgesamt 25 Meisterschüler absolvieren an der Bundesfachschule der Stuckateure in Heilbronn derzeit ihre Prüfung. Neben der Handwerkskammer gibt es noch vier weitere Baustellen, auf denen jeweils Prüflinge arbeiten. „In den vergangenen Jahren waren es meist um die 20 Meisterschüler“, berichtet Rank, der in der Prüfungswoche regelmäßig alle Baustellen besucht.

Rundum-Betreuung

Die Arbeit für diese Prüfung beginnt aber schon lange vor dem Betreten der Baustelle. Die Meisterschüler schlagen zunächst Projekte vor, die die Prüfungskommission bewertet und genehmigen muss. Im nächsten Schritt stimmen sich die Stuckateure mit den jeweiligen Bauherren ab, erstellen Pläne oder auch Muster und Modelle nach deren Vorgaben. Auch auf die speziellen Wünsche der Bauherren müssen sie dabei eingehen. Im Fall des Kammerumbaus war die Vorgabe etwa eine gute Schallisolierung für die neue Decke im Foyer des Meistersaals. Die ursprüngliche Decke im Altbau haben die Stuckateure deshalb abgehängt und mit einer schallschluckenden Dämmung versehen.

Moderner Werkstoff

Ulrich Rank nutzt die Meisterprüfung auch gerne, um Skeptiker von der Qualität des Stuckateur-Berufs zu überzeugen. Wer Stuck hört, hat meist zunächst ein Bild von verschnörkelten barocken Verzierungen im Kopf. „Wir haben aber schon einige sehr skeptische Bauherren und Architekten überzeugt, dass Stuck überhaupt nicht altmodisch ist“, betont Rank. Letztlich auch die Handwerkskammer: Dort schaffen die Meisterschüler eine modernen Decke mit klaren Formen und indirekter Beleuchtung.

Im Fachgespräch müssen die Prüflinge in der Folgewoche ihr Projekt noch einmal komplett der Prüfungskommission vorstellen. Wenn dabei alles gut geht, sind sie spätestens bei der nächsten Meisterfeier am 28. April 2017 wieder bei der Handwerkskammer – um sich ihren Meisterbrief abzuholen.