06. April 2017

Kunst im XXL-Format

Kunst in der Natur
Fotos: Mathias Schweikle

Mit Kran, Kelle und Motorsäge baut Stuckateurmeister Mathias Schweikle überdimensionale Skulpturen, die mit der Zeit zerfallen. Das stört ihn nicht. Im Gegenteil.

Mathias Schweikle trägt die Haare offen und meistens schulterlang. Und auch bei der Arbeit liebt der 52-jährige Stuckateurmeister und Künstler eher den größeren Maßstab. »Wenn etwas zu klein ist, fehlt mir die Lust«, sagt er. Seine Vorliebe für schwergewichtige Skulpturen ist nicht zu übersehen. Sein aktuelles Projekt ist ein Riesenhobel. Sechs Meter lang und bis zu vier Meter hoch soll das Kunstobjekt aus Styrodur werden. Mit Glasfasergewebe versehen und von ihm fachmännisch verputzt, wird es den innerörtlichen Kreisverkehr in Pfalzgrafenweiler schmücken, seiner Heimatgemeinde im Landkreis Freudenstadt. Auftraggeber ist eine ortsansässige Möbelschreinerei, das Projekt wird zusätzlich von Sponsoren unterstützt.

Rieseneier aus Fassadendämmplatten

Es ist nicht das erste Mal, dass Mathias Schweikle etwas in die Landschaft setzt, das ziemlich viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Für den 30 Kilometer langen Skulpturenpfad »Skulptoura«, im Landkreis Böblingen, der touristisch sehr beliebt ist, hat er vor zwei Jahren ein Vogelnest im XXL-Großformat gebaut. Es ist imposante 12 Meter hoch und von der Autobahn A81 aus gut zu sehen. Später setzte er drei blaue Rieseneier hinein, denn der Schwabe liebt es, seine Projekte weiter zu entwickeln. Ein Ei wiegt 130 Kilogramm. »Jedes einzelne haben wir mit der Motorsäge aus Fassadendämmplatten ausgesägt und mit einem Hobel in Form gebracht«, erklärt Schweikle. Zuvor waren drei mächtige Baumstämme in die Erde eingegraben und eingerüstet worden. Das Nest selbst besteht aus einem Geflecht aus 700 Kanthölzern, je zweieinhalb Meter lang, die per Kran positioniert und aufwendig miteinander verschraubt wurden. Ohne Zweifel braucht es handwerkliches Können, damit so ein Riesennest die perfekt rundliche Form bekommt. Was also könnte besser sein, als die Verbindung von Kunst und Beruf? »Gerade weil ich mein Hauptstandbein als selbstständiger Stuckateur habe, profitiere ich unheimlich viel von meiner Kunst. Diese Kombination ist die ideale Voraussetzung, um Kunstprojekte umzusetzen, es gibt nichts Genialeres als die Verbindung von Handwerk und Kunst.« Für einen Künstler sei eine bodenständige Handwerkslehre die beste Voraussetzung. Die Vorteile zeigen sich schon einmal darin, dass Schweikles Atelier genauer gesagt eine Halle ist, in der auch die Mitarbeiter seines Betriebs tätig sind. Zusätzlich kann er Maschinen und Werkzeuge seiner Firma nutzen – von der Hebebühne bis zur Spritzpistole.

Kreative Handwerksfamilie

Seit 1999 ist Schweikle freischaffender Künstler. Größtenteils wählt er seine heimische Natur im Schwarzwald als Standort für seine Kunstwerke. Bevorzugt verwendet er Holz, Stahl und Betonguss. Es ist die Freude an Farbe, am Entdecken und Gestalten und seine Liebe zur Natur, die ihn antreibt. »Das wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt«, erzählt er. Schon sein Großvater, Maler von Beruf, malte Ölbilder um nach dem ersten Weltkrieg die Familie über Wasser zu halten. Auch sein Vater war ein »kreativer Vogel«, der 1995 seinen Maler-, Gipser- und Stuckateurbetrieb in Pfalzgrafenweiler an seine Söhne Mathias und Timon übergab. Die Brüder stellten das Unternehmen auf drei Beine. Während Mathias Schweikle für das Gipser- und Stuckateur-Geschäft zuständig ist, betreut sein Bruder den Bereich Malerarbeiten. Dazu kommt als dritte Firma unter einem Dach der Gerüstbau. Dieser wird von beiden Brüdern gemeinsam ­geführt.

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