02. Oktober 2017

Neue Lust auf Deckengestaltung

Decken
Foto: Michael Bogumil

Die Freiheit der Gestaltung erweist sich nur allzu oft als Illusion. Die so genannten Sachzwänge, ­Gesetze, Normen und Vorschriften machen jedem Gestalter schwer zu schaffen. Die Sorge, Brand- und Schallschutz, Barrierefreiheit, Hygiene und Sicherheit könnten einer Idee deren Originalität berauben und sie so zurechtstutzen, dass Uniformität und Standard die Resultate ­beherrschen, ist allgemein und weit verbreitet – und trotzdem meist unbegründet.

Atmosphäre und Charakter eines Raumes werden sehr stark beeinflusst durch die Wirkung der Decke, zumal die Deckengestaltung stets im Blickfeld von Menschen und in Verbindung mit Licht und Klang ebenso eindrucksvoll interagiert – synästhetisch, mit Augen und Ohren, ganzkörperlich ­gewissermaßen. Die Epoche typischen Architekturdenkens von oberen Raumabschlüssen in purem und asketischem Beton wird abgelöst von der Erinnerung an tradierte und scheinbar längst ausgestorbene Handwerks- und Architekturkunst in Symbiose mit Gestaltungsfreude an Wänden und Decken sowie von Erwartungen an die digitale ­Gestaltungsfreiheit von »Decken 4.0«.

Faktoren Zeit- und Kostendruck

Die zunehmende Komplexität des Bauens macht das Entwerfen nicht ein­facher. Ambivalentes Anspruchsdenken der Auftraggeber – »nur das Beste, aber bitte zu einem vernünftigen Preis!« – versetzt Entwerfer permanent unter Adrenalin. Die Unüberschaubarkeit technischer Möglichkeiten führt reihenweise zum Ideennotstand. Zeit- und Kostendruck gesellen sich zu den Forderungen nach Ökologie und Nachhaltigkeit und verderben in geübter Regelmäßigkeit den Spaß am Entwerfen.

Adolf Loos hat nicht das Ornament an sich, sondern vielmehr Täuschung und Unechtes angeprangert und aufgefordert, »ungeschminkt« zu gestalten – hundert Jahre später spielt Architektur in der Gesellschaft eine andere Rolle; Ideologien leiden unter praktischer Lebensferne; Theorien spüren schmerzhafte ­Defizite in lebensbestimmender Emotionalität von Menschen. Digitale Welten ermöglichen scheinbar alles und wirken grenzenlos.

Deckengestaltung als Erlebnis

Jeder Gestalter sucht Wege des Ausdrucks in die Originalität. Diese Einzig­artigkeit in der Balance zwischen ­Anspruch und Realität hat neue Bewertungskriterien geschaffen: Authentizität und Glaubwürdigkeit. Deckengestaltung, und insbesondere die »zweite Haut« des Raumes, erfährt unter diesen Prämissen nicht nur eine Renaissance, sondern vielmehr hochgradige Innovation.

Nicht mehr das Ornament im Sinne einer »Stuckisierung« steht im Vordergrund, sondern technische Präzision, ökonomische und ökologische Baubarkeit mit architekturethischer Überzeugt­heit, und stets das Ziel vor Augen und  Ohren: mittels Licht- und Akustikargumenten den oberen, mittlerweile grenzenlos gestaltbaren Raumabschluss wieder zum Erlebnis werden ­zulassen, damit Menschen sich wohlfühlen.

Innenräume, die begeistern

Moderne Deckengestaltung ermöglicht Interaktion und Veränderung von Rauminterpretation für und durch Menschen. Vorbei die Zeiten horizontaler flächiger, stets kaschierender Abhängdecken, manchmal etwas despektierlich als »Pappdeckel-Decken« ins architektonische Abseits gestellt, die meist preisgünstig, jedoch bar jeden Anspruchs die Rolle von innenarchitektonischen ­Lückenbüßern einnimmt. Digitalisierung ermöglicht nicht nur Dreidimensionalität der Decken, die Ingenieur- und ­Gestaltungskunst vereinen höchst genial und integrativ technische Innovationen und konstruktive Notwendigkeiten mit originellem Anspruch.

Deckendesign ist gleichzeitig Licht- und Akustikdesign und steigert den ­Erlebniswert eines atmosphärischen Raumeindrucks. Das ist es, was Bauherrn und Investoren fordern: begeisterungsfähige Innenräume, glaubwürdig, technisch ausgetüftelt, höchst flexibel und gleichzeitig unverwechselbar, präzise und mit Hightech-Qualität.

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