06. Februar 2018

Eine runde Sache

Kunterbunt, Wände, Struckateur
1. Das »Nest«: Rundungen dominieren bei dem Kinderhaus. Damit wurde der Innenausbau zu einer handwerklich anspruchsvollen Aufgabe

Neubau für die Kita Kunterbunt in Karlsruhe. Gekrümmte Wände und runde Ecken dominieren. Das machte den Innenausbau in Trockenbauweise zu einer Herausforderung, die Domenico Tagliamonte mit seinem Stuckateurbetrieb annahm.

2.Das Tragwerk und die Fassade ist aus Holz, der Innenausbau erfolgte mit Metallprofilen und Gipsplatten 2.Das Tragwerk und die Fassade ist aus Holz, der Innenausbau
erfolgte mit Metallprofilen und Gipsplatten

Das »Nest«, so nennt die unabhängige Elterninitiative die »Kita Kunterbunt« in Karlsruhe ihr neues Kleinkindhaus, das 2016 gebaut und 2017 bezogen wurde. Hier werden zehn Kinder im Alter bis zu drei Jahren betreut. Das Haus ist idyllisch gelegen, umgeben von altem Baumbestand und Grünflächen. Für den Neubau fand sich auf dem Grundstück des Kinderhauses für die Drei- bis Sechsjährigen noch Platz, der allerdings nicht allzu groß bemessen war, da es galt, an zwei Seiten die Abstände zur den Nachbargrundstücken einzuhalten.

Das hatte Architekt Walter Kohne aus Karlsruhe zu berücksichtigen. Aus der Platznot heraus entwarf er einen dreieckigen Baukörper mit abgerundeten Ecken und einem auskrakenden Obergeschoss. Der Rohbau sollte in Holzständerbauweise entstehen und der Innenausbau im Trockenbau ausgeführt werden.

3. Der Grundriss des Kinderhauses der Kita Kunterbunt in Karlsruhe. Die fette Linie markiert das Erdgeschoss, die gestrichelte Linie zeigt das Obergeschoss. Zeichnung: Kohne 3. Der Grundriss des Kinderhauses der Kita
Kunterbunt in Karlsruhe. Die fette Linie markiert
das Erdgeschoss, die gestrichelte
Linie zeigt das Obergeschoss.
Zeichnung: Kohne

Trockenbau war eine handwerkliche Aufgabe

So ungewöhnlich der Entwurf war, so wenig alltäglich waren auch die Aufgaben im Trockenbau. Hier ging es nicht darum, Profile und Platten schnell zu verlegen. Die gekrümmten Wände und engen Radien stellten eine handwerkliche Herausforderung dar, die sich nur ganz wenige Unternehmen zutrauten. Einer davon war Domenico Tagliamonte mit seinem Stuckateurbetrieb. Ihm wurden die Pläne vorgelegt und er erstellte in Zusammenarbeit mit dem Architekten einen Leistungskatalog.

4. Die Holzständerbauweise im Rohbau. Hier wird später der Aufenthaltsraum sein 5. Hier treffen sich der Treppen- und Außenwandradius
4. Die Holzständerbauweise im Rohbau.
Hier wird später der Aufenthaltsraum sein
5. Hier treffen sich der Treppen- und Außenwandradius
6. Enge Radien wie hier bei den Außenwänden im Eingangsbereich. Die Profile stehen im engen Abstand 7. Improvisationskunst auf der Baustelle: Um bei den extremen Biege - radien in eine Wandflucht zu gelangen, wurden Holz- und Metallunterkonstruktionen kombiniert
6. Enge Radien wie hier bei den Außenwänden
im Eingangsbereich. Die Profile stehen
im engen Abstand
7. Improvisationskunst auf der Baustelle: Um bei den extremen
Biege - radien in eine Wandflucht zu gelangen,
wurden Holz- und Metallunterkonstruktionen kombiniert

Die Aufgabe stellte sich in vielerlei Hinsicht als sehr anspruchsvoll dar. Den Rohbau nahm Tagliamonte unter die Lupe. Nachdem die Dämmarbeiten abgeschlossen waren und die Elektro- und Sanitärinstallationen vorbereitet waren, begannen die Mitarbeiter des Stuckateurunternehmens mit dem Einbau der Unterkonstruktionen für die Wände. Hier dominieren Rundungen. Die Außenwände sind an den Längsseiten konkav nach innen gebogen und an den Ecken stark gerundet. Der Treppenaufgang in der Mitte ist elliptisch gestaltet.

Schon zum Baubeginn stellte sich heraus, dass Sonderkonstruktionen notwendig sein würden. Eine Lösung über den Einsatz von Fertigteilen wurde zwar erwogen, jedoch wieder verworfen. Eine besondere Herausforderung waren die extrem engen Radien. Hier war Improvisations­talent gefragt. So war eine Kombination aus gehobelten Holzleisten und Metallprofilen notwendig, um später zur Wandflucht zu gelangen. Feingefühl, Weitblick und Verständnis für das Material waren notwendig.

Die engen Radien hatten auch Konsequenzen auf die Beplankung. Die 6 mm dicken Platten mussten verkleinert werden und Stück für Stück in die Rundungen eingepasst werden. Die anschließende Fugenverspachtelung und die streichfertige Spachtelung waren teilweise nur mit Schablonen möglich.

Da nicht alle Vorarbeiten rechtzeitig fertiggestellt wurden, gerieten die Stuckateure mit den Trockenbauarbeiten unter Zeitdruck. Hinzu kam noch, dass die alten Räumlichkeiten zum Jahresende 2016 gekündigt waren und bereits am 7. Januar das Kleinkindhaus wieder öffnen sollte. Abläufe mussten deshalb neu organisiert werden. So wurde der Einbau der Unterkonstruktion zunächst im Erdgeschoss begonnen, während die Bad­installationen im Obergeschoss eingebaut wurden.

Letzen Endes wurde noch der Weihnachtsurlaub bei Tagliamonte abgesagt und die acht Mitarbeiter mussten unter beengten Verhältnissen ganze Arbeit leisten. Tatsächlich waren bis Silvester die Arbeiten abgeschlossen, so dass die Eltern in der verbleibenden Woche in Eigenleistung die Wände streichen und für die Möblierung sorgen konnten.

8. Die Spachtelungen waren teilweise nur mit Schablonen möglich. Im Bild die freistehende Brüstung im Erdgeschoss. Fotos: 1, 2, 4 – 8: Tagliamonte 9. Der Architekt und die Stuckateure (v.l.): Walter Kohne, Stuckateurmeister Domenico Tagliamonte und sein Nachfolger in der Geschäftsführung Philipp Vollmer. Foto: Dolt
8. Die Spachtelungen waren teilweise nur
mit Schablonen möglich. Im Bild die
freistehende Brüstung im Erdgeschoss.
Fotos: 1, 2, 4 – 8: Tagliamonte
9. Der Architekt und die Stuckateure (v.l.): Walter Kohne,
Stuckateurmeister Domenico Tagliamonte und sein Nachfolger
in der Geschäftsführung Philipp Vollmer.
Foto: Dolt

Sonderlösungen im Portfolio

»Zu jederzeit auf die Wünsche der Kunden einzugehen und für die örtlichen Gegebenheiten individuelle Lösungen zu finden«, so charakterisiert Domenico Tagliamonte seine Aufgabe als Unternehmer. Er ist stolz darauf, zusätzlich zum Tagesgeschäft eigenständig Neues zu entwickeln. Das ist eine gute Voraussetzung, um in seinem Hauptbetätigungsfeld, in der Sanierung von Gebäuden, erfolgreich zu sein.

Aus persönlichen Gründen hat sich Domenico Tagliamonte entschlossen, seinen Betrieb zum Jahreswechsel 2017/2018 abzugeben. Nach gut dreißigjähriger Tätigkeit zieht er sich aus dem Stuckateurhandwerk zurück und übergibt die Firma an Philipp Vollmer. Dieser hat vor knapp zehn Jahren seine Ausbildung im Betrieb absolviert und auch dort seinen Meisterbrief gemacht. »Er ist mit den Strukturen und Abläufen im Unternehmen intensiv vertraut«, so Tagliamonte, dessen Namen der Stuckateurbetrieb weiterhin tragen wird.

Domenico Tagliamonte wird sich in Zukunft verstärkt der ehrenamtlichen Tätigkeit im Alpenverein widmen und sich weiterhin für das Unternehmernetzwerk BNI engagieren.

pd

Ausgabe 02 / 2018

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Bilder aus dem Artikel:

  1. Kunterbunt-8 Ausbau und Fassade - Eine runde Sache
  2. Kunterbunt-10 Ausbau und Fassade - Eine runde Sache
  3. Kunterbunt-11 Ausbau und Fassade - Eine runde Sache
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