01. Januar 2016

Ein ewig junger Klassiker

Dispersionsputz_1 Ausbau und Fassade - Ein ewig junger Klassiker

Der Dispersionsputz ist als Oberputz auf zahlreichen Untergründen nicht mehr wegzu­denken. Wenn robus­te Oberflächen mit großer Gestaltungs- und Farbtonvielfalt gefragt sind, ist er die erste Wahl. Seine zahlreichen positiven Eigenschaften sind der Grund dafür.

Die mechanische Widerstandsfähigkeit des Dispersionsputzes ist eines seiner herausragenden Merkmale. Die Schlagfestigkeit eines WDVS wird von den ­Systemherstellern in der Europäischen Prüfleitlinie ETAG Nr. 004 nachgewiesen. Dispersionsgebundene Systeme ­(organischer Unter- und Oberputz) im WDVS zeichnen sich durch Stoßfestigkeiten von bis zu 50 Joule aus. Disper-sionsputze als Oberputze im ­WDVS ­widerstehen starkem Hagelschlag und anderen Arten mechanischer Belastung. So kann die Optik einer Fassade lange erhalten und das technische Risiko durch das Entstehen von Rissen und Abplatzungen minimiert werden.
Die herkömmliche ­Lösung durch Anbringen einer harten Putzträgerplatte im unteren Bereich ­einer Fassade wird ­immer mehr durch spezielle Aufbauten mit dispersions­gebundenen Systemen abgelöst – und dies nicht nur aus wirtschaftlichen Aspekten.

Rissüberbrückung und Haftung
Je nach Polymeraufbau der Bindemitteldispersion können Produkte von hart bis kälteelastisch formuliert werden. Polymerdispersionen mit niedrigen Glasübergangstemperaturen (Tg) und vernetzten Anteilen garantieren auch bei niedrigen Temperaturen eine dauerhafte Rissüberbrückung bei gleichzeitig vorhandener hoher Anschmutzresistenz. Feine Untergrundrisse stellen somit für Dispersionsputze kein Problem dar.
Sie zeigen auf den unterschiedlichsten Untergründen wie beispielsweise mineralischen und pastösen Unterputzen ­sowie Spachtel, Span- und Hartfaserplatten, grundierten metal­lischen ­Untergründen oder bereits ­gestrichenen Flächen eine sehr gute Haftung und ­heben sich so von starren Systemen ab.

Effektiver Feuchteschutz
Effektiver Feuchteschutz: Dispersionsputz ? möglichst geringe Wasseraufnahme und gleichzeitig ­möglichst hohe ­Wasserdampfdiffusion.
Fassadenschutztheorie nach Künzel:
Hinter dieser Theorie und Forderung steckt die Erkenntnis, dass ein Fassadensystem funktionstüchtig ist, wenn in der Zeiteinheit die Fassade durch ­Diffusion eine größere Menge Wasser abführen, als kapillar aufnehmen kann. Dabei werden folgende Forderungen an die Beschichtungen gestellt:
• w < 0,5 [kg/(m²h0,5)]
• sd < 2,0 [m] wobei:
• w x sd < 0,1 [kg/(mh0,5)]
Das sind Forderungen, die von Disper­sionsputzen erfüllt werden. Mit ­einem sd-Wert von 0,05 bis 0,5 sind sie als hoch bis mittel wasserdampfdurchlässig zu bezeichnen. Der sd-Wert eines 2 cm dicken Edelkratzputzes ist vergleichbar mit dem sd-Wert eines Dispersionsputzes. Gemäß den Klassen nach DIN EN 1062-1: 2004 liegt die Wasserdurch­lässigkeit von Dis­persionsputzen niedrig bei W3 mit ­einem Wert von < 0,1 kg/ (m²h0,5). Die Eingruppierung in ­diese Klasse bedeutet: die Fassade ist sicher vor dem Eindringen von Wasser geschützt.

Normung und Brandverhalten
Dispersionsputze sind durch verschie­dene Prüf- und Produktnormen geregelt und seit April 2011 mit dem CE-Kennzeichen versehen. Beispiele für Normen:
• DIN EN 15824: die derzeit manda­tierte Produktnorm, die DIN 18558 (Kunstharzputze: Begriffe, Anforderungen, Ausführung) ersetzt hat.
• DIN EN 13914-1 für außen und DIN EN 13914-2 für innen (Planung, Zubereitung und Ausführung von Innen- und Außenputzen).
Dispersionsputze können so formuliert werden, dass sie schwer entflammbar (Baustoffklasse B1 und geprüft nach DIN 4102, Teil 1) sind und damit bis zu Gebäudehöhen von 22 m verwendet werden können. Prüft man das Brandverhalten nach der Euro­päischen Norm der EN 13501-1 auf ­WDVS, bestehend aus Mineralwolleplatten oder Lamellen, kann das System sogar als nicht brennbar (A2-s1,dO) eingestuft werden.

Verarbeitbarkeit und Trocknung
Dispersionsputze werden gebrauchs­fertig auf der Baustelle angeliefert (im Eimer oder Silo), die Verarbeitung kann manuell oder maschinell erfolgen:
• Manuell: Vom Eimer an die Wand!
• Maschinell: »Zeit ist Geld« ? Der Einsatz von Silo- und Maschinentechnik ermöglicht ein rationelles und wirtschaftliches Arbeiten. Gleichzeitig wird die körperliche Belastung des Hand­werkers reduziert. Praktisch: Das Material kann über Nacht in der Maschine belassen und die Arbeit am nächsten Tag fortgesetzt werden.  
Dispersionsputze trocknen rein physi­kalisch durch Wasserverdunstung. Dies bedeutet, dass die Durchtrocknung bei warmem und trockenem Wetter schneller abläuft als bei feuchten und kalten Verhältnissen. Mittlerweile sind speziell formulierte Dispersionsputze in der ­Lage, auch bei kalten Temperaturen (bis plus ein Grad Celsius) und hohen Luftfeuchtigkeiten gute Ergebnisse in der Frühregenfestigkeit zu zeigen.

Farbtöne - Strukturen - Effekte
Die gestalterische Vielfalt beim Einsatz von organisch gebundenen Oberputzen ist nahezu grenzenlos.
Farbtöne: Es gibt kaum einen Farbtonwunsch ­von Kunden, der sich nicht mit Dispersionsputzen realisieren lässt. Selbst dunkle Farbtöne sind in der ­Fassadengestaltung längst Realität. Durch die gezielte Auswahl von Pigmenten und Systemkomponenten sind beim WDVS heute auch Hellbezugs­werte von kleiner als 20 ­realisierbar.
Strukturen + Effekte: Mit Dispersionsputzen lassen sich neben den traditionellen Strukturen wie beispielsweise Kratz-, Scheiben-, Rillen-, Roll-, Modellier-, Filz- oder Spritzputzstruktur - in Kornstärken (je nach Putz) von < 1 bis ­
6 mm auch neuartige effektvolle Oberflächen realisieren (zum Beispiel durch das Einblasen von unterschiedlichen ­dekorativen Materialien, wie Glimmer, natürlichen und kolorierten Körnungen sowie Siliziumcarbid).

Mineralisch und organisch zugleich
Die frühere Bezeichnung »Kunstharzputz« führte leicht zur negativen Assoziation mit dem »Künstlichen«. Doch der Kunstharz- beziehungsweise Disper-­sionsputz ist alles andere als das: zirka 80 Prozent der Bestandteile – Pigmente und Füllstoffe - sind mineralischer ­Natur. Gebunden werden diese durch leistungsfähige, wässrige Polymerdis-persions-Bindemittel. Diese Dispersionen zeichnen sich neben ihrem ausgezeichneten Bindevermögen auch durch ihre geringe Wasseraufnahme, ­hohe Alkalibeständigkeit, hohe Dehnfähigkeit und geringe Anschmutzneigung aus.

Ökologie – Nachhaltigkeit
Dispersionsputze sind auf Basis wäss­riger Bindemittel formuliert und enthalten heute nur sehr geringe bis gar keine Anteile an organischen Lösemitteln (aromatenfrei). Oftmals sind nur noch in Außenputzen geringe Anteile an Filmbildungshilfsmitteln vorhanden, während im Innenbereich in der Regel emissionsminimierte Dekorputze ­Anwendung finden.
Auch der Thematik »Nachhaltigkeit« werden Dispersionsputze gerecht. Die ökologische Bewertung von organischen Putzen kann beispielsweise mittels EPDs (Environmental Product Declaration) erfolgen. Diese dienen als Bewertungssystem für nachhaltiges Bauen. Architekten und Planer erhalten durch eine EPD Kennzahlen und ­Daten-sätze, die unter anderem zur ­Berech­nung von der Energiebilanz, Umweltverträglichkeit und Nutzungsphase ­eines Gebäudes Voraussetzungen sind.
    
Volker Kirste, Günter Nosbüsch und Anja Klumpp, Technischer Arbeitskreis der Fachgruppe Putz und Dekor im VdL

Abbildungen: Fachgruppe Putz und Dekor im VdL                                                                            Ausgabe: 1/2013

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