01. Januar 2016

Fokus auf Wohngesundheit

Baumit_1 Ausbau und Fassade - Fokus auf Wohngesundheit

Die Sanierung des Geburtshauses des Festungsbaumeisters Maximilian von Welsch in ­Kronach war ein anspruchsvolles Unterfangen. Nach Jahren mühevoller Kleinarbeit mit ­Betonung des Aspekts »Wohngesundheit« kann das Gebäude wieder genutzt werden.

Elf Quadratmeter Nutzfläche retten ein seit Langem verwaistes Kleinod in ­Kronach in Oberfranken. Mitten in der Altstadt, mit Blick auf die Festung Rosenberg, erscheint das rund 4,80 m breite und zirka 21 m lange kleine Wohn- und Geschäftsgebäude wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Als Reihenhaus ist es zu eng, mit Raumhöhen kleiner als zwei Meter, die Treppen nur für geübte Bergsteiger begehbar, das Tageslicht in Gebäude-mitte nur erahnbar. Leider wusste man über dieses Haus anfangs sehr wenig. Laut Denkmalliste ist es ein Einzeldenkmal mit der Beschreibung: »Mansarddachbau, im Kern-Fachwerk, 17. Jahrhundert, ­Fassade Ende 18. Jahrhundert«. Eine Teilabbruchgenehmigung für den Vorbesitzer war von der Baugeneh­migungsbehörde bereits erteilt. Über 15 Jahre fast ungenutzt und unbewohnbar, und zirka 30 Jahre ohne jeglichen Bauunterhalt, fristete das von der Bevöl-kerung als »Kerker« bezeichnete Gebäude sein Dasein. Der unterlassene Bauunterhalt führte zu Folgeschäden: das Dach war undicht, die Räumlich-keiten waren bis auf die elf Quadratmeter große Ausstellungsfläche im Erdgeschoss nicht nutzbar. Schimmel und Algen hatten sich in allen Gebäudegeschossen ausgebreitet.

Mieter kauft verfallenes Gebäude
Das Altstadtgebäude stand Anfang 2010 zum Verkauf, was sich wegen des desolaten Gebäudezustands schwierig gestaltete. Der Juniorchef des Ofenbau- und Klempnerbetriebs Höllein, langjäh-riger Mieter der letzten nutzbaren Ausstellungsfläche, kaufte das Gebäude, um die attraktive Ausstellungsfläche im Erdgeschoss zur Straßenseite nicht zu verlieren. Zu Beginn sollte das Gebäude nur eine neue Dachhaut erhalten, um es vor dem Verfall zu retten. Je öfter der neue Eigentümer Stefan Höllein durch das Gebäude ging, desto mehr reifte der  Gedanke, den alten Kern des Gebäudes zu erhalten und teilweise zu rekonstruieren. Erste Gespräche mit dem ­Landes­amt für Denkmalpflege stießen auf ­offene Ohren.
Stefan Höllein, gelernter Klempner und geübt im Restaurieren von alten Gebäuden, sagte sich: »Ob ich das Gebäude selbst nutze oder als ­Ferien-wohnung vermiete, ist erst zweitrangig. Das Gebäude ist es Wert, in seiner Substanz erhalten zu bleiben.« Es war ihm ein großes Anliegen, dass sein Haus nach der Sanierung »wohngesund« ist. Seine Ideen sollten ihn aber keinen Mehrpreis kosten, durch die ­Reduzie-rung auf das Wesentliche. Gemeinsam mit dem Allgäuer Baustoffproduzent Baumit wurden Ideen geschmiedet, die mit dem Landesamt für Denkmalpflege in die Konzeptphase gingen.

Befunduntersuchung
Im Hauptgebäude wurde nur eine einzige Leichtbauwand aus Kantholz und Gipskartonplatten entfernt, die vermutlich in den 1970er-Jahren erstellt worden war. Das alte Hauptgebäude sollte auf seine Ursprungsgröße, erkenn-bar am Mansarddachgeschoss, zurückgebaut und die ursprünglichen Belichtungsmöglichkeiten wiederhergestellt werden. Am Anfang der Gebäudesanierung stand die denkmalpflegerische Befund­untersuchung. Diese wurde nach der Entrümpelung des Gebäudes von einer Kronacher Restauratorin in ­detaillierter Weise umgesetzt. Gleichzeitig wurde eine umfangreiche Salz- und Putz­untersuchung durch die Baumit GmbH ausgeführt. Unter den fünf bis zehn ­alten, durch die eingedrungene Feuch-tigkeit stark in Mitleidenschaft gezogenen Farbschichten, befand sich ein zirka 20 bis 35 mm dicker Kalkputz. Der Zu­stand der noch vorhandenen Kalkputze war nur oberflächlich gut. Die Haftung am ­Untergrund war mehr vom Zufall ­bestimmt. Durch die jahrelange, permanente Durchfeuchtung des Daches und des Schimmelpilzbefalls auf Anstrich und Motivtapeten, war auch der Kalkputz mürbe und weich geworden. Unter dem Kalkputz befanden sich Fachwerkwände aus Eichen- und Kiefernholz, die mit Sandsteinbruchsteinen ausgemauert waren. Die Mörtelfugen aus grobem Kalkputz waren teilweise ein wenig mürbe, insgesamt konnte eine gute Festigkeit der Natursteinausmauerung in 13 cm Dicke festgestellt werden. Substanzschädliche Salze ­konnten weder im Altputz noch im Gefachemörtel gefunden werden. Nach der Ausarbeitung der Befund­untersuchung erfolgten die Sanierungs­arbeiten, in Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Landesamts für Denkmalpflege. So wurde das Gebäude vom Dach bis zum Erdgeschoss unter größtmöglicher ­Erhaltung alter Bausubstanz saniert.

Eine nicht ganz normale Sanierung
Die erst nach den Weltkriegen entstandenen, aber komplett ruinösen eingeschossigen Anbauten wurden in Handarbeit abgetragen, so dass der ehemalige Innenhof wieder entstand. Das bestehende Mansarddach wurde neu gedeckt und moderat gedämmt. Fast alle Dachsparren konnten erhalten werden. Einige Holzdeckenbalkenköpfe und Aufschieblinge mussten erneuert ­werden. Nachdem das Dach wieder dicht war, ging es an den Rest des Gebäudes, welches auf die Größe von 4,80 x 12,50 m zurückgebaut worden war. Zu mürbe Putze an Innenwänden mussten unter der Erhaltung möglichst vieler Bestandsflächen entfernt werden. Sanitär- und Elektroinstallationen ­wurden sorgsam zurückgebaut. Nach und nach bemerkten die Kro­n­acher Bürger die Sanierungstätigkeit in dem Gebäude. Ehemalige Bewohner und deren Nachfahren meldeten sich beim Bauherrn und hatten allerhand zu berichten: Anfang des 20. Jahrhunderts beherbergte das Gebäude im Erd-geschoss einen Fahrrad- und Nähmaschinenladen samt Reparaturwerkstätte, darüber wohnte der Betreiber des Ladens mit seiner Familie. Erst nach dem zweiten Weltkrieg war die Wohnungsnot in Kronach so groß, dass der ehemalige Innenhof zu Wohnzwecken notdürftig überbaut wurde. Auch beim Bauamt der Stadt Kronach ging das Bauvorhaben nicht gänzlich vorbei. Nachforschungen ergaben,
dass es sich bei dem zu sanierenden Gebäude um das Geburtshaus des ­Festungsbaumeisters Maximilian von Welsch handelte. Dieser hatte zu Lebzeiten (geboren 1671 in Kronach, verstorben 1745 in Mainz) auch Hand beim Umbau der Festung Rosenberg angelegt, die sich in unmittelbarer Nähe befindet. Neben diesem Umbau wird er mit bedeutenden barocken Bauwerken, wie der Basilika Vierzehnheiligen, in Verbindung gebracht. »Das Gebäude möchte ich auch aus diesem Grund so weit wie möglich wieder in seinen ursprünglichen ­Zustand zurückbauen«, sagte sich der Bauherr.

Kampf dem Schimmel
Neue Kreuzstockfenster aus Holz und eine zweigeteilte Schaufensterscheibe mit Mittelsäule aus Sandstein wurden beschafft. Die gesamte Sandstein­fassade wurde von einem Restaurator gereinigt, verfestigt und stellenweise nachschariert und nachmodelliert. Der ursprüngliche Charakter der Sandsteinfassade konnte erhalten ­werden. Denkmalgeschützte Häuser sind von den Anforderungen der Energieeinspar-verordnung befreit. Der Bauherr legte großen Wert auf Wohngesundheit und entschied sich, auf den zwei freistehenden Giebelseiten die Außenwände ­innenseitig mit einer Schimmelsanierplatte zu beplanken. Auf die rein mine­ralische Calciumsilikatplatte wurde ein 10 bis 15 mm dicker zweilagiger Kalkputz aufgebracht. Die Wärmeleit-zahl der Calciumsilikatplatten von 0,067 W/mK ist nicht besonders gering, anderseits trägt die hohlraumfreie Auf-bringung der Platte in 50 mm Dicke zu einer moderaten, jedoch merkbaren Verbesserung des U-Werts der Außenwände bei. Zur Schimmelsanierung kam das »AS Anti-Schimmelsystem« zum Einsatz. Die Platten und der aufgebrachte Putz sind kapillaraktiv und wirken so feuchtigkeitsregulierend für die Innenräume. Die zwei Traufseiten sollten und mussten nicht gedämmt werden, da diese an die Außenwände der bewohnten Nachbargebäude stoßen. Auf den Innen­wänden aus Bruchsteinmauerwerk und Fachwerk wurden verschiedene Verputztechniken verwendet. Dort, wo das Fach­werk und die Gefache in Ordnung waren, sollten die Gefache aus Sandsteinmauerwerk sichtbar bleiben. Die mürben Fugen wurden ausgekratzt und mit Sicht-­Fugenmörtel »FM 97« von Baumit fach-gerecht verfugt. Die Holzbalken erhielten eine Trockenreinigung mit der Wurzelbürste und eine wachshaltige Lasur.

Vorgabe »Schadstoffarmut«
Die meisten Innenwände waren nicht zu dekorativen Zwecken gebaut worden und eigneten sich nicht als Sichtwand. Auf diesen Wänden entschied der Bauherr, Kalkputz, Mörtelgruppe PI zweilagig auf Putzträger, zu verwenden. Dieser Kalkputz musste auf Bauherrenwunsch schadstoffarm und schadstoff­geprüft sein. Im Wissen geringer aus­fallender Luftwechselraten, verursacht durch die neuen, dichteren Fenster und das dichte Dach, sollten keine luft­schad­stoffhaltigen Materialien, wie Formaldehyde oder Löse­mittel, eingebaut werden. Diese Anforderung wurde mit dem Kalkputz »Kalkin RK 38«, Putzmörtelgruppe P I, also ­zementfrei, erfüllt. Als Anstrich wurde die schadstoffgeprüfte Innen­silikatfarbe »Art-Line Silikatin« von Baumit eingesetzt. Auch die Inneneinrichtung wurde nach den ­Kriterien der Schadstoffarmut ausgesucht und eingebaut. Das so sanierte Gebäude beherbergt in seiner heutigen Nutzung einen Ausstellungsraum im Erdgeschoss und zwei Ferienwohnungen im Ober- und Dachgeschoss.
     
Anton Merath, Anwendungstechniker Baumit GmbH

Abbildungen: Baumit                                                                                                     Ausgabe: 5/2013

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