01. Januar 2016

Darf es etwas mehr sein?

Claytec_6 Ausbau und Fassade - Darf es etwas mehr sein?

In der Bestandssanierung ist die beste Heizkombination ein Wandaufbau aus ­Innendämmung, Wandheizung und Lehmputz, schreibt der Autor Michael Willhardt. Seiner Meinung nach bilden Wandheizungen im Lehmputz auch im Neubau eine perfekte Symbiose und bieten die gesündeste und ästhetischste Art, für Wärme zu sorgen.

Die angenehmste Form einen Raum zu beheizen ist, wenn es ein bisschen nach dem Sonnenprinzip funktioniert - wie eine große, sanfte Wärme ausstrahlende Fläche. Also kein warmes Gebläse, keine großen Temperaturgefälle im Raum, ­keine thermische Luftbewegung, die Staub aufwirbelt.
Schon die alten Römer wussten es: Am schönsten ist die Heizung, wenn man sie fühlt, aber nicht sieht. Sie haben in ihren Thermen warme Luft durch Kanäle in Wand und Boden geführt und die Flächenheizung erfunden. Ganz sicher hätten sie die Wände mit warmem ­Wasser erwärmt, wenn sie die Rohre und Fittinge gehabt hätten, die uns heute in einer großen Variation zur Verfügung stehen (Claytec stellt die ­Systeme von Aquatherm, Danfoss, KME, Roth, SERA und WEM auf der Website vor: www.claytec.de/produkte/wandflaechenheizung).

Das Rohr
Bei der Wandheizung nutzt man neben klassischen Kupferrohren fast immer Verbundrohre aus Kunststoff mit einer Aluminiumschicht zwischen den Lagen. Diese Rohre sind gasdicht, weil sonst in den diffusions­offenen Lehmputzen das Wasser durch den Kunststoff verduns­tet. Es gibt fertig vormontierte Klima­register, die der Verarbeiter befestigt und miteinander verbindet. Lehmbauplatten mit einem integriertem Rohr machen die Verarbeitung im Trockenbau oder den Einsatz in Dachschrägen ­möglich. In allen hier vorgestellten Beispielen wurde Verbundrohr von der ­Rolle (verfügbar bis zu einer Länge von 200 m) und mit dem gängigen Durchmesser von 16 mm verarbeitet. Verbund­rohre sind sehr gut biegsam, es lassen sich mit etwas Erfahrung Radien von 15 cm von Hand biegen und sie bleiben ohne großen Widerstand in Form. Von der Rolle lassen sich Heizflächen von 100 m Rohrlänge (länger sollte ein einzelner Heizkreis nicht ausfallen) am Stück und ohne Fittinge ­belegen. Die einzelnen Heizkreise ­werden an Verteiler angeschlossen, die auch bei Fußbodenheizungen Verwendung finden.

Innendämmung empfohlen
Bei der Bestandssanierung wie beim Neubau ist es in jedem Fall ratsam, ­direkt hinter der Heizung zu dämmen. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Bei einer im Altbau häufigen Wandstärke von 45 cm Ziegelwand muss die Wandheizung sehr lange die Masse heizen, bis sie sich dem Raum zuwenden kann. Zwar bleibt die Wärme rechnerisch ­erhalten und wird später wieder an den Innenraum abgegeben - allerdings sehr verzögert.
Ohne Innendämmung direkt hinter der Heizebene geht ein wesentlicher Vorteil der Wandheizung gegenüber einer Fußbodenheizung verloren: ihre relativ flinke Reaktion. Bei einem idealen Lehmputzaufbau über der Dämmebene von zirka 3,5 cm reagiert die Heizung schnell und gibt schon nach wenigen Minuten die erste Wärme ab. Weil Wohnungen heute häufig nicht kontinuierlich bewohnt werden ist das ein großer Vorteil. Nach Heimkehr am ­Feierabend lässt sich die gehaltene Grundwärme schnell um die zum Wohlbefinden wichtigen zwei bis drei Grad Celsius erhöhen. Das spart viel Energie bei Abwesenheit und garantiert ein behagliches Zuhause. Energetisch und technisch ist eine ­moderne Flächen­heizung perfekt in Kombination mit ­einer Wärmepumpe und niedrigen Vorlauftemperaturen. Aber natürlich kann auch jede andere Heizquelle genutzt werden. Sehr nied­rige Vorlauftemperaturen bieten sich besonders dann an, wenn Räume permanent genutzt ­werden. Bei der Bestandssanierung im Altbau mit Raumhöhen von 3,5 m ­wurden besonders gute Erfahrungswerte erreicht, wenn man die Vorlauftemperatur um zehn Grad höher als üblich auf etwa 40 Grad Celsius auslegt.

Aufbau im Detail
Aus den schon geschilderten Gründen wurde bei den gezeigten Beispielen die Heizebene immer auf einer Dämmschicht aus Holzweichfaserplatten oder Mineralschaumplatten montiert. Auch bei im Innenbereich belegten Heizflächen empfiehlt sich eine 2 cm dicke ­Dämmung zur Wand. Auf die Dämm­ebene wird mit dem Kammspachtel Lehmkleber aufgezogen. In das idealerweise noch plastische Material werden die Klemmschienen für die Heizrohre auf der Dämmebene montiert und mit entsprechend langen Dübeln und Schrauben befestigt.
Wichtig ist die Planung zur Belegung der Fläche mit Verbundrohr, um möglichst lange Strecken ohne Fittinge oder gar »Kreuzungen« zu montieren. Bei niedrigen Vorlauftemperaturen um die 30 Grad Celsius ist der Standardabstand 10 cm zwischen den Rohren, bei einem erhöhten Vorlauf wie im Fallbeispiel sind Abstände von 15 cm ausreichend.

Hohlräume vermeiden
Die Rohre werden nach Abtrocknen des Lehmklebers gemäß Plan verlegt und in Lehm eingeputzt. Der Gesamtaufbau aus Klemmschiene und 16 mm-Rohr addiert sich zu einer Tiefe von zirka
3 cm bis Rohroberseite. In dieser Stärke wird der Lehmunterputz aufgetragen und über die Rohre abgezogen. Es ist darauf zu achten, dass keine Hohlräume entstehen und dass die Rohre voll­ständig eingeputzt sind. Nur kontaktschlüssig ist eine optimale Wärmeübertragung möglich. Wird der Putz nicht mit der Putzmaschine, sondern von Hand aufgetragen, ist es empfehlenswert, den Unterputz zwischen den ­Rohren in zwei Lagen aufzuziehen. Für eine gute Trocknung ist unbedingt zu sorgen. Der Putz wird bei kalter Heizung aufgetragen, zur Trocknung ist dann die Inbetriebnahme unbedingt empfehlenswert. Ausführliche Hinweise liefert das Claytec Arbeitsblatt 6.1 (www.claytec.de /produkte/bautechniken/lehmputz/61-lehmputz). Über den trockenen Unterputz wird eine dünne Lehmputzschicht rohrüberdeckend aufgetragen. In das noch frische Material wird vollflächig Armierungsgewebe eingearbeitet.

Die Kür
Der bis hier geschilderte Aufbau garantiert behagliche Wärme. Die attraktive Oberfläche ist aber das Tüpfelchen auf dem i. Bei den vorgestellen Beispielen wurde weißer oder farbiger Yosima-Lehmdesignputz verarbeitet, der in einer Schichtstärke von 2 mm aufgezogen wird. Hier sind neben der farblichen ­Akzentuierung und der Auswahl ­zwischen über hundert Farben und ­zusätzlichen Zuschlägen vom rustikalen Klassiker Stroh bis zum Perlmuttgranulat keine Grenze in der Gestaltung ­gesetzt. Die Oberfläche kann als Strukturputz ausgeführt werden oder mit der leicht glänzenden, stark verdichteten Oberfläche, die an Marmor erinnert. Wie die Oberfläche auch ausgeführt wird, die Sorptionsfähigkeit und Diffussionsoffenheit des Lehmputzaufbaus ist ­garantiert, das Ergebnis ist hochwertig, ästhetisch und wohngesund.

Die Flächen
Kreativ darf man auch sein, wenn es um die Belegung der Flächen geht. Neben den klassischen Bereichen unter und um die Fenster herum können alle Orte im Raum gewählt werden, von denen die Wärme frei abstrahlen kann. Zwar ist es der Wandheizung egal, ob ein Sofa ­davor steht oder Bilder auf der Fläche hängen, Wärmeverluste oder Bau­schäden entstehen dadurch nicht. ­Jedoch führt schon ein Bild auf der Heizfläche dazu, dass in diesem Bereich praktisch keine Wärme abgestrahlt wird. Praxiserfahrungen zeigen, dass selbst geringe Hohlräume zwischen Putzoberfläche und einer Edelstahlverkleidung im Küchenbereich die Heizleistung stark reduzieren. Größere Lufträume, die etwa durch Bilderrahmen entstehen, führen dazu, dass sich die Bildoberfläche nur sehr langsam erwärmt. Teile der Heizflächen werden unvermeidlich durch Möblierung verdeckt, das sollte zweckmäßigerweise schon bei der Planung Berücksichtigung finden. Eine entsprechend größer ausgelegte Fläche ermöglicht den erforderlichen Spielraum, wenn später einmal Möbel umgestellt werden.

Nischen meiden
Es bietet sich an, Flächen zu belegen, die frei bleiben. Das kann eine tragende Säule im Raum sein, die rundherum komplett mit Wandheizung belegt, die Wirkung eines frei stehenden Kachelofens entfalten kann. Auch Fliesen­spiegel im Küchenbereich bieten sich an, oder wassergeschützte Wandflächen in der Dusche. Bei einem anderen Beispiel wurden die Heizflächen mit einem Abstrahlwinkel von 45 Grad in ein Regal integriert. Wandflächenheizungen ­müssen frei in den Raum strahlen ­können, Nischen sind zu meiden, weil sich die Wärme hier fängt und angrenzende Räumlichkeiten nur eingeschränkt geheizt werden. Die ­Regelung erfolgt heute meistens mit ­einem Raumfühler und Stellmotor am Heizkreisverteiler. Bei den vorgestellten
Beispielen wurden konventionelle ­Thermostatventile eingesetzt, die an ­beliebigen aber sinnvollen Stellen im Strang platziert sein können. Auch das funktioniert problemlos und braucht keinen zusätzlichen Strom und keine Kabelstränge.
Die Faustregel für die zu belegende Fläche beträgt ein Drittel der Grundfläche des Raumes. Bei einem Raum
von 30 Quadratmeter sind das zehn ­Quadratmeter. Je nach Raumhöhe und Vorlauftemperatur kann dies nach unten und oben variieren, eine exakte Berechnung liefert der Fachmann. Ein jahrelanger Praxistest hat gezeigt, dass etwa im Rheinland, mit im Winter recht ­milden Temperaturen, die zu belegende Fläche deutlich nach unten korrigiert werden kann.

Kosten
Bei der in der Bestandssanierung ­häufigen Aufgabenstellung einer energetischen Sanierung, der Erneuerung der Heizung und der Neugestaltung von Oberflächen ist die Kombination Innendämmung, Lehmputz und Wandheizung eine ideale ­Lösung und auch hinsichtlich der ­Kosten absolut konkurrenzfähig. Mit dieser Lösung ergibt sich als weiterer positiver Effekt, dass der Raumverlust durch die Innendämmung nicht ­allein durch die attraktive und ästhe­tische Lösung entschädigt wird, es vermeidet auch den sperrigen Aufbau konventioneller Heizkörper in den Raum. Der Raumverlust für den Wandaufbau mit einer Stärke zwischen 7,5 und 11,5 cm (je nach Dämmplattendicke) wird so kompensiert.    

Michael Willhardt

Abbildungen: Claytec/Willhardt                                       Ausgabe: 10/2012

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