06. Februar 2017

Sanierputze richtig planen und ausführen

Beschichtung auf Außenputz: Blasen, Beulen, Putzabplatzungen, Ausblühungen
Fotos: Rolof

Ausblühungen, Risse und Putzschäden an Fassaden sind bei Gebäuden im Bestand häufig zu beobachten. Die Lösung scheint einfach: neuer Putz und frischer Anstrich! Kurze Zeit später ist die Überraschung da und der Ärger groß – wieder sind durch Transport von Feuchte die Salze aus dem Untergrund aktiv geworden. Der Weg zum Erfolg führt von der genauen  Analyse bis  zum richtigen Umgang mit Sanierputzsystem.

Bereits der »Dritte Bericht über Schäden an Gebäuden« vom seinerzeitigen Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, der 1995 vorgestellt wurde, zeigte: mehr als 20 Prozent aller Neubauten wiesen innerhalb der ersten fünf Jahre schon Feuchtigkeitsschäden im erdberührten Bereich auf – bei Altbauten waren an 83 Prozent Maßnahmen an Fassaden erforderlich, dabei Sockel und Kelleraußenwände mit 66 Prozent besonders schadensträchtig! ­Gefahr erkannt – Gefahr gebannt, könnte man meinen…

Seither hat sich nach Erfahrungen von Experten, Bau-Sachverständigen, Handwerk und herstellender Industrie nicht viel verändert: Handlungsbedarf ist geboten um Werte zu erhalten.

Aufsteigende Feuchte – oder hygroskopische Wasseraufnahme? Vorsicht Falle!

Bei Gebäuden im Bestand finden sich häufig Ausblühungen in erdnahen Bereichen oder Feuchteschäden an Kellerwänden. Schnell ist die Ursache in fehlender ­horizontaler Dampfsperre oder ungenügender Bauwerksabdichtung vermutet. Doch Vorsicht ist geboten: hygroskopische Wasseraufnahme kann hier auch aufsteigende Feuchte im Wandbildner suggerieren! Dabei führt gerade die Anreicherung von Salzen im Mauerwerk oder Putz durch deren Hygroskopie zur Wasseraufnahme in der Dampfphase. Daher ist vor Beginn einer Maßnahme zur Sanierung von feuchte- und schadsalzbelasteten Untergründen die Bauwerksdiagnose zur Ursachenforschung unerlässlich. Hierzu gehören die Ermittlung für den tatsächlichen Feuchtegehalt und die Feuchteverteilung. Dazu können bewährte Methoden herangezogen werden (Probenentnahme, CM-Methode [vor Ort], gravimetrische Feuchtebestimmung [Darr-Methode, Labor]). Durch Wärmebild-Aufnahme kann die Feuchteverteilung auch sichtbar gemacht werden (Thermographie). Weiterhin ist durch Probenentnahme aus Mauerwerk und/oder Putz auch der Versalzungsgrad und die Herkunft der Salze zu ermitteln.

Der Weg zum Erfolg: Ursachen ermitteln, Fehler vermeiden, Sanierung planen!

Es gilt der Grundsatz: keine Sanierung ohne Planung! Hierzu bedarf es zunächst der Bauwerksdiagnose und Voruntersuchung. Also gilt es festzustellen: Ursache der Feuchteeinwirkung, tatsächlicher Feuchtegehalt und Herkunft der Salzbelastung. Daher sind im Vorfeld objektspezifische Gegebenheiten zu ermitteln. Hierbei handelt es sich um den ureigenen Aufgabenbereich eines sachkundigen Planers! Ohne solche Kenntnisse können keine Maßnahmen und keine Materialauswahl getroffen und mithin auch kein sinnvolles Leistungsverzeichnis erstellt werden. Gibt es keinen Fachplaner und handelt der Auftragnehmer eigenverantwortlich (zum Beispiel durch ein selbst erstelltes Angebot), ist der Unternehmer regelmäßig aus juristischer Sichtweise auch der Planer – mit der Folge der Haftungsrisiken für die richtige Auswahl und Anwendung des Sanierputzsystems! Auf diese Folgen wird auch im nachfolgend bezogenen WTA-Merkblatt »2-9-04/D Sanierputzsysteme« hingewiesen. Ebenso sollten Fachplaner und Fachunternehmer darauf achten, dass bei der Anwendung von Sanierputzsystemen die vorgegebenen Schichtenfolgen und Schichtdicken bei geeignetem Klima und aus­reichender Beschaffenheit des Untergrundes sowie notwendige  Standzeiten zwischen den Putzlagen eingehalten werden: nur so kann die Funktionstüchtigkeit von Sanierputzsystemen erreicht werden!

Normen oder Regelwerke

Häufig gelten Normen nur für Errichtung neuer Gebäude. Wird bei Schäden an Fassaden oder im Kellerbereich ein neuer Putz erforderlich, ist zunächst die DIN 998-1 »Festlegung für Mörtel im Mauerwerksbau – Putzmörtel« anzuwenden. Hier werden auch Sanierputze normativ geregelt. Dabei legt die Norm allerdings nur Mindestanforderungen zugrunde und berücksichtigt nicht die Erfordernisse aufeinander abgestimmter Produkte. Dieser Systemgedanke ist jedoch für die Funktionstauglichkeit wesentlich! Auch die Notwendigkeit der Bauwerksdiagnose im Vorfeld der Planung oder etwa Hinweise zur sicheren Anwendung von Sanierputzen fehlen. Diese Erfordernisse werden im WTA-Merkblatt »2-9-04/D Sanierputzsysteme« beschrieben, welches daher als wesentliche Arbeitsgrundlage für die Planung, Herstellung und Ausführung betrachtet werden kann.

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