03. Januar 2018

Baustoff Lehm im Fokus

Lehm, Baustoff, Baumaterial
1. Lehm-Trockenbau und Lehmputz: Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit in Rosenheim Foto: Jan Kobel

Lehm ist ein Baumaterial mit besonders viel Zusatznutzen. Eine Ausstellung im Lehmmuseum ­Gnevsdorf und Vorträge auf den Europäischen Lehmbautagen stellten öffentliche und gewerbliche ­Meilensteine mit dem nachhaltigen Baumaterial und seinen positiven Eigenschaften vor.

Das Lehmmuseum in Gnevsdorf/Mecklenburg-Vorpommern ist das einzige Museum zum Lehmbau in Deutschland. In einer denkmal­geschützten Feldsteinscheune präsentiert es Grund­lagen, historische Lehmbautechniken und modernen Lehmbau. Jährlich zeigt es auch zwei Sonderausstellungen. Organisator der Ausstellungen ist die Europäische Bildungsstätte für Lehmbau (earthbuilding.eu) – auch Anbieterin von Aus- und Weiterbildungsseminaren etwa als »Fachkraft für Gestaltung im Lehmbau«. Die Ausstellung im Juli war in die Europäischen Lehmbautage ­integriert, die am Tag nach der Eröffnung im nah gelegenen Wangeliner Garten mit einer Fachtagung fort­gesetzt wurden. Dort zeigte Michael Weser auch die experimentellen Bauten aus Lehm und Strohballen dem internationalen Publikum.
 
2 Außenwand aus Strohlehmsteinen mit wärmedämmendem Lehmputz: Kita Wildblume in Garz. Foto: Hochschule Wismar/ IGEL-Institut

2 Außenwand aus Strohlehmsteinen
mit wärmedämmendem Lehmputz:
Kita Wildblume in Garz.
Foto: Hochschule Wismar/ IGEL-Institut

Lehm im Nicht-Wohnungsbau

In diesem Jahr zeigte die Ausstellung »Umweltschonendes Bauen mit Lehm am Beispiel zeitgemäßer europäischer Gewerbe- und Industriebauten« zwölf Projekte. Sie belegen, dass der Baustoff Lehm inzwischen auch in öffentlichen und gewerblichen Bauten eingesetzt wird. Die Ausstellung legt besonderes Augenmerk auf die Zusatznutzen von Lehm: neben der schon gut erforschten Feuchtepufferung/Sorptionsfähigkeit, die hochwertige Ästhetik, sowie Bauphysikalische Vorteile wie Rissfreiheit, guter Schallschutz und Wärmepufferung. Zudem sind Lehmbaustoffe in aller Regel ökologisch und vereinfachen die Installation von Wandtemperierungen.

In den ausgestellten Projekten wurde der Lehm zu verschiedenen Bauteilen verarbeitet: zu gestampften Außen- oder Innenwänden, zu feinen Putzschichten, zu Fußböden, gestampft oder gespachtelt, zu einer traditionellen Wellerwand, modernen Trockenbauelementen und zu einer besonders sorptionsfähigen Lehmsteinmauer. In den Vorträgen der internationalen Fachtagung am nächsten Tag vermittelten Projekt­beteiligte Einblicke in den Planungs- und Bauprozess der ausgestellten ­Gebäude und erste Erfahrungen bei der Nutzung.

Fokus Feuchtepufferung

Lehm ist sorptionsfähig und kann so den Feuchtehaushalt von Räumen regulieren. Dies ist bei den heutigen Konstruktionen prinzipiell wichtig, da sie möglichst luftdicht sein müssen. So war dieser Zusatznutzen bei allen Projekten in der Ausstellung gefragt. Besonders sinnvoll ist er, wo durch die Nutzung viel Feuchtigkeit in die Raumluft gelangt oder wo es darauf ankommt, dass die relative Luftfeuchtigkeit möglichst konstant bleibt. An erster Stelle stand dieser Aspekt beim Vorarlberg­museum im österreichischen Bregenz und beim Kräuterlager der Firma Ricola im Schweizer Laufen.

Im Vorarlberg-Museum (ausbau + fassade 12/2013) darf die Luftfeuchtigkeit höchstens drei Prozent schwanken. Seine Wände erhielten deshalb 3 cm starke Lehmschichten, die Decken 2,5 cm, insgesamt 16500 m², davon 1500 m² mit Lehmbauplatten. Eine Klima­simulation zeigt, dass diese Bauweise Investitionen und laufende Kosten für Klimatechnik um ein Drittel verringert. Das Kräuterlager des Ricola-Kräuterzentrums ist mit 111 m Länge, 30 m Breite und 11 m Höhe momentan das europaweit größte Lehmgebäude. Die Kräuter benötigen neben einer konstanten Luftfeuchte eine möglichst gleichbleibende Temperatur. Die 30 cm dicke Stampflehm-Außenwand der Halle puffert Feuchte- und Temperaturunterschiede, die durch das Außenklima und die Nutzung entstehen.

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