08. Februar 2018

»Verputzen ist meine Leidenschaft«

Verputzen, Bauhaussiedlung,
1. Frisch restaurierte Gesimse in einem neoklassizistischen Gebäude in Tel Aviv, Allenby Straße 19

Der Schwabe Norbert Hoepfer restauriert die Bauhaussiedlung in Tel Aviv. Mit einem Mörtel, den er selbst mischt. Die Rezepturen des selbstständigen Restaurators sind auch in Deutschland gefragt.

Mischen, den Putz an die Wand werfen, glattstreichen. Und wieder von vorn. Norbert Hoepfer steht auf einer Baustelle am Rothschild Boulevard, mit zahlreichen Cafés und Restaurants, in der Fußgängerzone von Tel Aviv. Er schüttelt den Kopf. »Das sind doch Schlamper«, schimpft er auf schwäbisch. Der 55-Jährige trägt Brille, ausgewaschenes T-Shirt, staubige Hose und einen Schlapphut gegen die Mittagssonne. Kritisch prüft er, wie seine Arbeiter die Hauswand verputzt haben. Dann greift er selbst zur Kelle und zeigt, wie man es besser macht. Hoepfer lacht und sagt: »Ich bin wahrscheinlich der einzige Doktor, der hier selbst verputzt.«

Viele Häuser sind baufällig

Der gebürtige Heilbronner ist promovierter Geologe und Mineraloge. Seit 20 Jahren ist er als Restaurator tätig, seit zehn Jahren saniert der Experte Häuser in der Stadt am Mittelmeer, darunter einige »Bauhäuser« – das sind Gebäude nach Art der Architektur-, Kunst- und Design-schule Bauhaus. Rund 4000 solche Häuser gibt es in Tel Aviv und es ist damit die größte Ansammlung ihrer Art weltweit. Seit 2003 ist die sogenannte weiße Stadt Unesco-Weltkulturerbe. Gebaut wurden die Häuser in den 1930er-Jahren, als jüdische Architekten vor den Nationalsozialisten aus Deutschland in das damalige Palästina flohen.

Flachdächer, Glasfassaden, Rundungen – die Ideen des Bauhauses waren damals revolutionär. Die kubistischen Gebäude waren Vorreiter für die heutige, moderne Architektur. Doch Hitze, Feuchtigkeit und salzhaltige Luft ließen seither den Putz bröckeln. Bis sich Israel dafür entschied, die Bauten zu sanieren – mit Hilfe von deutschen Bauleitern, Architekten, Putzfachleuten. Auch sei der Bedarf an Wohnraum in den letzten Jahren enorm gestiegen, erzählt Hoepfer, der noch andere Bauprojekte leitet und israelische Bauunternehmer berät. Auf dem Bau vermittelt er zwischen Bauunternehmern, Architekten und Verputzern. Die reden oft aneinander vorbei. »In meinem nächsten Leben«, sagt er schmunzelnd, »werde ich Baupsychologe.« Die meisten Arbeiter, die er anleitet, sind Araber ohne Ausbildung. »In Tel Aviv haben wir Leute von der Straße. Israelis, Russen, Ukrainer.«

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