01. Januar 2016

Ein »Aha« als Willkommensgruß

Pleissner_3 Ausbau und Fassade - Ein »Aha« als Willkommensgruß

Der Eingangsbereich eines Architekturbüros in Schorndorf wartet mit einem besonderen Objekt auf: eine Theke, wie es sie sonst nirgendwo anders gibt. Für dieses gelungene Ergebnis arbeitet der Maler- und Stuckateurunternehmer Axel Pleissner eng mit dem Architekten Torsten ­Eickholt zusammen. Das Unikat inspiriert beide zu weiteren Objekten.

Torsten Eickholt bezog mit seinem Architekurbüro »brügel_eickholt« vergangenes Jahr neue Geschäftsräume in einem ehemaligen Fabrikgebäude in Schorndorf. Das neue Umfeld ist attraktiv: das ehemalige Fabrikgebäude zieht kreative Unternehmen an, außerdem ist das historische Zentrum der schwäbischen Stadt nur wenige Gehminuten entfernt.
Die Räumlichkeiten entsprechen den Bedürfnissen eines Architekturbüros – nur der Eingangsbereich passte nicht so richtig. »Der Raum war tot«, so Torsten Eickholt. Der Architekt ging auf die Suche nach einer besonderen Lösung. Schließlich sollte der Besucher schon beim Betreten erfahren, dass hier Kreativität und Innovation Geschäftsgrundlagen sind.

Kreatives Design im Trockenbau
Auf die Fährte brachte ihn schließlich Axel Pleissner. Er schlug vor, eine Theke zu bauen – und zwar im Trockenbau. Als Chef der »Maler und Stuckateur-Werkstatt« hat er damit bereits Erfahrung gesammelt und festgestellt, dass sich die beiden Gewerke beim Bau von Möbeln und Einrichtungen sehr gut ergänzen. Außerdem bietet die Trockenbauweise viele Möglichkeiten für kreatives Innenraumdesign. Das war ganz nach der Vorstellung Eickholts.
Die Theke im Eingangsbereich sollte den Gast auf ganz eigene Art und Weise willkommen heißen – am Besten mit einem »Aha-Effekt«. Dabei sollte die Funktion als Empfangstisch durchaus gewahrt bleiben. Eickholt entwickelte am Computer eine polymorphe Skulptur, die für die Verbindung von Kunst, Design und Funktion steht – sozusagen als aussagekräftiges Aushängeschild, als ein dreidimensionales Emblem des Architekturbüros. Dabei sollte das Objekt nicht dominieren, sondern die Bilder im Raum wirken lassen. Deshalb war klar, dass die Oberfläche schlicht gehalten werden sollte, am Besten in mattem Weiß.
Auf Basis einer CAD-Skizze konnten Pleissner und seine Mitarbeiter an die handwerkliche Umsetzung gehen. Diese »Manufakturarbeit« ist für den Malermeister nichts Neues. Für die lokale Handwerkerausstellung »Rund ums Haus« experimentierte er mit einem Beistelltisch in »C-Form«.
Zunächst war Stuckateurarbeit gefragt. Auf einer Unterkonstruktion wurden Gipsplatten in Biege- und Falttechnik aufgebracht. Als Deckplatte wurde eine extra harte Diamantplatte gewählt.
Für das gewünschte Erscheinungsbild war die Gestaltung der Oberfläche ganz wesentlich. Hier konnte Pleissner als Maler- und Lackierer auftrumpfen. Der richtige Schichtaufbau konnte nämlich nicht einfach im Lehrbuch nachgeschlagen werden. Das Know-how, wie Gipsplatten zu lackieren sind, musste erst entwickelt werden.
Die Trockenbaukonstruktion erhielt sechs Farbschichten und wurde zum Schluss mit einem kratzfesten Möbellack veredelt. »Hier kam es besonders auf das Schleifen an«, verrät Pleissner, der aber sonst die wichtigsten Details lieber für sich behält.

Neues Standbein: individuelle Möbel
Mit der Fertigstellung des Objekts sind Torsten Eickholt und Axel Pleissner mit ihrer Zusammenarbeit in Sachen Möbel noch nicht ans Ende gekommen. Darin steckt noch sehr viel Potenzial und eröffnet die Chance auf ein zusätzliches Standbein für beide.
Der Trockenbau bietet sich geradezu für  individuelle Lösungen an, zum Beispiel in Arztpraxen oder im Messebau. In Unternehmen können damit »meeting points« als kreative Inseln geschaffen werden.
Die Vermarktung dieser Idee birgt für beide Vorteile. Der Architekt kann zeigen, dass er nicht nur Gebäude entwerfen, sondern darüber hinaus auch mit seiner Kreativität Design- und Kunstobjekte schaffen kann.
Der Maler und Stuckateur hat damit zu kämpfen, dass man ihm weniger zutraut, als er kann. »Jeder denkt: nur der Schreiner macht Möbel«, beschreibt Pleissner das Image-Problem. Aber mit einem Architekten als Partner lassen sich ungewöhnliche Ideen viel einfacher transportieren.
Zunächst wird Axel Pleissner für seine Geschäftsräume ein weiteres Objekt bauen. Dann wollen beide in die aktive Vermarktung gehen. Aber schon jetzt zeigen beide Partner das Objekt auf
ihrer Homepage als Referenzobjekt.

pd

@ www.pleissner.info
www.b-e-architekten.com

Abbildungen: 1+2: Stephan Schaal Photography; 3: Dolt                                                                Ausgabe: 3/2013

  1. Pleissner_1 Ausbau und Fassade - Ein »Aha« als Willkommensgruß
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