01. Januar 2016

Schwebend und lautlos

Knauf_Cubo_4 Ausbau und Fassade - Schwebend und lautlos

In Stäfa bei Zürich testet ein Unternehmen für Hörsysteme seine Produkte in drei völlig schallentkoppelten Anpassungsräumen. Aufgelagert auf einem speziellen Boden berühren die Räume weder an Decke oder Wänden die umgebende Konstruktion – sie scheinen zu schweben.

Damit medizinisch-technische Hilfswerkzeuge die bei jedem Menschen ­unterschiedlich ausgeprägten Seh- oder Hörschwächen optimal kompensieren ­können, müssen sie möglichst exakt auf die Bedürfnisse ihrer Träger ausgerichtet sein. Für eine treffsichere Diagnose benötigen Optiker wie Hörakustiker ­neben einem einladenden Shop auch separierte Nebenräume mit modernem technischen Equipment, in denen sich ihre Kunden wohlfühlen und untersucht sowie beraten werden können. Wäh­rend einem Optiker ein abgeteilter Bereich im Fachgeschäft genügt, benötigt ein Hörakustiker einen weit­gehend schallentkoppelten Raum, um die sen­siblen Hörsystemanpassungen ohne störende Fremdgeräusche vorzunehmen. Genau an dieser Stelle setzt das Raum-in-Raum-Konzept von Knauf »Cubo« an, mit dem sich selbsttragende und freistehende Raumsysteme in ­modularer Bauweise schnell und prob­lemlos verwirklichen lassen. Diesen Vorteil machte sich die in Konstanz ansässige Firma Artmix zunutze, die sich da­rauf spezialisiert hat, anspruchsvolle Messräume mit hoher Schallschutzqualität zu entwickeln und in verschiedenen Ausstattungen und Größen anzubieten. Artmix ist Systempartner von Knauf und hat sich auf der Basis des Cubo-Konzeptes einen sogenannten »Floatroom« patentieren lassen, der quasi frei im Raum schwebt. Weder die Decke noch die Wände des schallgedämmten Kubus in Leichtbauweise berühren an irgendeiner Stelle die umgebende Konstruk­tion – der Floatroom steht auf seinem eigenen Boden. Speziell Hörgeräteakus­tiker, HNO-Ärzte und Fachkliniken profitieren von der entkoppelten Raum­zelle, deren Schallschutzwerte von mehr als 50 dB tadellose Messergeb­nisse garantieren und sehr gute Anpassungsbedingungen bieten.

Hörgerätetest bis zu 90 dB
Auch der weltgrößte Hörgeräte-Hersteller Phonak zählt zu den Kunden von Artmix und hat an seinem Hauptsitz
im schweize­rischen Stäfa, direkt am Zürichsee gelegen, gleich drei Float­room-Raumzellen aufstellen lassen. Zweifellos eine Referenz für Artmix-­Geschäftsführer Henning Tartsch, der bei diesem Auftrag das Leistungsver­mögen seines Floatroom-Patentes ­unter besonders schwierigen ­Bedingungen unter Beweis stellen konnte: In unmittelbarer Nachbarschaft zu Produktionsräumen mit bis zu 90 dB Umgebungslautstärke sollten die drei Raumzellen dazu dienen, Produkttests an Hörgeschädigten durchzuführen. ­Dazu werden verschiedene definierte Klangsze­narien simuliert, um herauszufinden, ob die Hörgeräte aus alltäg­licher Geräuschkulisse das gesprochene Wort des Gegenübers noch verständlich ­herausfiltern. Zu ­keinem Zeitpunkt zweifelten die Artmix-Mitarbeiter ­daran, dass das Floatroom-Konzept in Kombination mit Cubo unter diesen ­extremen Bedingungen die für einen Anpassungsraum ­gesetzlich geforderten 50 dB schafft.

Absolute Stille
Um jedes Risiko einer Schallübertragung auszuschließen, wurde der vorhandene Estrich entfernt und die schwimmend gelagerten Sockel der drei Floatroom-Kuben direkt auf dem Rohfußboden aufgebaut. Der Bodenaufbau, ein komplexes Mehrschichtsystem, ­beruht auf einer Speziallösung von Artmix, auf die dann das Cubo-Raum­system aufsetzt. Die Wände der drei Raumzellen bestehen aus einer Trockenbaulösung mit speziellen MW Schallschutzprofilen, die innen- wie außenseitig mit zwei Lagen DiamantPlatten (d = 12,5 mm) beplankt sind. Auch nach oben hin schließen die Raumzellen innenseitig mit einer doppelten Beplankung aus Diamant-Platten ab, die über schallentkoppelnde Federschienen an den frei von Wand zu Wand spannenden UA-Doppelprofilen befestigt sind. Jede der drei Floatroom-Raumzellen bei Phonak bietet 24 m² Nutzfläche. ­Jeder Raum ist mit einer schallgeschützten Klimatisierung ausgestattet, welche die Luftqualität und die Temperatur stets im angenehmen Bereich auspendelt. Selbst bei absoluter Stille im Testraum ist von der Klima­anlage nichts zu hören. Keine der 120 Personen, die pro Woche als Probanden in den drei Kuben an den Testläufen mitwirken, spürt einen unangenehmen Luftzug auf der Haut. Der Aufenthalt in den Räumen gestaltet sich sehr komfor­tabel – trotz hohem Schallschutz wähnt sich niemand in ­inem schalltoten Raum. Eine Glastür und ein horizontales Fensterband sorgen für Blickkontakt nach draußen.

Keine Chance für Schallbrücken
An Boden und Wänden dämpfen ökologisch zertifizierte Textilbeläge den Tritt- und Luftschall, die zudem sehr strapazierfähig und für Allergiker geeignet sind. Für Abwechslung in den Kuben sorgen die verschiedenen Farben der textilen Decken- und Wandbeläge. ­Alternativ bietet Artmix Design- und Schallabsorptionswände aus Hartmaterial wie zum Beispiel »Cleaneo Akus­tikplatten« an, die in der gewünschten Farbe gestrichen werden können. In den drei Phonak-Floatrooms sind nur die Decken mit harten, hoch absorbierenden Cleaneo Akustikplatten versehen, die ebenso wie die Wände die Nachhallzeit in den Testräumen reduzieren. Um jegliche Schallbrücken auszu­schließen, durchstoßen die Leitungen den Kubus an nur einem zentralen Punkt der Außenbeplankung, der zur Raumseite hin über eine schalldichte Klappe zugänglich ist. Von hier aus verteilen sich die Leitungen über Kabelkanäle auf der Innenseite der Wände zu den verschiedenen Aufputzinstallationen. Die blendfreien und per Funk ansteuerbaren LED-Leuchten werden im Hohlraum der Akustikdecke angefahren. Da es in Messräumen in der Regel von Elektronik nur so wimmelt, bietet Artmix auf Wunsch einen Akustiktisch ­Wireless in zwei Varianten an. Mit im Paket ist in jedem Fall der Knauf Cubo, der auch für Schallschutzräume in ­Musikschulen, als Raum-in-Raum-­Lösung in Altbauten, für Praxen oder Wohnungen oder als Brandschutzausführung bis hin zur Ausführung als F90-Fluchttunnel eingesetzt werden kann. Die Cubodecke kann sogar je nach Ausführung mit Verkehrslasten bis zu 2 KN/m² ­beaufschlagt werden.

Abbildungen: Knauf Gips KG/Ducke                                                                          Ausgabe: 5/2013

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