01. Januar 2016

Fugen und Flächen im Griff

Werkzeug_1 Ausbau und Fassade - Fugen und Flächen im Griff

Hochwertiges Werkzeug ist die Voraussetzung für hochwertige Trockenbau-Oberflächen.

Kein Mensch würde seine Suppe mit der Gabel essen. Jeder weiß: dafür benutzt man einen Löffel. Bei der handwerk­lichen Herstellung von hochwertigen Trockenbau-Oberflächen ist dieses Bewusstsein für die Abhängigkeit des Arbeitsergebnisses vom eingesetzten Werkzeug noch nicht überall verankert.
Immer wieder wird auf Baustellen versucht, beim Fugenspachteln mit einer Glättkelle, deren Blatt an den Ecken nach oben verbogen ist, die Grundlage für eine hochwertige Q3-Oberfläche herzustellen. Nicht zu selten wurde damit vorher noch der Kratzputz an der Fassade aufgezogen. Mit einem derartigen Werkzeug ist es fast unmöglich, eine Fuge ohne großen Aufwand eben beziehungsweise übergangslos zu spachteln, ohne Vertiefungen, unregelmäßige Überhöhungen oder Wellen einzubauen.
Macht man es trotzdem, so rächt sich das mehrfach: Der Handwerker muss deutlich öfter über die Fuge ziehen, bis diese halbwegs eben und gratfrei wird. Wird für eine Q2-Beschichtung anschlie­ßend geschliffen, muss deutlich mehr geschliffen oder sogar nachgespachtelt werden.
Wird anschließend noch eine vollflächige dünne Spachtelschicht zur Erlangung einer Q3-Oberfläche aufgebracht, lässt sich auch damit nicht mehr retten, was in der Fuge versäumt wurde. Der dünne Auftrag von Spachtelmasse, der nur dem Porenverschluss des Kartons dient, um das Saugverhalten anzugleichen, ist nicht in der Lage, Unebenheiten im Millimeter-Bereich auszugleichen. Oft bleiben deshalb viele Fugen selbst bei Q3-Spachtelungen nach der Beschichtung deutlich sichtbar und führen nicht gerade zu Begeisterung beim Auftraggeber.
Bei HRAK-Fugen ist dies besonders ärgerlich, da diese mit relativ wenig Aufwand eben gespachtelt werden könnten. Doch auch angefaste Schnittkantenfugen werden tendenziell optisch noch mehr als gewohnt auffallen, wenn sie mit verformten Glättkellen gespachtelt werden.
Dies kann relativ einfach vermieden werden, wenn geeignete Glättkellen verwendet werden.

Werkzeug für die perfekte Fuge
Eine geeignete Kelle sollte folgende Eigenschaften haben:
• Langer Steg nahezu in Blattlänge. Dadurch wird eine Verformung der Kelle beim Spachteln in Längsrichtung unterbunden. Dies vermeidet vertieftes Spachteln einer Fuge und vereinfacht das Spachteln bei Schnittkanten in ­einem Zug.
• Relativ schmales, aber langes Blatt. Dies reduziert die Verformung der Kelle beim Spachteln in Querrichtung und vermindert den Druck der Kelle im Bereich der Fuge (da prozentual mehr Kelle auf dem Karton als auf der Fuge gleitet). Dadurch wird das Herauswalken einer Wulst vermieden, was zu ­einer glatteren Fuge führt. Beim zweiten Spachtelgang lässt sich durch das breitere Blatt die Fuge in einem Zug breit ausziehen.
• Blattmaterial aus dünnem Feder-Edelstahl. Dadurch wird das dauerhafte Aufstellen der Blattecken vermieden. Das ist die Grundvoraussetzung zum Spachteln für ebene Fugen. Der zweite Spachtelgang kann zusätzlich aufgrund der Flexibilität des Blattes mit einem Zug ausgeführt werden, so dass links und rechts der Fuge auf Null ausge­zogen werden kann. Das spart Zeit.
• Schweißpunktfreie Verbindung zwischen Blatt und Steg. So lassen sich durch Schweißpunkte von vornherein verzogene Blätter und Korrosionsstellen vermeiden.
Je hochwertiger das geforderte End­ergebnis, umso mehr hängt dieses unmittelbar vom eingesetzten Werkzeug ab. Bei der Herstellung von Q4-Oberflächen – den hochwertigsten handwerklich herstellbaren Flächen – zeigt sich das noch deutlicher.
Bei Q4-Oberflächen wird die Spachtelmasse mindestens 1 mm dick vollflächig aufgebracht und verteilt. Sind von der vorherigen Fugenspachtelung schon Unebenheiten von mehr als 1 mm im Untergrund (siehe oben, Einfluss der Glättkelle auf die Fugenqualität), steigt zwangsläufig der Material- und Zeitaufwand und das Endergebnis wird schlechter.
Sind die Fugen ohne größere Unebenheiten verspachtelt, so hat das Werkzeug, mit dem die Spachtelmasse verteilt wird, den größten Einfluss auf das Endergebnis. Nimmt man zum Beispiel ein relativ kurzes Werkzeug (kürzer als eine halbe Plattenbreite, beispielsweise eine Glättkelle oder einen sehr kurzen Schmetterling), produziert man sehr viele Grate, die später weggeschliffen werden müssen.
Muss das Werkzeug vom Griff bedingt relativ steil gehalten werden, zieht man in der Regel sehr viele Wellen in den Untergrund. Denn je nach Entfernung der Führhand zum Körper, hält man das Werkzeug (einhändig gehalten) anatomisch bedingt immer in einem anderen Winkel zur Oberfläche. Weit weg vom Körper hält man es flacher, näher am Körper steiler. Bei steil gehaltenem Werkzeug wird mehr Material abgezogen als bei flach gehaltenem. Zusätzlich tropft abgezogenes Material, das sich auf dem Blatt sammelt, häufig ab, verunreinigt den Boden und ist Abfall.
Ungünstig beeinflusst wird die Ebenheit auch durch die Härte des Blattes. Je härter das Blatt, umso weniger kann es den unterschiedlichen Druck und Winkel der Führhand ausgleichen. Diese Probleme können mit einer geeigneten Flächenspachtel einfach vermieden werden.

Flächenspachtel – darauf kommt es an
Eine geeignete Flächenspachtel sollte folgende Eigenschaften haben:
• Das Blatt sollte größer als die halbe Plattenbreite, aber nicht zu groß sein. Aus der Praxiserfahrung eignen sich Längen von zirka 80 cm bis maximal 1 m, um einen Mittelweg aus ergonomischer Handhabung, geringem Gewicht  und wenig Graten in der Fläche zu erreichen.
• Das Werkzeug sollte beidhändig sehr flach gehalten werden können. Damit werden Wellen im Untergrund vermieden und optimal ebene Oberflächen erzeugt. Zusätzlich wird kaum Material abgezogen. Die Oberfläche wird vielmehr zugezogen. Ein Abtropfen von Material vom Blatt findet nicht statt. Es entstehen ebene Flächen bei sauberer und angenehmer Verarbeitung.
• Das Blatt sollte aus weichem Feder-Edelstahl mit gerundeten Ecken bestehen. Weiche Blätter sind besser geeignet, um differierende Druck- und Winkel-Verhältnisse ausgleichen zu können. Die gerundeten Ecken vermeiden übermäßige Grate.
• Aufgrund der Größe sollte das Werkzeug robust und leicht zu reparieren sein. Fällt eine Flächenspachtel vom Gerüst, wird Kunststoff am Griff eher beschädigt als leichtes Metall. Hat es eine Macke bekommen oder ist es verbogen, sollte das Blatt einzeln austauschbar sein. Das spart jede Menge Kosten und Abfall. Ersatzblätter können unkompliziert immer auf der Baustelle mitgeführt werden.
Natürlich muss man für solche Profi-Werkzeuge mehr als 5 Euro das Stück einkalkulieren. Die Anschaffung lohnt sich jedoch immer, denn solche Werkzeuge nutzt man in der Regel jahrelang und muss nicht ständig nachkaufen. Abgesehen vom absolut professionellen Arbeitsergebnis spart man sich jede Menge Zeit und Ärger und es macht darüber hinaus sogar Spaß damit zu
arbeiten.
Das oben beschriebene effiziente Profi-Trockenbau-Werkzeug, zum Beispiel
eine »Spezial Glättkelle« für Gipskartonfugen oder eine spezielle »Flächenspachtel« für Q3/Q4-Oberflächen, konnten die Besucher der Knauf Werktage in diesem Frühjahr live erleben. Erhältlich ist solches Profi-Werkzeug im Trockenbau- oder Maler-Fachhandel.

Matthias Schäfer
Marktmanager für Spachtelmassen und Werkzeuge bei der Knauf Gips KG

Abbildungen: Knauf                                                                                                                              Ausgabe: 7-8/2013

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