01. Januar 2016

Der Professor und der Trockenbauer

Germerott Ausbau und Fassade - Der Professor und der Trockenbauer

Michael Bienert ist wohl der einzige Wirtschaftsprofessor, der in einem Stuckateur- und Trockenbau-Unternehmen tätig ist. Wolfgang Germerott entwickelt mit ihm zusammen sein Unternehmen weiter.

»Jedes Unternehmen sollte sich darum kümmern, wie es sich weiterentwickelt und welche Ziele es verfolgt«, rät Prof. Dr. Michael Bienert und betont: »Das gilt für ein großes, aber auch für ein kleines Unternehmen.« Bienert weiß, wie Konzerne ticken, kennt aber auch die Besonderheiten eines Handwerks­betriebs. Als Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule Hannover gehört das zu seinem Job. Von ihm wird nicht nur die Ausbildung von Studenten erwartet, sondern auch die Zusammenarbeit mit Unternehmen – je näher an der Praxis, umso besser.

Zuerst externer Berater
So lernte ihn auch Wolfgang Germerott kennen. Der Geschäftsführer des gleichnamigen Stuckateur- und Trockenbau-Unternehmens engagierte Michael Bienert als externen Berater. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Zusammenarbeit immer intensiver, und Germerott bot Michael Bienert eine regelmäßige Mitwirkung in enger Zusammenarbeit mit dem Führungsteam an. Nach dem zunächst dienstrechtliche Fragen geklärt worden waren, hat Bienert nun seit August 2012 ein Büro und Verantwortung beim Ausbauspezialisten Germerott.
Der Betrieb ist fachlich sehr gut aufgestellt. Die Technik ist auch nicht das Betätigungsfeld für den neuen Mann. »Top-Experten für technische Fragen gibt es hier viele«, erklärt er. »Bei meinem Projekt geht es um die Weiterentwicklung und Optimierung des Gesamtunternehmens. Dafür bin ich mit verantwortlich.«
Das Projekt ist so vielfältig und komplex, dass kein Name dafür gefunden wurde. Es umfasst die strategische Ausrichtung, Organisation und Personal­entwicklung. In all diesen Bereichen hat Wolfgang Germerott schon viel getan. Sein Unternehmen hat nicht ohne Grund ein exzellentes Renommee und ist in vielen Dingen beispielhaft. Aber seitdem das Unternehmen in den 1970er-Jahren vom Vater des heutigen Inhabers gegründet wurde, hat sich doch vieles verändert. Nicht zuletzt ist es von einer recht überschaubaren Größe auf über 60 Mitarbeiter angewachsen. Zwar steht nach wie vor der Trockenbau im Mittelpunkt, aber damit sind zu der Ausführung auch Aufgaben in der Planung und Koordination hinzugekommen – mit Auswirkungen auf die handelnden Personen und die Organisation. »Es wurde Zeit, vieles genauer anzuschauen«, so Germerott. Außerdem geht es auch um seine persönliche Lebensgestaltung. Ihn bewegen Fragen wie »Was ist, wenn ich mich in fünf oder zehn Jahren zurücknehmen will?« und »Wie regle ich die Nachfolge?«.

Ziel: Innovativstes Unternehmen in Niedersachsen
Um darauf Antworten zu finden, beginnt Michael Bienert das Projekt strukturiert und planvoll. Zuerst werden die langfristigen Ziele definiert. Dafür steht die Frage »Wo soll das Unternehmen in zehn Jahren stehen?«. Dabei ist es Germerotts persönliches Ziel, dass die Kunden und die Mitarbeiter zufrieden sind. Es mag überraschen, wenn die Mitarbeiter eine so große Rolle spielen, aber der Unternehmer ist überzeugt: »Nur wenn die Mannschaft zufrieden ist, können auch die Kunden zufriedengestellt werden.«
Nicht weniger ehrgeizig ist ein weiteres Ziel: Germerott will das innovativste Unternehmen für den Innenausbau in Niedersachsen werden.
Um das zu erreichen, müssen interne Prozesse konsolidiert und optimiert werden. So wird ein stabiles Fundament für ein weiteres Wachstum und für neue Geschäftsfelder geschaffen.

Von der Vision zu den konkreten Zielen
Steht diese Vision, werden die kurzfris­tigen Ziele definiert – und zwar möglichst konkret. Nur so kann überprüft werden, ob sie erreicht wurden oder ob man steuernd noch eingreifen muss. Zu diesen Zielen für das aktuelle Kalenderjahr gehört, die Beziehungen zu den Kunden weiter zu intensivieren. Ein professionelles Kundenbeziehungs­management – in der Fachsprache:
»Customer-Relationship-Management (CRM)« – hilft dabei. In einem Unternehmen ist das Wissen über die Kunden über die Mitarbeiter und die Abteilungen verteilt. Mit einer Software können  diese Informationen gebündelt und transparent gemacht werden.
Qualifizierung und Weiterbildung ist für ein Unternehmen mit diesem Anspruch unverzichtbar. Von den Mitarbeitern wird dafür die Motivation vorausgesetzt. Vom Unternehmen werden sehr umfangreiche Schulungsmaßnahmen angeboten, die auch ganz individuelle Wünsche des Einzelnen berücksichtigen. Ein weiteres kurzfristiges Ziel betrifft die Organisation. Um diese zu optimieren, wird der Kernprozess in seinem Ablauf in Schritten untergliedert und beschrieben – von der Auftrags­annahme bis zum Abschluss.
Die größte Herausforderung ist es, das Tagesgeschäft und die Projektarbeit zu versöhnen. Für das Management ist es
eine Belastung, beides parallel voran­zubringen. Im Frühjahr 2013 ist aber schon viel erreicht worden. Das macht Germerott und Bienert zuversichtlich, dass der Konsolidierungsprozess wie ­geplant Ende 2014 vollzogen ist.

»Dieses Herangehen ist für Konzerne
üblich, aber für ein Unternehmen dieser Größenordnung ein völlig neues Thema«, sagt Bienert. Die Methode und das Instrumentarium passen auf jeden Betrieb – und zwar unabhängig von seiner Branchenzugehörigkeit. In Groß­unternehmen werden die Entscheidungen selten so schnell getroffen und umgesetzt, wie dies bei Germerott der Fall ist. Das ist einer der Vorteile von mittelständischen und inhabergeführten Unternehmen, wie sie im Bauwesen meist anzutreffen sind. Eine weitere Besonderheit im Baugewerbe ist die stark differenzierte Kundschaft. So unterscheiden sich Architekten, private oder öffentliche Bauherren in ihren Wünschen und in der Ansprache sehr.

Projekt zur Nachahmung empfohlen
Was können andere Fachunternehmer von dem Projekt bei Germerott lernen? Michael Bienert gibt die Antwort: »Grundsätzlich ist so ein Projekt auch für andere Betriebe im Stuckateur- und Ausbauhandwerk zu empfehlen – auch wenn sie nur wenige Mitarbeiter haben.« Sicherlich wird es Unterschiede in der Intensität oder in der Dauer geben. Aber grundsätzlich sollte jeder Unternehmer Antworten auf die Fragen haben »Welche Ziele werden mit welcher Strate­gie verfolgt?«, »Wie entwickelt sich das ­Unternehmen weiter?« und »Wie ­regele ich die Nachfolge?«.    

pd

@ www.germerott.de

Abbildungen: Germerott                                                                                          Ausgabe: 7-8/2013

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