01. Januar 2016

Sicherheit geht vor

Wagner_1 Ausbau und Fassade - Sicherheit geht vor

Handelt es sich bei Bädern in Wohnungen um Feucht- oder Nassräume? Sind Trockenbaukonstruktionen für diese Einsatzbereiche überhaupt geeignet? Wenn ja, sind möglicherweise zusätzliche Maßnahmen erforderlich? Ralf Wagner geht diesen Fragen nach und berichtet von zwei Schadensfällen aus seiner Praxis als Sachverständiger.

Übliche Bäder in Wohnungen mit normalen Duschwannen fallen nicht unter Nassräume im Sinne der DIN 18195-1. Ist ein Bodenablauf vorhanden, etwa ­eine bodengleiche Dusche, handelt es sich nach DIN 18195-1 um einen Nass­raum. Anders ausgedrückt: Räume im - für Abdichtungen - bauaufsichtlich ­geregelten Bereich (hohe Feuchtigkeitsbeanspruchung), sind Nassräume. Räume im - für Abdichtungen - bauaufsichtlich nicht geregelten Bereich (mäßige Feuchtigkeitsbeanspruchung) sind Feuchträume. Bäder im Wohnungsbau oder in ähnlich genutzten Bereichen, wie etwa Bäder in Hotelzimmern, sind nach diesen Definitionen Feuchträume. Definitionen für »Nass­raum« und »Feucht­raum« im Kasten (rechte Seite).

Baustoffe für den Trockenbau im Nass- und Feuchtebereich
Der wohl beliebteste Baustoff für Trennwände und Vorsatzschalen ist die Gipsplatte. In Wohnungen und ähnlichen Einrichtungen können Gipsplatten durchaus eingesetzt werden. Von Vorteil sind hier imprägnierte Gipsplatten. Manche sind der irrigen Auffassung, dass diese Platten »wasserfest« seien. Dem ist nicht so. Imprägnierte Gipsplatten haben lediglich eine verzögerte Wasseraufnahme. Sind diese Platten über einen längeren Zeitraum einer hohen Feuchtigkeitsbelastung ausgesetzt, verhalten sie sich ähnlich wie normale Gipsplatten. Gipsfaserplatten entsprechen hinsichtlich ihrer Eignung für Feucht- und Nassräume den imprägnierten Gipsplatten.
Daneben bietet die Industrie auch spezielle Plattenwerkstoffe für Feucht- und Nassräume an. In der Regel sind dies zementgebundene Platten, aber auch spezielle Gipsplatten.

Vor- und Nachteile
Gipsplatten sind einfach zu verarbeiten (Verarbeitung nach DIN 18181 Gipsplatten im Hochbau – Verarbeitung, Spachtelfuge) und zeigen relativ gutmütiges Verhalten was Längenänderungen betrifft (Bewegungsfugen alle 15 m erforderlich). Für hohe Feuchtigkeitsbeanspruchung sind sie nicht geeignet. Bei ungünstigen Bedingungen kann sich Schimmel auf der Kartonoberfläche bilden (Sicht- und Rückseitenkarton).
Zementgebundene Platten sind schimmelresistent und nicht wasserlöslich. ­Allerdings neigen sie zu größeren Längenänderungen (Herstellerangaben beachten, Beispiel: Bewegungsfugen alle 7,5 m erforderlich). Die Verarbeitung ist herstellerabhängig.
Im Folgenden wird auf zwei Schadensfälle eingegangen und deren Ursache diskutiert.

Schadensbeispiele Gipsplatte
Die Dusche steht vor Metallständerwänden, die mit imprägnierten Gipsplatten beplankt sind. Die  Wandflächen sind gefliest. Hier wurde eine fehlende beziehungsweise mangelhafte Abdichtung festgestellt. Es war keine Abdichtung in der Fläche vorhanden. Die Fuge zwischen Wandfliesen und Duschwanne war mit Silikon »abgedichtet« worden. Dadurch ist Wasser bis auf die Beplankung durchgedrungen. Die Folgen:
• Auf der Rückseite auf der Sichtseite der Beplankung unterhalb der Duschwanne und im Wandhohlraum hat sich Schimmel gebildet.
• Auf den Metallprofilen bildete sich Rost und die Schrauben waren ver­rostet.

Schadensbeispiel zementgebundene Platte
Die Badewanne mit Dusche befindet sich vor Metallständerwänden. Auf der anderen Wandseite an der Trennwand zum Bad ist die Küche mit Kochstelle. Die Beplankung auf der Küchenseite ist mit 12,5 mm dicken Gipsplatten ausgeführt. Im Bad wurde ein Knick in den Fliesen festgestellt. Der Sachverständige stellt fest, dass die zementgebundenen Platten nicht nach Montageanweisung des Herstellers montiert wurden. Im Einzelnen: Spachtelfuge statt Klebefuge sowie Schnellbauschrauben statt zum »System« gehörende Schrauben. Die
Bäder wurden zum Großteil nicht benutzt, trotzdem sind »Knicke« in den Fliesen aufgetreten. Die Küchen wurden allerdings stark genutzt (kein Dunstabzug, »nur« Fensterlüftung). Das führte zu einer Längenänderung der zementgebundenen Platten bei Feuchtigkeitsänderung – auch durch das Kochen in der angrenzenden Küche.

Fazit
Trockenbausysteme sind prinzipiell feuchtigkeitsempfindliche Bauteile (siehe auch DIN 18195 Teil 5, Abschnitt 7.2). Dies gilt unabhängig davon, ob es sich um Gipsplatten, Gipsfaserplatten, um zementgebundene Platten oder um spezielle Gipsplatten handelt.
Bei allen Trockenbausystemen in Feucht- oder Nassräumen (Wände, ­Vorsatzschalen, Böden) ist im Spritz­wasser­bereich eine Abdichtung erforderlich. Dies gilt unabhängig vom ­verwendeten Beplankungswerkstoff – aber besonders bei gipshaltigen Beplankungswerkstoffen, um vor allem Schimmelbildung auf der Beplankung und in Hohlräumen zu verhindern. Zudem kann sich, bei dauerhafter Feuchtigkeitsbe­lastung, die Stabi­lität der Beplankung verschlechtern. Zementgebundene ­Platten neigen dagegen zu starken ­Längenänderungen. Bei diesen Plattenwerkstoffen muss unbedingt auf die ­jeweiligen Herstellerangaben zur Montage geachtet werden. Hierfür gibt es keine Verarbeitungsnorm! Zementgebundene Platten reagieren auch auf Änderung der Luftfeuchtigkeit mit Längenänderungen. Auch dies muss bei diesen Platten bereits in der Planung berücksichtigt werden.
Der Autor referiert bei der nächsten ISK-Tagung (11.  bis 12. Oktober 2013 in Regensburg) über den Trockenbau im häuslichen Bad.

Literatur
• DIN 18195-1 Bauwerksabdichtung
• DIN EN 12467 Faserzement-Tafeln – Produktspezifikation und Prüfverfahren
• Feuchte im Bauwerk – Ein Leitfaden zur Schadensvermeidung, Herausgeber: Kompetenzzentrum kostengünstig qualitätsbewusst Bauen (Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung), Dezember 2007
• Merkblatt Verbundabdichtung, Hinweise für die Ausführung von flüssig zu verarbeitenden Verbundabdichtungen mit Bekleidung und Belägen aus Fliesen und Platten für den Innen- und Außenbereich, ZDB, Ausgabe Januar 2010
• Merkblatt Nr. 5 Bäder und Feuchträume im Holzbau und Trockenbau, IGG, Stand Dezember 2006, Neuauflage 2011
• Merkblatt Trockenbauplatten im
Innenbereich, Eigenschaften und Anwendungen (ohne Akustikplatten), SMGV Schweizerischer Maler- und Gipser Unternehmer-Verband, Wallisellen
• Trockenbau Kompakt, Bramann, Dietze, Spohrer, Wachs, Wagner, Verlagsgesellschaft Rudolf Müller GmbH

Abbildungen: Wagner                                                                                                                        Ausgabe: 9/2103

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