01. Januar 2016

Schwimmbad in Passivhaus-Bauweise

Perlite_Schwimmbad-2-Kopie Ausbau und Fassade - Schwimmbad in Passivhaus-Bauweise

Im Rahmen eines neuen Bäderkonzeptes entstand in Lünen an der Lippe europaweit das erste ­Hallen­bad in Passivhaus-Bauweise. Es besteht aus einem 5000 m² großen Neubau und einem ehemaligen Fernheizwerk, das nach funktionsbedingtem Umbau in den Neubaukomplex integriert wurde.

Das neue Sport- und Freizeitschwimmbad in Lünen an der Lippe ist ­neben Schulen und Vereinen insbesondere auch Familien, Senioren und ­Behin­der­ten zugänglich. Es umfasst zwei 25 Meter lange Sportbecken mit einem Sprung­bereich, ein Lehrschwimmbecken mit Hubboden, ein Warm­wasserbecken mit Spaß- und ­Erho­lungs­bereich und ein angrenzendes, aber abgetrenntes Eltern-Kind-Becken. Durch den Einsatz effizienter Baustoffe, modernster Wärmedämmung und dreifacher Fensterver­glasung rechnet man auf Betreiberseite mit Energieein­sparungen von bis zu 50 Prozent ­gegenüber herkömmlichen Schwimm­bädern im öffentlichen Betrieb: Zwei Blockheizkraftwerke übernehmen im Erdgas- und Biogasbetrieb die Wärmeversorgung. Ein speziell entwickeltes Wassermanagement-Konzept organisiert und realisiert die Badewasseraufbereitung, Rückspülwassernutzung und Wassereinsparung durch moderne ­Armatur- und Spülsysteme. Darüber hi­naus liefert eine auf dem Gebäudedach installierte Photovoltaik-Anlage mit über 100 kW den Großteil des erforderlichen Strombedarfs der energiesparenden und tageslichtgesteuerten Beleuchtung.
In der Summe aller Maßnahmen können Kosteneinsparungen von insgesamt ­zirka 190000 Euro jährlich realisiert und bis zu 1000 Tonnen CO2 weniger in die Atmosphäre abgegeben werden: Werte, die nicht nur den Betreiber, die Bädergesellschaft Lünen mbH, sondern auch die prognostizierten 230000 ­Besucher pro Jahr erfreuen werden.
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Stabile Trockenbaulösung
Aufgrund der extrem hohen Anfor­derungen an Baumaterialien in Schwimmbadanwendungen mit permanenter, sehr hoher Luftfeuchte und chlorhaltiger Luft entschied man sich bei der Planung des Lippe-Bades für den Einsatz der faserfreien, rein minera­lischen und zementgebundenen Bauplatte »Aquapanel Cement Board ­Indoor«. Sie liefert die Vorteile des Trockenbaus (schnell, leicht, preiswert und durch Ritzen sowie Brechen leicht zu bearbeiten) und ist vor allem zu 100 Prozent wasserbeständig, stabil sowie biegsam und erfüllt die gestellten ­Ansprüche an den Brandschutz. Für die Ausführung der Arbeiten wurden die Ausbauprofis von der Okel GmbH Diemelstadt beauftragt.
Überall dort, wo Feucht- und Nass­räume durchgehend mit Spritzwasser in Berührung kommen — Gemeinschaftsduschen, Sanitärbereiche und natürlich auch Schwimmbadhallen — bietet Aquapanel Cement Board Indoor den geeigneten Fliesenuntergrund. Die ­Platte ist komplett anorganisch, nicht brennbar (Baustoffklasse A1) und so stabil und robust wie die »Stein-auf-Stein-Bauweise«. Auch bei permanenter Wassereinwirkung behalten die Zementbauplatten, im Unterschied zu anderen Plattentypen, ihre Festigkeit und Stabilität und verhindern mit dem pH-Wert 12 die Bildung von Schimmelpilzen.

Hohe, stabile Wandkonstruktion
Hinzu kommt, dass die verwendete ­Platte eine hohe Beständigkeit in korrosiver, chlorhaltiger Umgebung zeigt, wie sie in Schwimmbädern gegeben ist. Die Beständigkeit gilt auch bei chlorhal­tigen, desinfizierenden Reinigungs­mitteln, die in öffentlichen Schwimmbädern eingesetzt werden. Zum System zählen entsprechend Aquapanel Maxi-Schrauben mit einer speziellen korro­sionsbeständigen Beschichtung, die in einem Salzsprühtest 720 Stunden ­garantiert korrosionsfrei bleiben. Die 15 Meter hohe Außenwand des ­integrierten Fernheizwerkes erhielt ­sowohl eine Fassadendämmung als auch eine Innendämmung aus 30 cm »Foamglas«. Dadurch konnte die Energiebilanz des Gebäudes verbessert und der Passivhausstandard eingehalten werden.
Die Herausforderung, hohe Wände im Trockenbau zu errichten, besteht zum einen darin, genügend Stabilität zu erhalten und Rissbildungen zu verhindern, die durch das nach unten drückende Gewicht entstehen können. Zum anderen ist es erforderlich, auch in diesen Sonderkonstruktionen Anforderungen an den Brand- und Schallschutz aufrechtzuerhalten beziehungsweise ­entsprechend umzusetzen.
Die Verkleidung der Innendämmung ­erfolgte mittels Holzunterkonstruktion mit einer zweilagigen Aquapanel ­Cement Board Indoor-Beplankung. ­Dadurch wurde zusätzlich zur Energieeffizienz die geforderte Ballwurfsicherheit der Wand gewährt.

Konstruktionsdetails
Im ersten Schritt wurden 25 cm dicke Foamglas-Platten vollflächig mit versetzten Fugen an der Wand verklebt. Darüber hinaus wurde die Dämmung mittels Krallenplatten und Betonankern in vertikalen und horizontalen Fluchten alle 50 cm mit der Wand fest verankert. Auf die Krallenplatten wurden korro­sionsgeschützte Direktabhänger zur Aufnahme einer Holzunterkonstruktion montiert. Hierbei kamen Kanthölzer im Format 6 x 8 cm in schwimmbadtaug­licher S10 Qualität zum Einsatz. Eine Holzunterkonstruktion wurde einer ­Metallunterkonstruktion vorgezogen, da so eine bessere Gesamtdämmung realisiert werden konnte. In die Holzunterkonstruktion wurden weitere 5 cm ­Foamglas-Dämmung eingelegt und verklebt sowie die zweilagige Beplankung aus der Bauplatte eingeschraubt. Dabei wurden durch die Okel GmbH die Fugen der beiden Zementbauplattenlagen ­versetzt angeordnet und Kreuzfugen vermieden. Das Ergebnis ist eine durch 30 cm Foamglas gedämmte, hinterlüf­tete, ­doppelt beplankte Schwimmbad-Innenwand, die auf Grund ihrer Dimension ­alle 7,5 Meter mit von unten nach oben verlaufenden Dehnungsfugen versehen wurde. Nach der Vorverspachtelung der Plattenfugen mit Einbettung eines Knauf Glasfaser Fugendeckstreifens ­wurde die Wand vollflächig mit dem wasserabweisenden, pastösen Flächenspachtel »Aquapanel Q4 Finish« verspachtelt. Im ­unteren Teil der Wand kam auf Grund der direkten Nähe zum Schwimmbad ein zirka 50 cm hoher Fliesenspiegel zum Einsatz.
Für die Vorsatzwand wurden von der Okel GmbH insgesamt zirka 1500 ­Quadratmeter Zementbauplatten ­verbaut. Gewünschte Elektroinstalla­tionen verschwanden unsichtbar im Wandaufbau. Zur Verbesserung der Raumakustik wurden abschließend noch »Ecophon Akustikpaneele« an die Wand montiert.

Robuste Wände
Weitere zirka 4500 m² der Zementbauplatte kamen in den Sanitärbereichen —Duschen, WCs und deren Eingangs­bereiche — sowie im Kellergeschoss mit seinen Wirtschaftsräumen, Sozial­räumen und Umkleiden für Mitarbeiter zum Einsatz.
Die Wände in den sanitären Nass- und Feuchtbereichen wurden ebenfalls ­doppelt beplankt, da sie zum Teil bis zu fünf Meter hoch sind. Als Unterkon­struk­tion dienten hier CW 100 korrosions­geschützte Metallprofile in der Korro­sivitätskategorie C5. In den hoch beanspruchten Bereichen der Duschen sind die Wände gefliest, alle anderen Wände vollflächig mit Q4 Finish verspachtelt und gestrichen.

Eine naheliegende Wahl
Für den hochwertigen Ausbau von ­Fitness- und Wellnessanlagen sind ­zementgebundene Bauplatten heute ­eine unverzichtbare Technologie. Sie ­ermöglichen effizienten Trockenbau in Bereichen, in denen früher nur massiv gebaut werden konnte. Bereits in der frühen Planungsphase hatte man sich beim Innenausbau für Zementbau­platten entschieden. »Für den Einsatz im Schwimmbadbereich ist das aufeinander abgestimmte Aquapanel-System erste Wahl«, so Martin Gottmann, Projekt­leiter vom Ausbau-Unternehmen Okel, »von der Platte über die Schrauben bis hin zum Flächenspachtel für das geforderte Q4 Finish. In der Verarbeitung war  die Platte robust und schnell zuzuschneiden. Bei der Integration des Kraftwerks kam außerdem die Herausforderung der 15 Meter hohen Wand hinzu, aber auch diese ließ sich mit der Zementbauplatte gut lösen.«
Nach rund dreijähriger Planungs- und Bauphase eröffnete das Lippe Bad am 10. September 2011 seine Pforten, als eines der ersten Passivhaus-Bäder Europas. Schon jetzt zeigen viele Kommunen und Fachleute Interesse an diesem Leuchtturmprojekt.

Abbildungen: 1-7: Knauf Perlite/Reinsch                                                                 Ausgabe: 6/2012

  1. Perlite_Schwimmbad-1 Ausbau und Fassade - Schwimmbad in Passivhaus-Bauweise
  2. Perlite_Schwimmbad-2-Kopie Ausbau und Fassade - Schwimmbad in Passivhaus-Bauweise
  3. Perlite_Schwimmbad-3 Ausbau und Fassade - Schwimmbad in Passivhaus-Bauweise
  4. Perlite_Schwimmbad-4 Ausbau und Fassade - Schwimmbad in Passivhaus-Bauweise
  5. Perlite_Schwimmbad-5 Ausbau und Fassade - Schwimmbad in Passivhaus-Bauweise
  6. Perlite_Schwimmbad-6 Ausbau und Fassade - Schwimmbad in Passivhaus-Bauweise
  7. Perlite_Schwimmbad-7 Ausbau und Fassade - Schwimmbad in Passivhaus-Bauweise
  8. Perlite_Schwimmbad-8 Ausbau und Fassade - Schwimmbad in Passivhaus-Bauweise