01. Januar 2015

Klasse statt Masse

Fermacell_1 Ausbau und Fassade - Klasse statt Masse

Trockenbaukonstruktionen erfüllen aktuelle Schallschutzanforderungen mindestens so gut
wie massive Bauweisen. Auch erhöhte Anforderungen an den Schallschutz können damit ausgeführt werden, sofern der Schallschutz geplant und handwerklich fehlerfrei ausgeführt wird.

Die Umwelt wird hektischer und lauter. Entsprechend wächst das Ruhebedürfnis des komfortverwöhnten modernen Menschen. Den eigenen vier Wänden kommt vor diesem Hintergrund eine herausragende Bedeutung zu: Die ­Wohnung oder das Haus dient als Rückzugsort, bietet Schutz und Geborgenheit und soll die Privatsphäre schützen. ­Vertraulichkeit ist heute eine ebenso selbstverständliche Anforderung an die heimische Umgebung wie die Möglichkeit zur Entfaltung der individuellen Persönlichkeit. Die Ungewissheit, ob der Nachbar in der Nebenwohnung zum – oft ungewollten – Zuhörer wird, erzeugt ein Unbehagen, das mittlerweile genauso wenig hingenommen wird, wie das Gefühl, ständig auf die Nachbarn Rücksicht nehmen zu müssen. Baulichen Schallschutzmaßnahmen, die lange Zeit eine eher untergeordnete Rolle spielten, kommt daher bei Neubau und Sanierung inzwischen eine hervorgehobene Bedeutung zu: Sie sollen eine unzumutbare Geräuschbelästigung für Bewohner verhindern sowie ein möglichst konfliktfreies Zusammenleben verschiedener Wohnparteien mit unterschiedlichen ­Interessen ermöglichen und werden so verstärkt zum Entscheidungskriterium für oder gegen eine Wohnung. Allerdings: Vollständiger Schallschutz ist ­jedoch kaum – und wenn dann nur mit relativ hohem und finanziell nicht zu vertretendem Aufwand zu erreichen. Vielmehr erfordert das Leben in größeren Wohneinheiten auch bei hohem baulichen Schallschutz gleichermaßen  Rücksicht sowie gelegentliche Toleranz.
Trotzdem: Die bautechnischen Möglichkeiten ermöglichen inzwischen die wirtschaftliche Realisierung eines hohen Schallschutzkomforts im Wohnungsbau. Wichtig ist, dass der Schallschutz von Anfang an in die Planungen mit einbezogen und handwerklich fehlerfrei ausgeführt wird.

Anforderungen
Maßgebliche Grundlage für die zu erfüllenden Anforderungen an den Schallschutz war lange Zeit die DIN 4109. In seinem Grundsatzurteil vom 14.6.2008 jedoch stellte der Bundesgerichtshof (BGH) klar, dass die in der DIN 4109 (Ausgabe November 1989) geforderten Schallschutzwerte zwar das bauordnungsrechtlich im gesamten Bundes­gebiet zwingend vorgeschriebene ­Anforderungsminimum darstellten, ­jedoch inzwischen veraltet seien. Die Richter wiesen darauf hin, dass es ­mittlerweile weit verbreitete und wirtschaft­lich akzeptable Bauweisen gibt, mit denen sich bautechnisch ­unproblematisch deutlich höhere Schallschutzwerte erreichen lassen. Demnach kann die DIN 4109 nicht mehr für den üblichen Schallschutzstandard im modernen Wohnungsbau heran­gezogen werden. Vielmehr ist dem BGH-Urteil zufolge der Schallschutz nach Stufe II (SSt II) im Sinne der VDI-Richtlinie 4100 als stets stillschweigend vereinbart und geschuldet anzunehmen. Entsprechend ist bei der Vereinbarung von erhöhtem oder besonderem Schallschutz die VDI Richtlinie Schallschutzstufe III maßgebend.
Was aber bedeutet das? Während die VDI-Richtlinie in der Schallschutzstufe I (SSt I) die Werte der DIN 4109 für einen erhöhten Schallschutz übernimmt, ­gehen die SSt II und SSt III zum Teil weit darüber hinaus. Bei Wohnungstrenndecken stehen damit den Anforderungen der DIN 4109 von R’w ≥ 55 dB und L’n,w ≤ 46 dB Werte von R’w ≥ 57 dB beziehungsweise L’n,w ≤ 46 dB (SSt II) sowie R’w ≥ 60 dB beziehungsweise L’n,w ≤ 39 dB (SSt III) gegenüber. Im ­Bereich der Wohnungstrennwände gibt die DIN 4109 R’w ≥ 55 dB als Vorschlag für einen erhöhten Schallschutz an. Dem stehen in der VDI-Richtlinie Werte von R’w ≥ 56 dB (SSt II) beziehungs-weise R’w ≥ 59 dB (SSt III) gegenüber.

Geringes Gewicht, schlanke Querschnitte
Allgemein wird davon ausgegangen, dass die Anforderungen an den erhöhten Schallschutz aufgrund der höheren Masse am ehesten in Massivbauweise zu realisieren sind. Tatsächlich erreichen neue Entwicklungen der Baustoff­indus­trie durch ­eine Erhöhung der Roh­dichte­klasse beispielsweise bei Kalk­sandstein auf bis zu 2,2 kg/dm³ ein Schalldämm-Maß von 56 dB. Ein Wert, der jedoch entgegen der landläufigen Meinung auch von Trockenbau-Konstruktionen erreicht und übertroffen werden kann.
Untersuchungen der schalltechnischen Eigenschaften von Bauteilen in Trockenbauweise haben gezeigt, dass bei ­Beachtung verschiedener Faktoren eine ähnliche und sogar höhere Schalldämmung als bei gleich dicken Massivbauteilen erreicht werden kann. Sie weisen zudem ein geringeres Gewicht auf: Während massive Konstruktionen mit hoher Rohdichte leicht ein Gewicht von bis zu zirka 600 kg/m² bei zirka 27 cm Wanddicke ereichen, liegt beispielsweise eine schalldämmtechnisch vergleichbare Fermacell-Wand bei rund 70 kg/m² und 12,5 cm Wanddicke. Durch schlanke Wandquerschnitte kann bei gleichem Grundriss zusätzlicher Nutzraum ­gewonnen werden.

Kurze Trocknungszeiten
Hinzu kommen die üblichen Trockenbau-Vorteile: Wände aus Fermacell Gipsfaserplatten können außerdem in relativ kurzer Zeit mit marktüblichen Werkzeugen erstellt werden, ohne viel Schmutz zu verursachen oder zusätz­liche Feuchtigkeit in den Bau einzubringen. Lange Trocknungszeiten entfallen damit. Unmittelbar nach der Montage und der Trocknung der Fugenmasse ist jede ­beliebige Oberflächenbehandlung wie beispielsweise streichen oder tapezieren möglich. Sie sind zudem ohne Einschränkung als Fliesenuntergrund ­geeignet. Der Wandhohlraum erweist sich als ideal für die Unterbringung von Kabeln oder Leitungen. Hier können auch Rohre mit dickeren Durchmessern und Sanitärinstallationen ­untergebracht werden. Damit entfällt das kostenaufwendige Stemmen von Aussparungen und Durchbrüchen. In Trockenbauweise können zu ­günstigen Erstellungs­kosten Konstruktionen ausgeführt ­werden, die Platz sparen und einen ­hohen Instal­lationsgrad ermög­lichen. Schlankere Wand­konstruktionen bringen einen zusätz­lichen Gewinn an Nutzfläche.

Hohe Schalldämmung
Unter optimalen Bedingungen gemessen (Schallprüfstand ohne Nebenwege) ­erreichen einfach beplankte Wände ­bereits Werte bis zu 52 dB. Bei doppelt mit Fermacell Gipsfaser-Platten beplankten Wänden steigt der Wert auf 60 dB, wird mit einem Doppelständerwerk gearbeitet, sogar auf bis zu 66 dB.
Natürlich werden diese hohen Schall­dämmwerte durch die Bedingungen im Gebäude (Schallnebenwege) ­begrenzt, aber bei sorgfältiger Ausführung sind die geforderten Werte der VDI-Richtlinie durchaus zu erreichen.

Konstruktive Maßnahmen
Wesentliches Kriterium ist die konsequente Trennung der Bauteile zwischen den Räumen. Dabei ist es nicht das Ziel, »Einzel-Zellen« zu bauen. Vielmehr geht es darum, Flanken in Form von durchlaufenden Beplankungen zu trennen ­sowie schwimmende Estriche oder abgehängte Decken Raum für Raum zu verlegen. Allein mit diesen Maßnahmen lassen sich rechnerisch nach Beiblatt der DIN 4109 Werte bis 57 dB nach­weisen. Baustellenmessungen belegen, dass bei entsprechend sorgfältiger Ausführung durchaus höhere Werte zu ­erreichen sind.
Diese Aussagen lassen sich ebenfalls problemlos auf den Deckenbereich übertragen: Hier gibt es heute schon trocken erstellte Deckenkonstruktionen, die auf der Baustelle bei Trittschall­messungen bis zu 38 dB erreicht haben. Dafür wurde eine einfache Holzbalkendecke auf der Unterseite mit einer ­federnden Abhängung und Beplankung aus Gipsfaserplatten versehen. Auf der Oberseite wurde die Konstruktion mit einer Estrich-Wabe mit Wabenschüttung und einem Holzfaser-kaschierten Trocken-Estrich ausgerüstet.

Fazit
Masse allein reicht als Voraussetzung für einen guten Schallschutz nicht aus. Vielmehr lassen sich durch bewusstes Kombinieren unterschiedlicher kons­truktiver Maßnahmen und durch eine sorgfältige Planung und Ausführung mit der Trockenbauweise Werte erreichen, die die Anforderungen an einen erhöhten Schallschutz im Sinne der VDI-Richtlinie 4100 erfüllen. In Kombination mit günstigen statischen Eigenschaften ist die Trockenbauweise damit geeignet zur Realisierung gehobener Komfort­ansprüche im Neubau sowie bei Modernisierung, Sanierung oder Umplanung. Schlanke Wände mit geringem Gewicht, deren Einbau auch bei Holzbalkendecken in Altbauten in der Regel keine statischen Probleme aufwirft, steigern die zur Verfügung stehende Nutzfläche – und damit letztlich auch die Wertschöpfung.
Hinzu kommt eine hohe Sicherheit im vorbeugenden Brandschutz. Fermacell Gipsfaserplatten können für Konstruktionen in den Feuerwiderstandsklassen
F 30 bis F 90 eingesetzt werden. Wirtschaftlichkeit ist schon dadurch ­gegeben, dass nur ein Plattentyp für alle Anwendungsgebiete erforderlich ist. Gleichgültig ob sie in Verwaltungsbauten oder Hotels, im Wohnungs- oder ­Industriebau beziehungsweise in Krankenhäusern oder Schulen verarbeitet werden – diese Platten ­können universell als Bau-, Feuerschutz- und Feucht­raumplatte eingesetzt werden.

Abbildungen: 1.-5. Fermacell          Ausgabe: 12/2012

  1. Fermacell_1 Ausbau und Fassade - Klasse statt Masse
  2. Fermacell_2 Ausbau und Fassade - Klasse statt Masse
  3. Fermacell_3 Ausbau und Fassade - Klasse statt Masse
  4. Fermacell_4 Ausbau und Fassade - Klasse statt Masse
  5. Fermacell_5 Ausbau und Fassade - Klasse statt Masse