02. Januar 2018

Sakraler Klang

Dreieinhalb Jahre nach dem verheerenden Brand der Willehadikirche in Garbsen
Fotos: Ralf Mohr, Hannover

Dreieinhalb Jahre nach dem verheerenden Brand der Willehadikirche in Garbsen konnte diese im Februar 2017 neu geweiht werden. Auf den Fundamenten des zerstörten Baus ist eine neue Kirche entstanden, die sich für Konzerte und Veranstaltungen genauso wie für feierliche Gottesdienste eignet. Die von Germerott speziell dafür angefertigte und mittlerweile preisgekrönte Akustikdecke sorgt neben perfektem Klang für ein eindrucksvolles Deckenbild.

Im Juli 2013 brannte die in den 1960er-Jahren ­gebaute Willehadikirche vollständig aus. Das von Unbekannten gelegte Feuer beschädigte das Gebäude so stark, dass sich die Gemeinde für einen Neubau entschied. Dieser sollte vielseitig nutzbar sein, für Offenheit stehen und zugleich Geborgenheit bieten. All das findet sich im Entwurf des Architekten Gerd Lauterbach wieder. Das Herz des neuen Baus ist ein heller Kirchenraum mit großen Fensterflächen, der von den Grundmauern der ursprünglichen Kirche schützend umfasst wird. Damit der Raum seine sakrale Wirkung entfalten kann, sind laut Gerd Lauterbach zwei Dinge besonders wichtig: das Licht und der Raumklang. Zu Letzterem trägt die speziell für diesen Ort angefertigte Akustikdecke maßgeblich bei. Das Ergebnis begeistert nicht nur die ­Gemeinde sowie Besucherinnen und Besucher der Kirche, sondern überzeugte auch die Jury des B+M Awards 2017: Diese würdigte die außergewöhnliche Leistung mit dem ersten Platz in der Kategorie Deckengestaltung.

Nichts dem Zufall überlassen

Das raumakustische Konzept der Willehadikirche setzt in erster Linie auf die Decke. Unterstützt wird diese lediglich durch je ein Akustikelement über dem Altar und der Empore sowie durch verdeckte Akustikpaneele an der Wand seitlich des Altarbereichs. Auf Grundlage von ersten Berechnungen führte Germerott in Zusammenarbeit mit dem Akustiker Vladimir Szynajowski verschiedene Modellversuche im hauseigenen Hallraum durch. Die so gewonnenen Erkenntnisse ermöglichten eine gezielte Optimierung der vorab ermittelten Werte sowie eine genaue Dimensionierung der einzelnen Elemente. Ziel war eine Nachhallzeit von zwei Sekunden sowie das Klarheitsmaß C80, so dass sich der Raum nicht nur für sprachliche, sondern auch musikalische Darbietungen bestens eignet. Zudem war es wichtig, einen Ruhegeräuschpegel von 30 dB(A) auf keinen Fall zu übersteigen, damit eine andächtige Stimmung im Sakralraum gewährleistet ist.

1. Das Projekt »Neubau Kirche Willehadi« überzeugte die Jury des B+M Awards 2017 durch seine hochwertige Akustikdecke und erhielt den ersten Platz in der Kategorie »Deckengestaltung«.
2. Montage der Brandschutzdecke nach Abschluss der Dämmarbeiten
  2. Montage der Brandschutzdecke nach Abschluss der Dämmarbeiten
Eine Konstruktion, zwei Funktionen
Die von Germerott umgesetzte Deckenkonstruktion
besteht aus zwei Ebenen: Während die abgehängte
Akustikdecke den Klang im Kirchenraum optimal beeinflusst, erfüllt die darüberliegende Ebene mit Brand -widerstand F30 den erforderlichen Brandschutz. Nach Fertigstellung des Rohbaus führte Germerott zuerst alle Dämmarbeiten am Dach aus und zog dann die Brand- schutzdecke aus 20 mm starken Feuerschutzplatten ein. Diese wurden wiederum Träger für die Unterkonstruktion der Akustikdecke. So war zu beachten, dass die Dachkonstruktion neben der Brandschutzdecke mit etwa 19 kg/m2 auch die Last der Akustikdecke plus Beleuchtung und technische Ausstattung sicher trägt.
3. Präzise Anbringung der Träger für die Akustikdecke mittels Linienlaser
  3. Präzise Anbringung der Träger für die Akustikdecke mittels Linienlaser
Akustikdecke nach Maß
Als raumakustisch optimal erwies sich eine geschlossene Decke aus Gipsfaserplatten mit einer 80 mm starken Dämmschicht aus Mineralfasern im Deckenzwischen- bereich sowie Senkrechtlamellen auf der Unterseite. Diese strukturieren die in Bahnen angeordneten Elemente und erschaffen zugleich die optisch prägende Erscheinung der Decke. Im Friesbereich, auf einer Breite von etwa einem halben Meter, schließen Lochplatten die Decke ab. Die Wahl der Lochung und des Lochflächenanteils wirkt sich dabei auf die gesamte Akustik aus und ermöglicht eine letzte Feinjustierung. Alle Einzelteile der 280 Quadratmeter großen Akustikdecke wurden nach Abschluss der Planung mit einer CNC-Fräse passgenau angefertigt und im Kompetenzzentrum von Germerott für den späteren Einbau vorbereitet.
4. Montage der vorgefertigten Akustikdeckenelemente in Bahnen
  4. Montage der vorgefertigten Akustikdeckenelemente in Bahnen

Die Probe aufs Exempel

Damit die vorgefertigten Elemente der abgehängten Akustikdecke vor Ort präzise montiert werden konnten, brachten die Trockenbauer die Deckenaufhängung mit Hilfe eines Linienlasers millimetergenau an. Zu beachten war auch, dass alle Aussparungen und Details exakt an der richtigen Stelle waren, damit sich die Beleuchtung und technische Ausstattung problemlos in die Decke einbringen ließ. Nach der Montage und sicheren Verschraubung der Elemente in Bahnen folgte die Verspachtelung in Q3. Mit Hilfe weiterer Messungen im fast fertigen Kirchenraum konnten nun die idealen Eigenschaften der Lochung für den Friesbereich bestimmt werden. Germerott entschied sich für 6/18 R Lochplatten und schuf damit einen sauberen Deckenabschluss.

5. Die fertige Decke nach Abbau des Baugerüstes

5. Die fertige Decke nach Abbau des Baugerüstes

Das Ergebnis kann sich sehen und hören lassen. Abschließende Messungen haben alle Erwartungen übertroffen. Der Einweihung der neuen Kirche stand so, ­zumindest akustisch, nichts mehr im Wege.

Frank Fenselau, Germerott Innenausbau

Ausgabe 01 / 2018

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Bilder aus dem Artikel:

  1. DSC_9359 Ausbau und Fassade - Sakraler Klang
  2. _DSC4799-1 Ausbau und Fassade - Sakraler Klang
  3. _DSC5118_L-heller Ausbau und Fassade - Sakraler Klang
  4. _DSC5425-2 Ausbau und Fassade - Sakraler Klang
  5. _DSC7411_L Ausbau und Fassade - Sakraler Klang