01. Januar 2016

Dämmen mit Holzfasern

Daemmung-Holzfasern-5 Ausbau und Fassade - Dämmen mit Holzfasern

Wenn Nachhaltigkeit und gesundheitliche Unbedenklichkeit eine Rolle spielen: Immer mehr erhaltenswerte Gebäude werden mit Holz­faserprodukten und Holz­faser-Wärmedämmsystemen vor dem drohenden Verfall geschützt.

Nachhaltigkeit — dieses populäre Schlagwort ist auch am Bau zu einem Universalmaßstab geworden, der von der Entwicklung über die Verwendung natürlicher Rohstoffe bis hin zum ­Produktdesign das Denken und Handeln bestimmt. Insofern bieten sich Holz­faserdämmstoffe und Holzfaser-­Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) als öko­logisch wie bauphysikalisch vorbildliche Komponenten an, um die Energie­effizienz im Neu- und Altbau dauerhaft zu steigern und zugleich das Klima vor unnötigem C02-Ausstoß zu schützen.
Kriterien wie die Herkunft des Bau­materials, ein möglichst geringer Primärenergiebedarf in der Produktion, ­gesundheitliche Unbedenklichkeit, eine bedarfsgerechte Nutzungsdauer sowie die Frage der Wiederverwertbarkeit nehmen immer stärker Einfluss darauf, wie und womit neue Ein- und Zwei­familienhäuser zu errichten sind.

Preis ist nicht entscheidend
Das neue Denken zeigt sich auch, wenn es um die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden geht: Erhaltenswerte Bausubstanz wird vermehrt mit Holz­faserprodukten und Holzfaser-WDVS vor dem drohenden Verfall geschützt und an den Komfortbedarf der absehbaren Zukunft angepasst. Selbst bei der ­Errichtung und Modernisierung öffent­licher Zweck­bauten wie Kindergärten und Sport­hallen setzt sich das Bewusstsein durch, dass es bei Entscheidungen über das ­eine oder andere Dämmsystem auf mehr ankommt als auf ­einen ­möglichst niedrigen Preis.
Gefragt sind hochwertige Bauprodukte, die von ­Natur aus lange halten, sich mit ­geringem Energieaufwand herstellen lassen, den Energiesparwünschen und Komfortbedürfnissen der Auftraggeber entsprechen — ohne den Klimawandel zu forcieren und die ­Umwelt mehr als nötig zu belasten — und am Ende ihrer Nutzungsdauer problemlos zu recyceln sind. Mit Holzfaserdämmstoffen und Holzfaser-WDVS ist diesen Anforderungen umfassend zu entsprechen.  

Faktor Energieeinsparung
Gut ein Drittel des gesamten Energieverbrauchs in Deutschland entfällt auf die Privathaushalte; etwa die Hälfte dieses Anteils dient dem Beheizen von Wohnräumen. Einigkeit besteht darüber, dass sich der private Heizenergiebedarf mit konsequent gedämmten Dachflächen und Fassaden im Verbund mit modernen Energiesparfenstern und ­einer effizienten Anlagentechnik mindes­tens um die Hälfte reduzieren lässt. Wie lange es im Einzelfall gelingt, vorhandene Wärme im Raum zu halten, richtet sich maßgeblich nach der ­Wärmeleitfähigkeit des aufgebrachten Dämmmaterials. Dessen Bemessungswert (»Lambda-Wert«) liegt bei den ­gegenwärtig erhältlichen Holzfaser­platten zwischen l = 0,039 und 0,050 W/mK. Bei der Begrenzung unnötiger Raumwärmeverluste haben diffusionsoffene Dämmstoffe aus natürlichen Holzfasern somit zu anderen markt­gängigen Produkten aufgeschlossen.
Seit dem Jahr 2000 dürften allein in Deutschland über 70000 Wohngebäude verschiedenster Bauarten mit einer Holzfaserdämmung ausgerüstet worden sein. Die jährlichen Zuwachsraten liegen bei führenden WDVS-Anbietern im zweistelligen Prozentbereich. Auf­geschlossene Maler- und Stuckateur­betriebe, die Kundenwünschen auch auf dem Gebiet alternativer Dämmkonzepte entsprechen möchten, stoßen bei Holzfaser-WDVS auf ein ausbaufähiges Betätigungsfeld. Dies gilt umso mehr, als von zehn WDVS neun mit Putz ­geordert werden, wie der in Wuppertal ansässige Verband Holzfaser Dämm­stoffe (VHD) mitteilt.

Systemlösung aus einer Hand
Zu beachten ist bei der WDVS-Appli­kation in jedem Fall: Im Verbund mit der Dämmung müssen die Außenwände ­jedes aufzudämmenden und zu ver­putzenden Hauses bauphysikalische ­Eigenschaften aufweisen, die geeignet sind, Transmissionswärmeverluste in der kalten Jahreszeit zu minimieren. Im Sommer soll der Wandaufbau vor Überwärmung der Wohnräume schützen, ferner Straßenlärm- und Schall­immissionen dämpfen, Brandgefahren widerstehen und Schlagregen groß-flächig verdunsten lassen.
Um diesem komplexen Anforderungsprofil gerecht zu werden, sind Holz­faser-WDVS aus präzise aufeinander abgestimmten ­Systemkomponenten aufgebaut: ­Dämmung, Putzsystem und Zubehör ­ergänzen sich zu einer funktionalen ­Einheit.
Dämmplatten aus Holzfasern bilden ­dabei den Kern des WDVS. Sie bestehen zumeist aus mehreren, ­jeweils etwa zwei Zentimeter dicken ­Lagen. Diese ­Lamellen werden miteinander verpresst, bis die erforderliche ­beziehungsweise gewünschte Plattendicke erreicht ist.
Je nach Hersteller und Einsatzbereich dient die äußere Lamelle der Holzfaserdämmplatte als Putzträger; darauf wird zunächst ein Armierungskleber auf­gebracht, in den ein Gewebe vollflächig eingebettet wird, bevor der Grund- ­sowie der eigentliche Deckputz folgen.

Regelmäßige Schulungen
Um eine optimale Dämmung zu ­erzielen, dürfen bei der Verarbeitung von Holzfaser-WDV-Systemen — wie bei allen anderen WDVS auch — nur Original-Komponenten verwendet ­werden. Die Maxime »Alles aus einer Hand« dient dabei der Sicherheit der Baubeteiligten einschließlich des Auftraggebers. Was erlaubt ist und was nicht, was an welcher Stelle wie und womit zu montieren beziehungsweise zu applizieren ist, wird in der System­zulassung detailliert geregelt.
Anbieter von Holzfaser-WDVS sind ­darüber hinaus verpflichtet, die ausführenden Handwerker regelmäßig ein­gehend zu schulen. Auf diesem Weg ­sollen die verarbeitenden Zimmerer-, ­Maler- und Stuckateurbetriebe die ­erforderliche Sachkunde nachweisen. Handwerker sind daher gut beraten, ausschließlich die Materialien einzu­setzen, die in der bauaufsichtlichen ­Zulassung des jeweiligen WDVS als ­System-komponenten explizit geregelt sind.

Sommerlicher Hitzeschutz
Viele Maler, Stuckateure, Zimmerei­betriebe ebenso wie Fertighaus­hersteller, Planungsbüros und öko­logisch interessierte Architekten ­schätzen und empfehlen Holzfaserdämmstoffe vor allem wegen ihrer ­klimaregulierenden Eigenschaften. ­Hintergrund: Die ideale Temperatur in Innenräumen sollte auf Anraten von Umweltmedizinern um die 21,5 Grad Celsius betragen — weniger wäre zu kalt, mehr gilt als ermüdend. Im ­Sommer werden Holzfaser-WDVS diesen Anforderungen auf höchst angenehme Weise gerecht, indem sie große Wärmemengen speichern. Mit ihrem relativ hohen Volumengewicht sorgen Holz­faserdämmstoffe im Dachbereich und Holzfaserdämmplatten an den Außenwänden dafür, dass sich die Wohnung weit weniger stark aufheizen kann als in ungedämmtem Zustand.
Das Eindringen der Hitze durch die ­Gebäudehülle wird dabei von der Holzfaserdämmung stark verzögert. Erst nach Stunden, wenn es in der äußeren Umgebung des gedämmten Hauses ­bereits deutlich kühler geworden ist, wird die gepufferte Wärme ganz allmählich wieder abgegeben. Der Effekt: Tageszeitliche Temperaturschwankungen werden ausgeglichen, so dass es in holzfasergedämmten Räumen auch ­ohne Einsatz einer Klimaanlage zu ­keiner Überwärmung kommt.

Achim Zielke,
Freier Journalist

Abbildungen: VDH/Zielke                                                                                                         Ausgabe: 2/2012

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