01. Januar 2016

Schritt für Schritt

Aufdoppelung_02 Ausbau und Fassade - Schritt für Schritt

Seit rund fünf Jahren gibt es für die Aufdoppelung eine bauaufsichtlich zugelassene Regelung, die sich immer mehr durchsetzt. Bei der Applikation sind einige Besonderheiten zu beachten.

Seit mehr als 40 Jahren sind Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) im Einsatz. Früher waren Dämmstoffdicken von rund fünf Zentimetern üblich – mit Dämmstoffen aus höheren, also schlechter dämmenden Wärmeleitgruppen. Wie konventionell verputzte Fassaden altern auch diese Systeme. Daher kommt für Gebäude mit einer in die Jahre gekommenen Dämmung jetzt eine umfassende Fassadenrenovierung in­frage – selbst wenn nur optische Gründe für eine Instandsetzung sprechen.
Würde die Renovierung auf ästhetische Maßnahmen begrenzt, bliebe die »Sparkraft« eines Heizkosten mindernden neuen Systems ungenutzt. Nimmt man den Kostenaufwand für eine ohnehin anstehende Sanierung als Basisaufwand und rechnet nur die zusätzlichen Dämmkosten einer Aufdoppelung, amortisiert sich der Aufwand immer – und das umso schneller, je höher die Energiekosten steigen. Das energetische Sanieren alter WDVS-Fassaden ist also auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sinnvoll.
Die Aufdoppelung stellt also Optik und Funktionalität der Fassade wieder her und bringt zugleich die Dämmwirkung auf das Niveau für Neubauten nach EnEV. Sto* bietet beispielsweise eine Reihe zugelassener Systeme an, die für die Aufdoppelung geeignet sind.

Die maximale Dämmstoffdicke des Doppelsystems ist beschränkt, bei EPS auf EPS auf 300 Millimeter, bei EPS auf ­Mineralwoll-Varianten auf 200 Milli­meter. Die gleichen Werte gelten für mineralische Dämmung auf minera­lischem beziehungsweise organischem Altsystem.

Die Arbeitsschritte
Die Aufdoppelung unterscheidet sich in einigen Punkten von der Montage eines neuen WDVS, vor allem in den ersten Schritten.
Hohe Bedeutung kommt der Tragfähigkeitsprüfung zu. Um die Standsicherheit nachzuweisen, sind Aufbau und Zustand des Altsystems zu analysieren. Dazu wird die bestehende Dämmung an einigen Stellen bis auf den tragenden Untergrund geöffnet. Beträgt der Klebeflächenanteil in einem augenscheinlich standsicheren WDVS mehr als 40 Prozent, ist die Tragfähigkeit in der Regel gewährleistet. Die Anzahl der Alt-Dübel spielt nur eine untergeordnete Rolle, da das Gesamtsystem ohnehin nach der neuen Windlastnorm verdübelt wird.
Ebenso ist ein Maximalgewicht einzuhalten. Das Systemgewicht lässt sich über die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung ermitteln. Bei EPS-Lösungen kommen ab einer Gesamtsystemdicke (Alt- plus Neusystem) von mehr als 100 Millimetern zusätzliche Brandschutzmaßnahmen hinzu, beispielsweise ein umlaufender Brandriegel oder Sturzausbildungen über Gebäudeöffnungen mit vollflächig verklebten Mineralfaser-­Lamellen.
Wichtig für die spätere Brandklassifikation des Gesamtsystem »Alt + Neu« ist der Nachweis zur bestehenden Brandklassen-Einstufung des Alt-Systems. Ideal sind Unterlagen wie Prüfbescheide oder AbZ, die eine zuverlässige Einstufung erlauben. Liegt keine Information vor, wird das Gesamtsystem automatisch eine Brandklasse zurückgestuft. So kann aus einem schwer entflammbaren System (B1) ohne Nachweis ein normal entflammbares System (B2) werden, Auch die Altbeschichtung ist zu prüfen: Ist die Klebeeignung nicht gegeben, kann Grundieren der erste Arbeitsschritt sein. Dann folgt das Verlegen der neuen Dämmplatten – direkt auf das Altsys­tem, im Fugenversatz und mit vollflächiger Verklebung oder im Punkt-Wulst-Verfahren. Zusätzlich wird das Gesamtsystem immer mit Dübeln im tragfähigen Mauerwerk verankert. Sie leiten die entstehenden Lasten sowie die Windsoglasten in den Untergrund ab.
Schließlich folgt der Unterputz (mit ­systemzugehörigem Gewebe). Nach ­dessen Trocknung wird der Oberputz aufgetragen und strukturiert.

Sicher vor Windsog
Seit 2007 sind Windsoglasten nach DIN 1055-4:2005-03 zu ermitteln. Die Norm teilt Deutschland in vier Windzonen ein und gliedert die Fassade in maximal drei Gebäudebereiche. Der Nachweis der ­Dübelmengen ist objektspezifisch von einem Fachplaner durchzuführen oder nach dem vereinfachten Verfahren des Fachverband Wärmdämm-Verbund­systeme.

Abbildungen: Sto AG                                                                                                                       Ausgabe: 4/2012

  1. Aufdoppelung_01 Ausbau und Fassade - Schritt für Schritt
  2. Aufdoppelung_02 Ausbau und Fassade - Schritt für Schritt
  3. Aufdoppelung_03 Ausbau und Fassade - Schritt für Schritt
  4. Aufdoppelung_04 Ausbau und Fassade - Schritt für Schritt
  5. Aufdoppelung_05 Ausbau und Fassade - Schritt für Schritt
  6. Aufdoppelung_06 Ausbau und Fassade - Schritt für Schritt
  7. Aufdoppelung_07 Ausbau und Fassade - Schritt für Schritt
  8. Aufdoppelung_08 Ausbau und Fassade - Schritt für Schritt