01. Januar 2016

Auf alten Strukturen aufbauen

Quickmix_WDVS-4 Ausbau und Fassade - Auf alten Strukturen aufbauen

Wie kann eine Modernisierung eines in die Jahre ­gekommenen WDVS erfolgen, so dass sich dies langfristig in einer Amortisierung der Investition niederschlägt? Wenn die Grundsubstanz stimmt, steht dafür mit der Aufdoppelung eine günstige Methode zur Verfügung.

Was tun, wenn die Fassade zwar mit ­einem Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS) gedämmt ist, aber nicht mehr die Anforderungen gemäß energetischer Vorgaben erfüllt? Eine Frage, die sich viele Immobilienbesitzer stellen müssen, denn neben den Anforderungen an den Wärmeschutz sind vor allem die Energiekosten in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Zeit sich über die energetische Sanierung vorhandener Wärmedämm-Verbundsysteme Gedanken zu machen. Welche Methoden ­stehen zur Verfügung und sichern dabei ein wirtschaftliches Ergebnis?
Seit mehr als 50 Jahren werden WDVS erfolgreich zur Wärmedämmung von Außenwänden eingesetzt. Sowohl die eingesetzten Systeme als auch die ­Anforderungen an diese haben sich ­dabei kontinuierlich weiterentwickelt. Dämmstoffdicken und Wärmeleitwerte älterer WDVS genügen in der Regel nicht mehr den gestiegenen energe­tischen Anforderungen. Lag die mittlere Dämmstoffdicke in den 1980er-Jahren nach Angaben des Fachverbandes ­WDVS noch bei zirka 50 mm bei einer Wärmeleitfähigkeit von l = 0,04 W/m·K wird heute eine mittlere Dämmstoffdicke von zirka 120 mm für l-Werte von 0,026 W/m·K und geringer erzielt.
Noch regelt die Energie-Einsparverordnung aus dem Jahre 2009 (EnEV 2009) die Mindestanforderung an eine außenseitige Fassadendämmung. Mit der ­anstehenden Novelle der EnEV ist eine weitere Verschärfung dieser Anforderungen zu erwarten. Aber gerade vor dem Hintergrund drastisch steigender Energiekosten müssen sich Bauherren heute im Rahmen einer wirtschaftlichen Betrachtung mit der energetischen Aufrüstung ihrer Fassade beschäftigen. Nicht selten wird dabei eine ganzheit­liche energetische Modernisierung der Immobilien angestrebt.

Die wirtschaftliche Modernisierung
Wie kann also eine wirtschaftliche ­Modernisierung eines in die Jahre ­gekommenen WDVS erfolgen, so dass sich dies mittel- bis langfristig in einer Amortisierung der Investition niederschlägt? Stimmt die Grundsubstanz, steht mit der Methode der Aufdopplung von WDVS eine schnelle und kostengünstige Methode zur Verbesserung der Wärmedämmung zur Verfügung. Der Begriff der Aufdopplung beschreibt ­dabei die Aufstockung eines bereits ­bestehenden WDVS durch ein weiteres, neues WDV-System. Die bauphysika­lischen Rahmenbedingungen wie zum Beispiel U-Wert und Wasserdampf­diffusion sind innerhalb der Planung zu berücksichtigen und im Vorfeld zu überprüfen.

Altsystem als Grundlage
Der Charme: Das Verfahren kommt ohne die kostenintensive Begleit­erscheinung eines Rückbaus aus und nutzt ein energetisch intaktes Altsystem als Grund­lage. Ausschließlich ­lokal geschädigte Bereiche sind im Vorfeld gegebenenfalls auszubessern. Statt aufwendiger Rückbauarbeiten wird die bereits vorhandene Grundsubstanz ­(Altsystem) soweit ­ergänzt, dass die ­gewünschten Anfor­derungen, nach derzeitigem Stand ein U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient) von 0,24 W/m²·K, erzielt werden.
Für die Aufdopplung von WDVS stellt das Unternehmen Quick-mix ein durch das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) bauaufsichtlich zugelassenes ­Verfahren (Z-33.49-1163), mit auf den Anwendungsfall abgestimmten Systemkomponenten, zur Verfügung. Die ­bereits langfristig bewährten Loba­therm-Systeme P, PO, M und L sind mit der Zulassung um die Möglichkeit der Aufdopplung ergänzt worden. Bei der Verarbeitung von EPS auf EPS können ­dabei Gesamtdämmstoffdicken bis
300 mm und bei der Verarbeitung von ­Mineralwolle beziehungsweise Mineralwoll-Lamellen bis 200 mm realisiert werden. Die zwingende Überein­stimmung der Dämmstoffart von ­Alt- und Neusystem ist jedoch nicht erforderlich.

Beurteilung des Altsystems
In jedem Fall ist im Vorfeld der Maßnahme eine genaue Beurteilung des »Ist-Zustandes« des Altsystems bezüglich Standsicherheit, Tragfähigkeit und Gebrauchstauglichkeit notwendig.
Nur so kann eine detaillierte Planung und fachgerechte Ausführung sichergestellt werden. Konstruktive Details, wie Anschlüsse von Fenstern und Türen, ­Fensterbänke, dem Dachbereich, Sockelschienen sowie Montage- und weiteren Anschlusselementen sind in die Planung einzubeziehen und entsprechend anzupassen. Zur Beurteilung des Altsystems werden an mehreren Stellen der Fassade zirka 1 m x 1 m große Felder geöffnet. Anhand der Ausschnitte werden die Verklebung zum Untergrund, der prozentuale Flächenanteil der Verklebung sowie die Beschaffenheit der Oberfläche im Hinblick auf eine spätere Verklebung bestimmt. Fällt das Ergebnis positiv aus (unter anderem ein Klebeflächenanteil von mindestens 40 Prozent), kann ­unverzüglich aufgesattelt werden. Gleichzeitig entscheidet das Ergebnis der Untersuchung über Art und Umfang der Befestigung des neuen Systems.
Im Anschluss der Beurteilung werden die geöffneten Stellen mit einem gleichwertigen Material geschlossen. Für die weitere Überarbeitung bleibt so ein ebener Untergrund erhalten. Im Fall ­einer unzureichenden Verklebung beziehungsweise eines unzureichenden ­Klebeflächenanteils müssen zunächst weitere Maßnahmen wie zum Beispiel die Nachverklebung durch Injektion mit PU-Klebeschaum dem Rückbau in einer wirtschaftlichen Betrachtung gegen­übergestellt und geprüft werden.

Anwendung und Verarbeitung
Grundsätzlich kann ein bestehendes WDVS mit unterschiedlichen Dämmstoffen aufgedoppelt werden. Je nach Präferenz des Bauherrn oder Entscheidung des Fachplaners kommt ein ­System mit expandiertem Polystyrol ­(Lobatherm System P, PO) oder Mineralwolle (Lobatherm System M, L) zur ­Anwendung. Die Verarbeitung des aufgedoppelten WDVS unterscheidet sich dabei nur wenig von der eines herkömmlichen Systems.
Wichtig: Bei der Anordnung der Dämmstoffplatten sollte auf einen ausreichenden Versatz der ­Fugenstöße des Alt- und Neusystems geachtet werden. ­Wurden die Dämmstoffplatten verklebt und eine ausreichende Aushärtung des Klebers sichergestellt, erfolgt die Befes­tigung mit ­Dübeln. Die Verankerung mit systemzugehörigen Dübeln erfolgt durch das Neu- und Altsystem hindurch direkt in den Untergrund. Für die ­Anordnung der Dübel und Festlegung der erforderlichen Dübelmenge sind die Ausführungen der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung, die aktuelle Windlastnorm DIN 1055-4, sowie die Herstellervorschriften zu beachten. Der Auftrag von Armierungsschicht und Oberputz folgt der normalen Verarbeitung eines WDVS.

Aspekte zum Brandschutz
Bei der Einstufung des Brandschutzes müssen sowohl Alt- als auch Neusystem berücksichtigt werden. Möglich sind
die Einstufungen normal entflammbar, schwer entflammbar sowie nicht ­brennbar. Es gilt: Die Brandklasse des ­Gesamtsystems kann nicht verbessert werden – nur gleichbleibend beziehungsweise verschlechtert! Die Kombinationsmöglichkeiten und die sich daraus ergebende Gesamtbrandklassifizierung zeigt Bild 3.
Im Rahmen der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen werden bei ­Verwendung von EPS-Dämmsystemen mit einer Dämmstoffdicke von >100 mm zusätzliche Brandschutzmaßnahmen verlangt. Nur so kann die Brandklassi­fizierung schwer entflammbar erreicht werden. Beträgt die ­Gesamtdämmstoffdicke aus Alt- und Neusystem also mehr als 100 mm, muss oberhalb von Öffnungen (zum Beispiel Fenster und Türen) eine Brandbarriere aus Mineralwollplatten eingebaut ­werden. Dies wird zum Beispiel durch Ausführung eines umlaufenden Brandriegels aus nichtbrennbaren Mineralwoll-Lamellenplatten erzielt. Bei der Ausführung des Brandriegels ist eine Mindesthöhe von 20 cm einzuhalten. Weiterführende Angaben zu Ausführung und Brandschutzaspekten können der allgemeinen bauaufsichtlichen Zu­lassung, der technischen Systemdokumentation und den Detailzeichnungen sowie der jeweiligen Landesbauordnung entnommen werden.

Gestaltungsmöglichkeiten
Neben der energetischen Aufrüstung bietet die Aufdopplung von WDVS die Möglichkeit, Immobilien ein neues und modernes Erscheinungsbild zu verleihen. Aus Altimmobilien entstehen so nicht selten ansprechende und moderne Schmuckstücke. Das vielfältige Sortiment an Oberputz-, Farb- und Anstrichsystemen von Quick-mix bietet hierzu eine große Bandbreite an Kombi­nationsmöglichkeiten. Raue bis glatte Strukturen in Kombination mit einer ­individuellen Farbgebung von pastell­farben bis intensiv sorgen für stilvolle Fassaden und lassen die Aufdopplung von WDVS zum Blickfang werden.

Jörn Philipp Tombers
Quick-mix Produktmanager WDVS

Abbildungen: Quick-mix                                                                                                                Ausgabe: 4/2012

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