05. Juli 2017

Energiewende durch Energiewände

Der Energieausweis
Foto: Fotolia/Eisenhans

Der Begriff der Energiewende beschreibt den Wandel der Energieversorgung, weg von fossilen Energieträgern wie Öl, Kohle, Gas und der Kernenergie, hin zu regenerativen Energiequellen aus Sonne, Wind- und Wasserkraft, Geothermie und nachwachsenden Rohstoffen.

Gründe für diesen notwendigen ­Umstieg sind unter anderem die Reduzierung der Treibhausgasemissionen, die Endlichkeit der fossilen Energieträger, Energieautarkie-, also einer Unabhängigkeit von externen Energielieferanten – und ­Umweltkatastrophen im Zusammenhang mit fossilen Energieträgern, wie Atom- oder Ölunfälle.

Eine wesentliche Herausforderung des Energiekonzepts, das die Bundesregierung zur Umsetzung der Energiewende im Jahr 2010 verabschiedete, besteht in der Reduzierung der Treibhausgasemissionen um mindestens 80 Prozent bis 2050 (gegenüber 2008), da diese als wesentlicher Grund für den Klimawandel und somit die globale Erderwärmung angesehen werden. Zur Realisierung dieses Zielwerts sieht das Energiekonzept deshalb nicht nur die sukzessive Substitution der fossilen Energieträger durch regenerative vor, sondern setzt auch an der Energieeffizienz in allen Verbrauchssektoren an, da sich ohne die Reduzierung der Verluste und die gleichzeitige Erhöhung der Wirksamkeit das ambitionierte Einsparziel nicht erreichen lässt.

Potenzial für die Verbesserung der Energieeffizienz besteht hierbei vor allem im Gebäudebereich, da auf diesen fast 40 Prozent des Endenergieverbrauchs in Deutschland entfallen, ein Großteil davon für die Erzeugung von Raumwärme. Mit dem Hintergrund, dass bei der Mehrheit aller Gebäude bis zu diesem Zeitpunkt sowieso Sanierungs­arbeiten notwendig werden, sieht die Bundesregierung deshalb vor, dass in diesem Zusammenhang zeitgleich auch energetische Maßnahmen umgesetzt werden. Das vordefinierte Ziel der ­Bundesregierung ist, durch energetische ­Sanierungsmaßnahmen einen an­nähernd klimaneutralen Gebäude­bestand zu erreichen, und damit einhergehend eine Senkung des Primärener- giebedarfs in Gebäuden um 80 Prozent bis zum Jahr 2050.

Großes Potenzial

Um sich der Reichweite dieser Aufgabe bewusst zu werden, ist eine Betrachtung des Gebäudebestands und seiner Struktur notwendig. Ein Großteil, etwa zwei Drittel der insgesamt 18,2 Millionen Wohngebäude in Deutschland, wurde vor der ersten Wärmeschutzverordnung (WSVO) im Jahre 1979 erbaut. Energetisch saniert wurde die Mehrheit dieser Gebäude aber bislang gar nicht beziehungsweise nur unzureichend, was zur Folge hat, dass insgesamt drei Viertel des gesamten Endenergieverbrauchs von Wohngebäuden auf Gebäude dieser ­Altersklasse zurückzuführen sind. Ver­fügen heutige Neubauten über Verbräuche um die 50 bis 70 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr, so haben Gebäude aus den Baujahren vor 1979 in der Regel einen Endenergieverbrauch von über 200 Kilowattstunden pro Quad­ratmeter und Jahr. Ein deutlicher Unterschied, der klar angibt, welches Potenzial im Wohngebäudebestand steckt.

Typischerweise haben hierbei die insgesamt 15,1 Millionen Ein- und Zwei­familienhäuser (EFZH), aufgrund ihres schlechteren Verhältnisses von Außenhüllfläche zu Gebäudevolumen (A/V Verhältnis), schlechtere Verbräuche bezogen auf den Quadratmeter nutzbarer Fläche, als die rund drei Millionen Mehrfamilienhäuser (MFH). Um Anreize für energie­bedingte Investitionen im Gebäude­bestand zu schaffen, wird eine Vielzahl von Finanzierungshilfen auf dem Markt angeboten, die dem Gebäudeeigen­tümer die Finanzierung erleichtern soll. Die Höhe dieser Fördermittel ist hierbei immer abhängig von der vorgenommenen Maßnahme beziehungsweise dem letztendlichen Energiebedarf des energetisch optimierten Gebäudes.

Eigentümer entscheidet

Verantwortlich für die Umsetzung der geforderten Sanierungsmaßnahmen der Bundesregierung ist aber letztendlich der Gebäudeeigentümer. Dieser entscheidet, wann und in welchem Ausmaß energetische Sanierungen am Gebäude vor­genommen werden, denn im Gegensatz zu den verpflichtend einzuhaltenden Neubaustandards der EnEV gibt es für Bestandsgebäude nur wenige grundsätzliche Vorschriften. Der Kesseltausch bei Heizungsanlagen, die älter sind als 30 Jahre und keine Niedertemperatur- oder Brennwerttechnik verwenden, ist eine dieser Nachrüstverpflichtungen. Nachrüstpflicht besteht außerdem für oberste Geschossdecken, oder alternativ für das darüber befindliche Dach, wenn dieses einen bestimmten Wärmedurchgangskoeffizienten übersteigt.

Weiterführende Vorgaben für die ­Bestandsgebäude müssen immer nur dann erfüllt werden, wenn größere Maßnahmen in einer gewissen Tiefe umgesetzt werden. Energetische Anforderungen sind nach EnEV demnach immer dann zu erfüllen, wenn mehr als ein Zehntel der Gesamtfläche des Bauteils baulich verändert wird. Ein neuer Fassadenanstrich führt demnach nicht direkt zur Notwendigkeit einer Außendämmung, eine Erneuerung des Putzes allerdings schon. Diese Verpflichtung gilt aber nur für die geänderte Bauteilfläche, insofern sich diese Maßnahme nicht als unwirtschaftlich darstellt.

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