01. Januar 2016

Wärmedämmung unterm Dach

Caparol_6 Ausbau und Fassade - Wärmedämmung unterm Dach

Es gehört zur Philosophie der Johannstädter Wohnungsgenossenschaft, bei der Instandhaltung und Sanierung ihrer Häuser die Belastung für die Mieter so ­gering wie möglich zu halten. Im Zuge der erforderlichen Maßnahmen wurde ein innovatives Klicksystem für die oberste Geschossdecke verwendet.

Die Dresdner Wohnungsgenossenschaft Johannstadt eG (WGJ) kann gut 20 Jahre nach der Wiedervereinigung eine erfreuliche Bilanz ziehen: Ihr Wohnungsbestand, bei dem sich die monolithische und die Plattenbauweise in etwa die Waage halten, ist zu einhundert Prozent ­saniert. Dennoch fiel kein einziges der 518 Häuser der Abrissbirne zum Opfer oder wurde verkauft. Die Pflege der ­alten Bausubstanz ging einher mit der Aufwertung der industriell errichteten Wohnbauten aus der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. 380 Milli­onen Euro flossen seit dem Jahr 1993 in die Instandsetzung und die Moderni­sierung. Mit einer Leerstandsquote von 1,4 Prozent behauptet die Johann­städter Genossenschaft auf dem Dres­dner Wohnungsmarkt eine hervorra­gende Position. Sie ist neben der attraktiven Wohnlage der Quartiere zwischen Innenstadt und Elbe vor allem der zielstrebigen Aufwertung des Wohnungs­bestandes und dem vertrauensvollen Verhältnis zwischen Vorstand und ­Genossenschaftern zu verdanken. Auf diese Dreifaltigkeit setzt die Genossenschaft auch künftig. Bezahlbare Mieten, zeitgemäßer Wohnkomfort und sinkender Energieverbrauch besitzen dabei oberste Priorität.

Rückkehr an den Anfang
Die ersten baulichen Maßnahmen im Zuge des langfristigen Sanierungs­programms galten 1992 der Modernisierung der Rudolf-Schilling-Häuser in Striesen. Die vom Dresdner Spar- und Bauverein in Auftrag gegebene und 1911 gebaute dreiflügelige denkmal­geschützte Wohnanlage besteht aus ­einem Dutzend viergeschossiger Häuser mit Mansardendach sowie einer drei­geschossigen Reihenhausgruppe im Wohnhof. Bei der Planung und beim Bau des Gebäudekomplexes wurden Aspekte des sozialen Wohnungsbaus berücksichtigt, so dass ihre ersten ­Bewohner weniger betuchte Dresdner Bürger waren. Dennoch entstand ­zwischen der Wormser und der Holbeinstraße eine ansehnliche Architektur. Bis heute haben sich die langgestreckten ­Fassaden, die durch Balkone und Dreiecksgiebel, herausgehobene Treppenhäuser und keramikverkleidete Hauseingänge gegliedert sind, ihren Reiz ­bewahrt.

Energetische Sanierung spart Geld
1972 übernahm die Johannstädter Wohnungsgenossenschaft die Wohn­anlage und sanierte sie zu Beginn der 1990er-Jahre im Bewusstsein ihrer Verantwortung mit erheblichem finanziellen Aufwand. Angesichts strenger denkmalschützerischer Regeln, die Eingriffe in die Gebäudehülle geschützter Bauwerke untersagten, spielte die Wärmedämmung zunächst in diesem Zusammenhang keine Rolle. Erst mit der ­Novellierung der Energieeinsparverordnung in den Jahren 2009 und 2011 rückte der Gesetzgeber diesen Aspekt stärker in den Vordergrund. Heute schreibt er im Neubau nicht nur die Dämmung der Gebäudehülle, ­sondern auch von Keller- und letzter Geschoss­decke vor. Im Altbau werden solche Maßnahmen nur unter bestimmten ­Bedingungen gefordert. Dennoch hat die Dresdner Wohnungsgenossenschaft Johannstadt eG die energetische Sanierung von Anfang an ernst genommen und als wichtigen Weg zur Senkung der Betriebskosten betrachtet.

Zum Wohle der Hausbewohner
Das bewog sie in jüngster Zeit dazu, sich den Rudolf-Schilling-Häusern unter dem Aspekt der Energieeinsparung ­erneut zuzuwenden. Eine Wärme­dämmung der Außenfassade schied aus Gründen des Denkmalschutzes aus. Aber die Dämmung der obersten Geschoss­decke, die den Heizenergieverbrauch bis zu 25 Prozent verringert, und der Kellerdecke, die noch einmal bis zu zehn ­Prozent Senkung beisteuert, lag im ­Sinne der Genossenschaft wie der ­Mieter, trägt sie doch dazu bei, die Wohnungen attraktiver und bezahlbarer zu machen. Die Abteilung Technik der Wohnungs­genossenschaft Johannstadt, die mit dem Vorhaben betraut wurde, sah sich auf dem Markt nach geeigneten Angeboten um. Bauleiter Mario ­Pölchen wandte sich auch an Caparol-Verkaufsberater Rolf Eifert, der neben der herkömmlichen begehbaren Verbundplatte aus Holzwerkstoff und Polystyrol mit dem »Capa Click-­Speicher-dämmelement-Dalmatiner 022« ­eine Novität zu bieten hatte. Es ist gleichfalls begehbar und besteht aus ­einer ­8-mm-HDF-Platte, die mit Hilfe der Klick-Technologie einen kraft­schlüssigen Verbund in der Fläche ­ermöglicht sowie einer Dämmplatte, die im Kantenbereich über einen Stufenfalz verfügt. Dabei wird auf den weiß-schwarz gespren­kelten, vom WDVS her bekannten ­Dalmatiner-Dämmstoff zurückge-
griffen.

Stolperfallen werden vermieden
Es gibt das Capa Click-Dämmelement aber auch mit Polyurethan. Die PUR-Ausführung erfüllt die Vorgabe der EnEV 2009 von 0,24 W/m²K mit nur 108 mm Dämmdicke, die Dalmatiner-Dämm­platte braucht dafür 40 mm mehr, ­kostet dafür aber weniger. Da in der Dresdner Genossenschaft neben dem Mieternutzen die Sparsamkeit hoch im Kurs steht, fiel die Entscheidung zuguns­ten der Dalmatiner-Platte. Für sie sprach neben dem Spielraum nach oben noch ein anderer Grund: Die damit erreichte Fußbodenhöhe ermöglichte den Anschluss an die Bodentreppe und ersparte den Bau einer zusätzlichen Stufe.
Bauleiter Pölchen verwies darauf, dass das Klick-System gegenüber der stumpf gestoßenen Platte mehr Sicherheit ­bietet, weil es keine Stolperfallen aufbaut. Das ist deshalb von Belang, weil in den Rudolf-Schilling-Häusern die Dachböden von den Mietern zum Wäschetrocknen genutzt werden.  

Handkreissäge sehr gefragt
In der Ausschreibung setzte sich die Freitaler Firma Kay Herrmann Ausbau durch, die seit 2008 auf dem Markt ist und bei der Verlegung von Thermodecken bereits über Erfahrungen verfügte, aber mit dem Einbau der Capa-Click-Speicherdämmplatte Neuland ­betrat. »Meine anfängliche Skepsis wich zunehmend der Begeisterung für das ­innovative System«, resümierte Kay Herrmann. Vor dem Verlegen der 1,245 x 0,495 Meter großen Platten wurden Unebenheiten des Untergrundes durch eine Schüttung ausgeglichen. Wegen der notwendigen Anpassung an Pfeiler beziehungsweise Pfosten der Dachkonstruktion avancierte die Handkreissäge zum wichtigsten Werkzeug der Handwerker. Auch die Schornsteine wurden in das Dämmsystem einge­bunden. Die kraftschlüssige Verbindung der Elemente ­unter Verzicht auf das ­übliche Verleimen, so der gelernte Tischler, führte zu einer beträchtlichen Zeitersparnis. ­Die Passgenauigkeit machte auch das Nacharbeiten von ­Fugen überflüssig.

Pflegeleichte Fußbodenbeschichtung
In Abstimmung mit der Abteilung Technik der WGJ fiel die Entscheidung, die Trittfläche des verlegten Dämmsystems mit einer farblichen Beschichtung zu ver­sehen. Sie trug weniger dem Schön­heits­empfinden der Mieter als nutzungsbedingten Erfordernissen Rechnung. Denn die obenliegende HDF-­­Platte, so Caparol-Fachmann Rolf Eifert, ist und bleibt ein Holzwerkstoff, dem allzuviel Wasser – auch wenn es nur aus der Wäsche tropft – nicht gut ­bekommt.
So erhielt der Dresdner Malerfach­betrieb Olaf Schade, dessen Dienste die Genossenschaft immer ­wieder in ­Anspruch nimmt, den Auftrag, rund 2500 m² Fußboden mit der einkomponentigen staubbindenden Fußboden­farbe »Disbon 404 Acryl-Boden Siegel« in Kieselgrau zu beschichten. Schade freute sich nicht nur über den Großauftrag, der ihm für den Winter sehr gelegen kam, sondern lobte auch die Fußbodenbeschichtung, die gut zu verarbeiten und leicht zu pflegen sei.

Zufriedene Mieter
Es gehört zur Philosophie der Johannstädter Wohnungsgenossenschaft, betonte Mario Pölchen, bei Instandhaltung und Sanierung die Belastung der Mieter so gering wie möglich zu halten und erforderliche Maßnahmen möglichst in einem Zuge zu erledigen. In den Rudolf-Schilling-Häusern umfasste das Paket neben der Dämmung der Geschoss­decken die farbliche Auffrischung der Balkone und der Keller, deren Decken gleichfalls mit Dämmung versehen ­wurden. Der Erfolg baulicher Aktivitäten der Genossenschaft werde an der ­Zufriedenheit der Mieter gemessen. Daran fehlte es auch in diesem Falle nicht.

Wolfram Strehlau

Abbildungen: Caparol Farben Lacke Bautenschutz                                          Ausgabe: 10/2012

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