01. Januar 2016

Aus Klotz wird Kult

Brillux_Bunker_7 Ausbau und Fassade - Aus Klotz wird Kult

Es ist völlig unmöglich in einem Bunker zu leben, zu studieren oder einen Kaffee zu trinken? Mitnichten– solche Gebäude haben ein enormes Potenzial, wie zwei Beispiele aus Recklinghausen oder Bochum beweisen.

68 Jahre sind seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs vergangen. Doch noch ­immer zeugen Hunderte von in den 1930er- und 1940er-Jahren erbauten Schutzraumanlagen davon. Und das nicht nur unterirdisch oder als überwachsene Ruine im Wald: Gerade in den Metropolen wurden viele voluminöse Hochbunker errichtet, die bis heute an Ort und Stelle stehen. Oft ­genug sogar in bester innerstädtischer Lage. Lange wusste man nicht, wie man mit diesen bedrohlich wirkenden Trutzburgen umgehen sollte. Einfach weg­sprengen verbot sich von selbst: Mit den meterdicken Gemäuern wären ganze Straßenzüge in Schutt und Asche gelegt worden. Und zudem war intakter Wohn- und Geschäftsraum nach 1945 rar geworden. Verlegenheitsnutzungen waren die Folge – und rein optisch dämmerten die Bunker im Dorn­röschenschlaf vor sich hin. Das kann sich nun grundlegend wandeln: Zwei aktuelle Beispiele aus dem Ruhrgebiet zeigen, dass diese Gebäude immenses Potenzial haben, wenn sie nur richtig entwickelt werden. Dann wird der ­Betonklotz zur Landmarke, die Altlast zum trendigen Mittelpunkt eines Quartiers, die ehemals unheimlichen Räume zu begehrten Flächen. So wie in Recklinghausen und Bochum, auf jeweils ganz unterschiedliche Art und Weise.

Recklinghausen: eine kunstvolle Verwandlung
Der Hochbunker in der Große-Perdekamp-Straße nahe des Recklinghausener Hauptbahnhofs wurde von der Stadt bereits seit 1950 als Kunsthalle genutzt. 2011 stand eine energetische Sanierung und ein behindertengerechter Umbau des Museums an. Während der einjährigen Bauphase erhielt auch die Fassade ein neues Gesicht – und zwar eines, in dem die Geschichte und die Gegenwart des Gebäudes ablesbar sein sollten. Die Fassade integriert sich jetzt durch gut gesetzte Fensterele­mente in das Straßenbild, wirkt aufgelockert und offen. Dennoch wurde mit der neuen Farbauswahl, einem ­dunklen Anthrazit, die kraftvolle Bedeutung des Baukörpers erhalten und seine ursprüngliche Bestimmung nicht verleugnet.

Umbau für eine Million Euro
In der Kunsthalle sind jährlich bis zu sechs Ausstellungen zu sehen, die sich vornehmlich der Gegenwartskunst ­widmen. Die Modernisierungsmaß­nahmen ermöglichen Passanten und Besuchern des jetzt barrierefreien ­Gebäudes ganz neue Perspektiven: Die großzügige Glasfassade bringt Licht ins Foyer und gewährt auch von außen Einblicke ins Museum. Die Stadt Recklinghausen hat diesen Umbau für rund eine Million Euro realisiert, von denen etwas mehr als 600000 Euro aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung kamen.
Bei der Fassadengestaltung der Kunsthalle Recklinghausen vertrauten die ­Architekten Feja und Kemper auf das Können des Malerbetriebs Ludger van der Locht aus Marl. Die Maler setzten den Farbentwurf mit der wetter- und farbbeständigen, fotokatalytisch ­wirksamen Acryl-Fassadenfarbe 100 von Brillux um.

Bochum: vom düsteren Betonblock zum trendigen »Zentralmassiv«
Der Standort des 1940 erbauten Hochbunkers könnte nicht besser sein: ­Mitten in der Innenstadt, am attrak­tiven Springerplatz, optimal an den ­öffentlichen Nahverkehr angeschlossen und nur zehn Gehminuten von der ­Bochumer Partymeile »Bermuda-Dreieck« entfernt gelegen, führte der Bau dennoch ein Aschenputteldasein. Allerdings ein wuchtiges: Allein die oberste Decke des Bunkers wiegt 3000 Tonnen, das gesamte Objekt bringt es auf 16000 Tonnen Stahlbeton, die Außenwände sind durchweg zwei Meter dick. Nach dem Krieg wurde das Gebäude vom Technischen Hilfswerk, von der ­Caritas als Obdachlosenheim und vom Stadtleihamt zivil genutzt. Schon ­damals erhielt der Bunker Fenster­öffnungen, doch keine wesentlichen Veränderungen im Innenraum. Das ­änderte sich nachhaltig, als der neue Besitzer und Bauherr Jochen Schmidt mit dem Architekten Thomas Stark eine kühne Vision entwickelte. Aus dem ­»alten Bunker« sollte das »Zentral­massiv« werden – ein pulsierender Ort mit gemischter Nutzung durch ­Gewerbe, Gastronomie und Wohnungen. Als die ersten Interessenten in das Projekt eingestiegen waren, wurde die Kernsanierung und der ­Umbau des ­Bestandsgebäudes in nur elf Monaten Bauzeit im Jahr 2011 realisiert.
Außen wurden 380 Tonnen Stahlbeton aus dem Gebäudevolumen ­herausge-schnitten und der Platz vor dem Bunker ­komplett neu gestaltet: Ein Plateau ­verbindet nun das Gebäude mit dem Springerplatz. Innen entstanden Grund­risse und die gesamten technischen ­Installationen neu. Sie wurden auf die Anforderungen der neuen Nutzer zugeschnitten. ­Ankermieter ist das SAE ­Institut, eine private Hochschule für Medienstudien­gänge. Deren Ton- und Bildstudios, Hörsäle und die gesamte weitere Bildungs­infrastruktur verteilen sich auf drei Stockwerke. Ein etabliertes ­Bochumer Café ist in die ehemaligen Bunkerräume umgezogen.
 
Leuchtturmprojekt in Bochum
Für die Generalsanierung sowie den ­Innenausbau der Medienschule wurden jeweils weit über eine Million Euro ­investiert. Derzeit entsteht der Gipfel des »Zentralmassivs«: Dreigeschossig werden vier großzügige Eigentums­wohnungen auf das Bunkerdach auf­gestockt. Die neue Nutzung ist ein Leuchtturmprojekt im besten Sinne des Strukturwandels – und genau dies gibt auch die Fassadengestaltung wieder. Die zuvor bestehenden hohen Fensterbrüstungen wurden durchgängig entfernt, so dass das Gebäude nun mit großen Augen auf den Platz schaut – und viel Licht ins ­Innere zulässt. Die Fensterleibungen wurden mit dem ­Brillux WDV-Systemen I und III pass­genau und ­energieeffizient gedämmt sowie charaktervoll gestaltet.
Die asymmetrisch zugeschnittenen, ­erhabenen Dämmstreifen geben der Fassade einen Rhythmus. Die fast weiße Leitfarbe der Fassade macht das burgartige Gebäude freundlich und ­zugänglich. Leichte graue Akzente ­betonen die Fensterleibungen, den ­bossierten Sockel und die Dachabschlüsse. Die Fassadengestaltung überzeugt so durch dezente, wirkungsvolle Eingriffe – und belässt dem ehemaligen Bunker doch seine Geschichte und ­Herkunft.

Marco Bock,
Projektmanager Brillux Farbstudios

Abbildungen: Brillux                                                                                                         Ausgabe: 6/2013

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