01. Januar 2016

Keller richtig sanieren

Maier_10 Ausbau und Fassade - Keller richtig sanieren

Ein Jugendstilwohnhaus in Erlangen wies stark geschädigte Kellerwände auf. Insbesondere die Außenwände zeigten innen deutlich sichtbare Feuchte- und Salzschäden. Obwohl das Kellergeschoss weiterhin nur für Lagerzwecke genutzt werden sollte, war die Kellertrockenlegung für eine dauerhafte Sicherung des Bestandes zwingend erforderlich.

Häufig sind es die defekten, alten Hauskanäle, die Feuchte in die Kellerräume transportieren. Um diese anthropo­genen, also von Menschen erzeugten Feuchtequellen fachgerecht sanieren zu können, musste zunächst ihr Verlauf unter dem Keller festgestellt werden. Dazu war es erforderlich, sich alte Planunterlagen aus dem Stadtarchiv zu ­beschaffen, in die die Kanäle bei ihrer Erbauung eingetragen worden waren, denn der Hausbesitzer besaß, wie das bei alten Häusern häufig der Fall ist, solche nicht mehr. Da spätestens seit Gründung des Deutschen Reichs im Jahre 1871 die Stadt- und Kreisbau­ämter jeweils Duplikate der genehmigten Baupläne pflichtgemäß aufbewahren, muss­te auch in diesem Fall dem Archiv des Bauamts ein Besuch abgestattet werden. Der Verfasser fand in der Tat Baupläne von 1907 und Kanalpläne von 1957. Damit war der Verlauf der Kanäle unter dem Kellerboden ­bekannt.
Über einen Revisionsschacht im Keller des Hauses wurden die Kanalrohre zunächst mit einer TV-Axialschiebe­kamera abgefahren, um ihren Zustand optisch festzustellen. Wie zu erwarten war, waren die alten Tonrohre an ­mehreren Stellen gebrochen, die Rohre hatten sich zudem in verschiedenen ­Bereichen gesetzt. Dann wurden sie ­unter Hochdruck mit einer Spezial­motorspirale gereinigt und schließlich mit einem elastischen Polyester-Nadelfilzschlauch mit Polyurethanbeschichtung, einem Thermoliner Plus DN 150, ausgekleidet. An manchen besonders desolaten Stellen im Kanal wurde ein Bidirektional-Glasfaserkomplex ­getränkt mit einem Mehrkomponentenharz auf Silikatbasis erforderlich.

Bauzustand der Kelleraußenwände
Nachdem die anthropogenen Feuchtequellen nachhaltig verschlossen waren, musste eine Feuchte- und Salzbilanz der Kellermauern erstellt werden. Damit wurde das Kompetenzzentrum Bautenschutz und Bausanierung KBB Prof. Dr. H. Weber GmbH beauftragt. In Ab­sprache mit dem Verfasser wurden ­insgesamt vier Messachsen – zwei in den Kelleraußenwänden, je eine in der Kommun- und in der Trennwand – mit je zwei übereinander angeordneten Messstellen innenseitig angelegt. ­Zudem wurde eine Einzelprobe aus dem Sockelbereich außen entnommen. ­Zusätzlich wurden an insgesamt sieben Baustoffproben folgende Salzanalysen durchgeführt: Bestimmung des Chlorid-, Sulfat- und Nitratgehalts, des Feuchtegehalts nach der Darrmethode, der ­maximalen kapillaren Wasseraufnahme und der hygroskopischen Gleich­gewichtsfeuchte. Schließlich berech­nete KBB den kapillaren Durchfeuchtungsgrad und den hygroskopischen Feuchteanteil. Mithilfe der mit einem Kernbohrer entnommenen Proben konnte festgestellt werden:
Die Außen-, Kommun- und Trennwände im KG bestehen aus Voll­ziegeln. In einigen Wandbereichen waren keine Putze mehr vorhanden. Teilweise konnte man noch dünne Putzlagen beziehungsweise Putzreste feststellen, nur die Trenn- und die Kommunwand waren noch weit­gehend verputzt.
In den Außenwandbereichen gab es deutlich sichtbare Feuchte- und Salzschäden, während Kommun- und Trennwände einen optisch schadensfreien Eindruck hinterließen.
Im geländenahen Sockelbereich außen waren Putz- und Anstrich­abplatzungen in großer Zahl festzustellen. Hier ­wurden nur Einzelproben zur Salzbestimmung entnommen.
Die Raumklimamessungen am Tag der Probenahme erbrachten folgende Werte im Kellergeschoss: Raumlufttemperatur 22,1 °C, relative Luftfeuchtigkeit 71 Prozent.

Feuchtesituation
An der straßenseitigen Außenwand ­ergaben die Proben einen kapillaren Durchfeuchtungsgrad zwischen 35 und 48 Prozent, also eine relativ hohe Durchfeuchtung.
An der Trennwand zwischen zwei ­Kellerräumen konnten nur 15 und vier Prozent gemessen werden. Der Durchfeuchtungsgrad hier lag also etwas über beziehungsweise im Bereich der Gleichgewichtsfeuchte. Diese geringe Durchfeuchtung war ein Hinweis darauf, dass aufsteigende Mauerfeuchte kaum ­schadensursächlich wirksam sein ­konnte.
An der gartenseitigen Außenwand ­ergaben die Proben einen kapillaren Durchfeuchtungsgrad unten von 68 Prozent, der nach oben hin auf 31 Prozent abnahm, also eine relativ hohe Durchfeuchtung im unteren Mauerbereich darstellte. An der Kommunwand zum Nachbargebäude lag die Durchfeuchtung bei acht beziehungsweise vier Prozent, also im Bereich der Gleichgewichtsfeuchte.

Salzbilanz
In die Salzanalytik wurden insgesamt sieben Proben einbezogen. Dabei handelte es sich um Vollziegel-Bohrmehlproben aus den Kellerwänden sowie ­eine Oberflächenprobe aus dem Sockelbereich außen. Grundlage für die Beurteilung der Salzbelastung stellt das WTA-Merkblatt 2-9-04 »Sanierputz­systeme« dar, in dem in Tabelle 5 die »Bewertung schadensverursachender Wirkung verschiedener Salzionen in Mauerwerkskörpern« enthalten ist.
In hoher Konzentration wurde die ­Sulfatbelastung an der gartenseitigen Außenwand in nur zwei Proben festgestellt. Alle anderen Proben wiesen nur geringe Sulfatbelastung auf. Die Chloridkonzentration war so gering, dass sie nur als Verunreinigung eingestuft ­werden konnte. Auf der Straßenseite konnte diese geringe Konzentration nur mit dem Einsatz von Streusalz im ­Winter erklärt werden.
Die Nitratkonzentration in den Kellerwänden war erheblich. Sie reichte von mittelmäßig bis zu erheblich belastet (0,89 M.-%). Im Sockelbereich außen konnten keine nennenswerten Nitrat­gehalte festgestellt werden.
Die Versalzung in ihrer Gesamtheit spielte also zweifelsfrei eine gravie­rende Rolle bei der Schadhaftigkeit des Kellermauerwerks, sie musste bei der Instandsetzungsplanung entsprechend berücksichtigt werden.

Instandsetzung
Aufgrund der Erdberührung und der fehlenden Abdichtung fand eine fortwährende Zermürbung des Keller­mauerwerks durch Feuchte- und Salztransport in Verbindung mit entsprechenden Kristallisationsvorgängen im oberflächennahen Bereich statt. Es ­bestand die Sorge, dass aufgrund der fehlenden Horizontalabdichtung die Feuchtigkeit auf kapillarem Wege bis ins Erdgeschoss hinaufwandern würde und dort ebenfalls Schädigungen an Putz und Mauerwerk hervorrufen ­würde. Deshalb musste eine Horizontalabdichtung oberhalb des Geländes in die Kellerwände eingebaut werden. Außerdem waren zusätzliche flankierende Maßnahmen erforderlich.
Im Einzelnen wurden folgende Arbeiten veranlasst:
Zunächst wurde das Mauerwerk von Putz und aufgebrachter Schlämme ­befreit. Loser Putz wurde abgeklopft, feste und dünne Schlämmen wurden abgeschliffen. Die freigelegten Wandflächen ­wurden gereinigt, abgekehrt und überschliffen. Bei diesem Arbeitsgang wurden auch die losen Fugenmörtel entfernt.  Dann wurde eine Horizontalabdichtung nach dem Injektionsverfahren (Silikonmikroemulsion) unterhalb der Kellerdecke im Außenwandbereich eingebracht. Sie wurde knapp über der Gelände- beziehungsweise Straßen­oberkante angelegt. Um Hohl­räume und inhomogene Bereiche im Mauerwerk zu verschließen, wurde die Injektion als Mehrstufenvariante unter Druck mit maximal fünf bar ausgeführt. Die ­Bohrungen für die Injektionen waren innenseitig von den Kellerräumen her möglich. Im Bereich der Kommun- und Trennwände war eine Horizontalabdichtung nicht erfoderlich. Hier war die Feuchteproblematik mithilfe einer ver­tikalen Innenabdichtung ­(Remmers Dichtspachtel und Sulfat­exschlämme) zu lösen. Zusätzlich wurden noch Vertikalinjektionen eingebracht.
Nach Fertigstellung der horizontalen Abdichtung wurde eine Innenabdichtung vollflächig auf den Kelleraußenwänden aufgeputzt, indem nach Ausgleich des Mauerwerks im Fugenbereich und entsprechender Nivellierung in der Fläche ­eine zement­gebundene, starre Dich­tungs­schlämme aufgebracht ­wurde. Nach der Schlämmenabdichtung wurde ein volldeckender Spritzbewurf ausgeführt, der frisch in frisch auf eine weitere Schlämme aufgeworfen ­wurde. Er diente als Haftbrücke für den nachfolgenden Putz. Der letzte Putz wurde als sorp­tions­fähiger, poröser Wandbelag ausgeführt. Wegen der festgestellten Versalzung kam nur ein Sanierputz WTA infrage. Die Putzdicke musste 20 mm betragen. Zuletzt wurde der Putz mit einer diffusionsfähigen Sanierputzfarbe beschichtet.
Der stark beschädigte Haussockel außen wurde bis zu einer Höhe von 50 cm abgeschlagen und das Mauerwerk freigelegt. Das inhomogene Mauerwerk wurde dann abgeschliffen. Danach ­wurde auch hier in Abstimmung mit der Horizontalinjektion in der Kellerwand eine zementgebundene, starre Dichtungsschlämme aufgetragen. Stellenweise musste als Untergrund für die Schlämme ein Wandausgleich mit ­einem system­gerechten Grundputz erfolgen. Schließlich wurde ein volldeckender Spritzbewurf als Haftbrücke für den nachfolgenden Putz auf den Haussockel aufgetragen. Dieser Putz wurde wieder als Sanierputz WTA ausgeführt. Die Putzdicke wurde an den Altbestand im Sockelbereich ange­glichen. Zum ­Gehweg hin wurde ein Kellenschnitt in den Sockelputz ausgeführt, um andringendes Regen­wasser nicht in den Haussockel ­gelangen zu lassen. Zum Schluss wurde der Haussockel farblich mithilfe einer Silikonharzfarbe an die in der Gebäudeabfolge vorhandene Sockelfarbe angeglichen.
     

Literatur
KBB-Untersuchungsbericht Nr. 384/ 2012. Kompetenzzentrum Bautenschutz und Bausanierung Prof. Dr. ­Helmut ­Weber GmbH, Ebersberg 2012. Josef Maier, Handbuch Historisches Mauerwerk, ­Untersuchungsmethoden und Instand­setzungsverfahren, 2. Auf­lage, Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2012.

Abbildungen: Dr. Maier                                                                                                                             Ausgabe: 12/2013

  1. Maier_1 Ausbau und Fassade - Keller richtig sanieren
  2. Maier_10 Ausbau und Fassade - Keller richtig sanieren
  3. Maier_2 Ausbau und Fassade - Keller richtig sanieren
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