01. Januar 2016

Bei Hochwasser Schimmelgefahr

Hochwasser_1 Ausbau und Fassade - Bei Hochwasser Schimmelgefahr

Fehlerhafte Sanierungen nach Hochwasser gefährden die Gesundheit der Betroffenen und verursachen enorme Folgekosten. Eine mikro-biolo­gische Bestandsaufnahme vor der ­Sanierung kann hilfreiche ­Erkenntnisse liefern.

Unzählige Haushalte, Unternehmen und Organisationen wurden Opfer der jüngs­ten Hochwasserkatastrophe im Mai/Juni dieses Jahres. Nasse Keller, feuchte oder in vielen Fällen sogar durchnässte Hauswände, Fußböden und Möbel sind die Folge der Überschwemmungen. Zunächst scheinen für viele ­Betroffene die Probleme mit dem Rückgang des Hochwassers, den abgeschlossenen Reinigungsarbeiten und scheinbar wirkungsvollen Schönheits­reparaturen gelöst. Doch häufig können trotz der Nutzung von Bautrocknungsgeräten Wände und Böden nicht schnell genug durchtrocknen.
Feuchtigkeit ist jedoch die Grundlage für das Wachstum von gesundheits­gefährdenden Schimmelpilzen und Bakterien. Dabei benötigen diese keine Nässe – ausreichend ist schon eine ­gewisse Materialfeuchte. Innerhalb ­weniger Tage bilden sich diese Mikro­organismen, wenn sie nicht schon ­direkt durch verschmutztes (Hoch-) Wasser eingetragen wurden.

Spitze des Eisberges
Besonders problematisch sind dabei schwer einsehbare Hohlräume, in die das Wasser eindringen konnte, wie beispielsweise bei Installationsleitungen oder auch unter dem Estrich. Die Trocknung kann hier Monate dauern. »Sichtbarer Schimmel ist häufig nur die ­Spitze des Eisberges«, warnt Dr. Gerhard Führer, öffentlich bestellter und ver­eidigter Sachverständiger für Schadstoffe in Innenräumen. »Regelmäßig  sind diese offensichtlichen Schäden mit verdeckten, nicht-sichtbaren mikrobiellen Belastungen vergesellschaftet, die weitaus gefährlicher sind.« Denn obwohl die für viele Schimmelpilzarten typischen grau-schwarzen Verfärbungen mit pelzigen Strukturen an den Oberflächen (noch) gar nicht zu sehen sind, liegt ein massives Schimmelpilz- oder Bakterienproblem vor. »Gerade dann, wenn Feuchtigkeit beispielsweise in die nicht einsehbare Dämmebene der Fußbodenkonstruktion gelangt, führt dies dort innerhalb weniger Tage zu ­einer mikrobiellen Aktivität«, weiß Dr. Führer. »Feuchtigkeit ist nun mal die Grundvoraussetzung für jedes Schimmelpilz- und Bakterienwachstum«, so der Experte.

Mikrobiologische Bestandsaufnahme
Schimmelpilze können krank machen, das belegen viele Studien. Häufig treten gesundheitliche Beschwerden wie Atemwegserkrankungen, allergische und asthmatische Reaktionen, Kopfschmerzen, Müdigkeit und erhöhte ­Infektanfälligkeit auf. Eine sachgerechte Sanierung ist daher dringend nötig. Doch hier ist Vorsicht geboten. Experten gehen davon aus, dass bundesweit mindestens jede zweite Sanierung bei einer Schimmelpilzbelastung nicht fachgerecht ausgeführt wird und daher erneut saniert werden muss. So das Ergebnis einer Expertenbefragung im Rahmen des 3. Würzburger Schimmelpilz Forums im März dieses Jahres. Dreiviertel der Befragten gehen sogar davon aus, dass 70 Prozent der Sanierungen fehlerhaft sind. Die Hauptgründe hierfür liegen im mangelhaften Wissen der ausführenden Unternehmen und in der Tatsache, dass die Schäden im Vorfeld nicht korrekt eingeschätzt beziehungsweise begutachtet wurden. Darin sind sich immerhin 83 Prozent der befragten Architekten, Bausachverständigen, Bau- und Sanierungsunternehmer sowie Juristen einig. Enorme Folgekosten für die ­Sanierung der Sanierung und eine ­erneute Minderung der Lebensqualität der Bewohner sind die Folge. Das sind Kosten und Unannehmlichkeiten, die unbedingt vermeidbar wären, weiß Dr. Führer, Leiter des unterfränkischen ­Instituts Peridomus.
Eine mikrobiolo­gische Bestandsauf­nahme vor der ­Sanierung würde wich­tige Erkenntnisse liefern, Hinweise auf die auszuführenden Arbeiten geben und so letztlich ­einer Folgesanierung vorbeugen. Doch gemäß der Experten­befragung findet derzeit höchstens bei zehn Prozent der zu sanierenden ­Gebäude im Vorfeld ­eine mikrobiolo­gische Bestandsauf­nahme statt.

Fachgutachter zu Rate ziehen
Dr. Gerhard Führer ist spezialisiert auf Schimmelpilzbelastungen und kennt die Problematik der Betroffenen sehr gut. Häufig ist im Vorfeld einer Folgesanierung der Rat seines Instituts gefragt. »50000 Euro oder mehr sind für eine fachgerechte Sanierung beispielsweise von Fußbodenkonstruktionen keine Seltenheit«, berichtet Führer.
Er empfiehlt daher bereits im Vorfeld der Erstsanierung einen Fachgutachter zu Rate zu ziehen, der sich auf Schimmelpilzbelas­tungen oder Schadstoffe spezialisiert hat, denn diese verfügen über das fachspezifische Know-how, das bei derart komplexen Sachverhalten erforderlich ist. Oftmals werden im ­Expertengespräch auch wertvolle Tipps und ­kostengünstige Sanierungsalter­nativen aufgezeigt, wie beispielsweise bei der Sanierung der Dämmebene von Fuß­böden. Hier kann der Einsatz eines diffusionsoffenen Estrichfugensystems den kosten- und zeitintensiven ­Komplettrückbau der gesamten Fuß­bodenkonstruktion ersetzen.

@www.peridomus.de

Abbildungen: 1: Pixelio/Luise; 2+3: Peridomus                                                                                     Ausgabe: Sonderheft/2013

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