01. Januar 2016

Instandsetzung nach Feuerschaden

Tubag_Kirche-2 Ausbau und Fassade - Instandsetzung nach Feuerschaden

Vor vier Jahren hat ein Brand den Dach- und Turmbereich der St. Josefskirche in
St. Ingbert zerstört. Zwei Stuckateurbetriebe besorgten die wichtigen Putzarbeiten.
Die Suche nach den ­passenden Strategien für den Wiederaufbau erforderte viel Zeit.
Das Ergebnis ist eine speziell auf die geschädigte Bausubstanz abgestimmte Sanierung.

Die Wiederherstellungsarbeiten an der St. Josefskirche im saarländischen St. Ingbert waren im Juli 2007 weit vo­rangekommen. Bereits vier Jahre zuvor wurde die Kirchenschiff-Dachkonstruktion durch Zimmerleute an vielen ­Stellen verstärkt und instand gesetzt. Das gesamte Kirchenschiffdach wurde damals mit einem neuen Schieferbelag eingedeckt. Im Jahr 2006 wurde eine neue Heizung eingebaut. Ein Jahr später stand man am Beginn des zweiten Bauabschnitts: der Sanierung des Glockenturms. Dazu war der komplette Turm bis zum Turmkreuz bereits eingerüstet. Die Abnahme des Turmgerüstes durch die Gerüststatiker wurde am Morgen des 17. Juli 2007 durchgeführt.
Am gleichen Tag hatte der zuständige Architekt Klaus Daub vom ortsan­sässigen Planungsbüro Michaeli zu ­einem Pressetermin geladen. Die ­Zimmerleute sollten eine Zeitkapsel aus der Spitze des Vierungsturms bergen. Noch während Daub am Fuße der ­Kirche mit den Pressevertretern sprach, brach oben ein Feuer aus. Es zerstörte das gesamte Dach der Kirche. Auch der Vierungsturm und der obere Teil des Glockenturms waren nicht mehr zu ­retten. Mit viel Glück im Unglück ­konnten sich alle Handwerker vor dem Feuer in Sicherheit bringen. Einen Großteil der erzielten Sanierungsfortschritte machte der Brand in weniger als zwei Stunden wieder zunichte. Für die ­Kirchengemeinde und das Planungsbüro Michaeli hieß das: noch einmal von ­vorne starten.

Feuerwehr legt Grundstein
Ende Dezember 2008 stand das abgebrannte Dach wieder. Und im Oktober 2010, mehr als drei Jahre nach dem Brand, feierte die Kirchengemeinde Richtfest für den Hauptturm. Im ­Sommer 2012 sollen dann die Arbeiten im Außenbereich weitgehend abgeschlossen sein.
Den ersten Grundstein für den erfolg­reichen Wiederaufbau legte die Feuerwehr – und zwar durch einen sehr umsichtigen Löscheinsatz. So blieben die Wasserschäden gering und ein Großteil des Gebäudes konnte gerettet werden. Die das Kirchenschiff überspannenden Gewölbekappen blieben von der völligen Zerstörung verschont, obwohl der ­darüber liegende Dachstuhl komplett ausbrannte. Durch die laufenden Sanierungsarbeiten war der Turm noch mit einem Gerüst eingekleidet, das während des Brandes zu einem Metallknäuel verschmolz. Es konnte nur mit größter Mühe wieder aufgetrennt und abgebaut werden. Allerdings gab das verschmolzene Gerüst auch Halt. Es verhinderte, dass der obere Teil des Glockenturms auf die Ruinen des Kirchendachs stürzte. Damit rettete es die Gewölbekappen unterhalb der abgebrannten Dachkons­truktion vor dem Einsturz. Insgesamt mussten in mühsamer Kleinarbeit an die 88 Tonnen Brandschutt von den ­Gewölben und aus dem Turm entfernt werden, bevor der eigentliche Rückbau der ­beschädigten Mauerwerk-, Gewölbe- und Wandbereiche beginnen konnte.

Neuer Putz für die Gewölbekappen
Der Brand hatte die insgesamt fünf ­Gewölbekappen über dem Kirchenschiff stark in Mitleidenschaft gezogen, aber letztlich nicht komplett zerstört. Die einzelnen Kuppeln wurden ursprünglich aus Sandsteinrippen und dazwischen liegenden Schichten aus Bimssteinen errichtet. An den Stellen, die komplett neu, aber originalgetreu, wiederauf­gebaut werden sollten, erschwerte das die Arbeit deutlich. Eine Fläche von ­ungefähr 70 m² musste ergänzt werden. Die übrige Gesamtkonstruktion aus Sandstein und Bims war nach dem Brand jedoch noch tragfähig, auch wenn die Oberfläche des Bimses ange-griffen war.
Das Planungsbüro Michaeli stand vor der Aufgabe, dem Gewölbe wieder einen sicheren Halt zu geben und vorhandene Risse kraftschlüssig zu verpressen. ­Martin Sauder vom Institut für Bau­stoffuntersuchung und Sanierungs­planung (IBS), Saarbrücken, führte die entsprechenden Untersuchungen und Versuche für das Verpressen der Gewölberisse durch.

Schneckenpumpe im Einsatz
Hierzu musste für das stark geschädigte Gewölbe zunächst eine passende Technik entwickelt werden, da sich schnell herausstellte, dass ein Verpressen von Hand nicht den gewünschten Erfolg brachte. Nachkontrollen durch Bohrkernproben zeigten, dass sich das von Hand eingebrachte Verfüllgut nur ­ungenügend in den Gewölberissen ver-teilte und sie somit nicht aus­reichend stabilisieren konnte. Statt­dessen wurde das trasskalkgebundene Verfüllmaterial mit einer Schneckenpumpe unter geringem Druck über die vorher eingesetzten Verfüllrohre eingebracht.
Die bis zur Außenseite des ­Gewölbes durchgehenden Risse wurden vor dem Verfüllen durch das Einbringen eines natürlichen-hydraulisch kalkgebundenen (NHL) Mörtels in der Festigkeitsklasse M 2,5 verdämmt.

70 Tage Standzeit
Nach der Stabilisierung der Gewölbe kam ein zweilagig aufgebrachter, trass-kalkgebundener Leichtputz auf der Oberseite der Kappen zum Einsatz. ­Dieser Putz wurde in seinen Eigenschaften speziell für den vorbelasteten Steinuntergrund konfektioniert und sowohl auf die Rohdichte als auch auf den ­Elastizitätsmodul des »Bimsschwemmsteins« angepasst. Die Abstimmung ­erfolgte gemeinsam mit dem Institut für Steinkonservierung in Mainz (IFS), dem IBS und dem Gewölbestatiker. Das rein mineralische, angepasste Produkt wurde von Tubag, einer Marke der Quick-mix Gruppe, hergestellt. Der Putz wurde zweilagig mit jeweils 1,5 cm Dicke pro Schickt aufgebracht.
Der zweilagige Auftrag erforderte eine entsprechende Standzeit. Es dauerte zirka 70 Tage, bis die Druckfestigkeit von 2 N/mm² erreicht war und somit auch der Putz zur zusätzlichen Gewöl­be­stabilisierung beitragen konnte.

Eigenwilliger Untergrund
Um die Anforderungen an den ­Gewölbe- und den Wandputz im ­Inneren richtig einschätzen zu können, galt es zunächst, die zukünftig zu ­erwartenden Klimabedingungen im ­Gewölbebereich herauszufinden und zu testen. Mit dem Ziel, möglichst geringe Klimaschwankungen und -extreme zu gewährleisten, arbeiteten die Mit­arbeiter des Planungsbüros Michaeli mit Dr. Claus Ahrend, dem »Klima-Spezialis­ten« für historische Gebäude aus ­München, und Heinrich Hartmann, dem Diözesanbaumeister des Bischöflichen Bauamtes Speyer, eng zusammen. Sie entschieden sich dafür, die Gewölbe­kappen zusätzlich durch eine »Klimapufferung« zu schützen.
Dafür ließen sie das komplette Gewölbe zum Dach hin mit einer dämmenden Holzkonstruktion aus einem 5 cm dicken Bohlenbelag eindecken. Entsprechend existieren im Inneren des Dachs zwei Klimazonen, eine direkt unter dem Dach und eine zweite innerhalb des ­Klimapuffers. Zwischen beiden Zonen beträgt der Unterschied im Sommer wie im Winter ungefähr sechs bis sieben Grad Celsius. Dazu kommt der Tempe­raturunterschied zwischen innen und außen, für den das Dach selbst sorgt. So werden Extremwerte abgemildert und eine Kondensat-Bildung auf der Gewölbeinnenseite deutlich reduziert. Ob sie durch diese Maßnahme ganz ausgeschaltet werden kann, bleibt abzuwarten.

Richtige Farbmischung als Problem
Um verlässliche Daten für die Anforderungen des Putzes im Kircheninneren auf den zuvor geschilderten Gewölbeflächen zu gewinnen, wurde das Temperaturverhalten im Inneren über zwei Winter- und eine Sommerperiode gemessen. Aufgrund der gewonnenen ­Daten und Erkenntnisse wurde als Grundputz ein natürlich-hydraulisch kalkgebundener Putz zur Maschinenverarbeitung aus dem Hause Tubag ausgewählt, um die Putzflächen im Gewölbe sowie im Wandbereich zu ergänzen. Über die technischen Anforderungen an den Grundputz hinaus stellte sich aber eine weitere Aufgabe: Als besonders kompliziert erwies sich die richtige Farbmischung für den Feinputz der ­Bögen und der Gewölbekappen.
Dr. Petra Egloffstein vom IFS und der Putzhersteller legten an die 25 Muster an, bevor in Abstimmung mit der ­Restauratorin Karen Keller die Idealfarbe gefunden war. Der Untergrund erwies sich als sehr »eigenwillig«, so dass die Muster zunächst immer wieder anders aussahen als erwartet. Schließlich ­gelang es jedoch, sich an die optimale Mischung heranzutasten. Ein wichtiger Aspekt bei der Farbwahl war der Wunsch, später eventuell auftretende Verfärbungen durch den hohen Salz­gehalt im Gestein des Gewölbes (Bimsstein) möglichst wenig und wenn ohne Schäden hervortreten zu lassen. Versuche, das Gewölbe mit Kompressen zu entsalzen, brachten nur ein unbefriedigendes Ergebnis, deshalb entschlossen sich die Experten zu dieser pragma­tischen Herangehensweise.

Einsatz von Trass-Kalk-Zementputz
Nicht in allen Bereichen der Gewölbe und der Innenwandflächen konnte der vorhandene Putz entfernt werden. ­Besonders im Gewölbebereich trug er zur zusätzlichen Stabilität bei. In diesen Bereichen wurde der vorhandene Wandputz nur gereinigt, das heißt: die Farbe durch Abstrahlen entfernt.
Die gesamten Innenflächen des ­Kirchenschiffes wurden dann mit einem Feinputz überputzt. Dabei kam ein Trass-Kalk-Zementputz zum Einsatz, der durch die Zugabe von Titandioxid zusätzlich im Weißegrad hervorgehoben war. Dieses Putzmaterial war auf die Festigkeit des darunterliegenden Grundputzes abgestimmt. Das galt ­sowohl für die Altputzflächen als auch für die Neuputzflächen auf NHL-Basis. Die Auswahl dieses Putzsystems ergab sich aus der starken Salzbelastung im Untergrund, denn diese war noch nicht vollständig zur Ruhe gekommen. Das brachte die Gefahr mit sich, dass eine ebenfalls NHL-gebundene Feinputzschicht in ­kurzer Zeit oberflächlich ­hätte zerstört werden können.

Die Innenwände der Kirche
Insgesamt betrug die Putzfläche im ­Gewölbe zirka 1400 m² und an den ­Innenwänden der Kirche noch einmal 1200 m². Auf der stärker feuchtigkeitsbelasteten Westseite zur Stadt hin ­wurde ein Trass-Kalk-Sanierputz nach WTA von Tubag als Grundputz eingesetzt. Ebenso auf der gegenüberliegenden Seite bis hinauf zu den Fenstersohlbänken. Dort zeigte sich ebenfalls eine verstärkte Feuchtigkeitsbelastung. Der Sanierputz verfügt über eine hohe Salzaufnahme und Sulfatbeständigkeit.
Er erlaubt ein gutes Abtrocknen der ­Mauerwerksfeuchtigkeit und eignet sich damit besonders für die feuchten und salzhaltigen Bereiche der Innenwände von St. Josef. Die darüberliegenden und die verbleibenden Flächen bekamen den zuvor beschriebenen NHL-Grundputz. Im Gegensatz zum Gewölbe ließ Architekt Klaus Daub den alten Putz an allen Innenwänden komplett entfernen. Er diente im Nachhinein also als Opferputz, der einen Teil des Salzes, das aus dem ­Gestein an die Oberfläche gewandert war, mit sich nahm.

Flecken auf den Mustern
Entsprechend der anfänglichen Planung sollte an den Innenwänden ein weißer Farbanstrich aufgebracht werden. Leider führten die Tests aber zu keinem ­opti­malen Ergebnis. Wieder erwies sich das Mauerwerk als sehr eigensinnig. Bei ­allen Mustern bildeten sich alsbald Flecken. Bauherr und Planer einigten sich deswegen darauf, den Putz im ­Inneren ohne Farbanstrich einzusetzen. Damit wäre die Oberfläche zwar nicht ganz so brillant, wie zunächst gewünscht ­geworden, aber langfristig ­weniger fehleranfällig gewesen. Diese Entscheidung wurde durch die Restau-ratoren und das Landesdenkmalamt ­allerdings wieder zurückgenommen, so dass lediglich die Gewölbesegel keinen Anstrich erhielten. Die grundlegenden Putz-Arbeiten waren damit erledigt, viele andere Arbeiten standen aber noch an. Die Restauratorinnen und Restauratoren waren nun gefragt. Alte Malereien auf den Sandsteinbögen mussten genauso wiederhergestellt werden wie die bleiver­glasten Fenster im Altarbereich.

Verantwortungsvolles Vorgehen
Architekt Klaus Daub zieht ein erstes Fazit der umfangreichen Arbeiten, von denen Gewölbe- und Innenwandputz einen wichtigen Teil ausmachten: »Alle Beteiligten haben ein enormes Wissen aufgebaut. Doch jedes historische ­Gebäude erfordert einen speziellen ­Lösungsansatz, der je nach Problem­stellung erst mit Wissenschaftlern erarbeitet werden muss.« Und noch etwas betont der Planungsleiter: »Ein verantwortungsvolles Vorgehen benötigt einen entsprechenden Zeitrahmen. Für besondere Problemstellungen können nur mithilfe von entsprechenden Versuchen und Proben passende Lösungen gefunden werden. Hier geht es darum, den Bauherrn von der Wichtigkeit einer gründlichen Arbeit zu überzeugen. Alte, originalgetreue Werkstoffe benötigen entsprechende Zeitabläufe.«
Besonders wichtig ist es nach Meinung von Daub, auch für den Rückbau eine entsprechende Zeit einzuplanen. Gerade in schwierigen Fällen wie nach einem Brand würde der Zeitaufwand oft ­unterschätzt. Mit der Ausführung der Putzarbeiten durch die beiden beteiligten Betriebe Burgard und Heib ist Klaus Daub vollauf zufrieden. Er ist sich sicher, dass solche herausfordernden Projekte gut für das Handwerk insgesamt sind: »Sie helfen die Leistungsfähigkeit der Fachhandwerker zu bewahren.«

Abbildungen: 1-5, 7-9: Tubag, Kruft und Planungsbüro Michali, St. Ingbert-Rohrbach                        Ausgabe: 7-8/2012

  1. Tubag_Kirche-1 Ausbau und Fassade - Instandsetzung nach Feuerschaden
  2. Tubag_Kirche-2 Ausbau und Fassade - Instandsetzung nach Feuerschaden
  3. Tubag_Kirche-3 Ausbau und Fassade - Instandsetzung nach Feuerschaden
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