10. Juli 2017

Drei Generationen lernen dazu

Bildungsfahrt der Stuckateurklasse der Bau-Innung Augsburg
Fotos: Rost/Höck

Die Stuckateurklasse der Bau-Innung Augsburg unternahm im Januar 2017 eine Bildungsfahrt in die Residenz München. Die Restaurierung und die Herstellung von edlem Stuckmarmor standen dabei im Vordergrund.

Aufgrund laufender Sanierungsarbeiten kann der Königsbau (Appartements des Königspaares, ­Nibelungensäle) derzeit nicht besichtigt werden.« So steht es auf der Internetseite der Residenz München geschrieben. 2013 hat der Bayerische Landtag für die Sanierung die Mittel freigegeben. Ab 2018 kann der Königsbau, dann wieder – wie schon bei seiner Errichtung von König Ludwig I. von Bayern vorgesehen – besichtigt werden.

Als König Ludwig I. Anfang des 19. Jahrhunderts den Thron bestieg, gab er kurze Zeit später den Königsbau in Auftrag. Der Architekt war Leo von Klenze (einer der bedeutendsten Vertreter des Klassizismus in München), der die Appartements und die Säle nach dem Vorbild der italienischen Renaissance entwarf. Von Klenze beauftragte für diese anspruchsvolle Arbeit Stuckateure aus Italien. ­Sowohl die Appartements als auch die Nibelungensäle, die »vor dem Auge des Volkes liegen«, konnten schon zu Lebzeiten des Königs vom Volk besichtigt werden.

Prachtvolle Wände mit Stuckmarmor

Die Nibelungensäle setzen sich aus fünf Räumen zusammen, die Szenen aus dem Nibelungenlied darstellen. So wurde die Decke des »Saals der Rache« zum Beispiel mit Kriemhilds Tod illustriert. Die Aufarbeitung der Fresken ist aber nur ein Teil der umfangreichen Sanierung, die im Königsbau durchgeführt werden. Der andere Teil ist die Restaurierung der mit Stuckmarmor verkleideten Wände und Decken.

Die Restaurierung dieser Stuckmarmorverkleidung veranlasste die Stuckateurklasse der Bau-Innung Augsburg, sowie einige Stuckateurmeister dazu, den Königsbau der Residenz München zu besichtigen, um einiges über die Herstellung und Restaurierung von Stuckmarmor zu lernen. Die Stuckateurlehrlinge wurden vom Stuckateurmeister Herbert Haug (Friesenried) durch den Königsbau geführt.

Schadensanalyse

Bei der Führung wurden restaurierte Flächen aufgezeigt und erklärt, aus welchen Gründen dort ausgebessert werden musste. Häufig war Feuchtigkeitseintritt und -stauung, sowie die (stellenweise) daraus resultierenden Salzausblühungen eine Schadensursache. Ein weiterer Grund für Ausbesserungen war und ist die Rissbildung aus statischen Gründen (zum Beispiel an den Scheitelpunkten der großen Bogenfenster) und vorangegangene fehlerhafte (falsches Material, falsche Farbgebung usw.) Ausbesserungen. Wassergeschädigte Bereiche wurden mit der sogenannten Würzburger Trockenkompresse behandelt.

Herbert Haug zeigte dann anhand einer Stuckmarmorplatte, wie viele Schritte es bis zu dem glänzenden Stuckmarmor sind, den man kennt. So erklärte er, dass es schon wichtig sei, wie das Leimwasser angerührt wird, damit der Knochenleim nicht geliert. Außerdem müsse die genaue Menge an Farbpigmenten im Stuckmarmorbestand ermittelt werden. Das Muster (Äderung, Konglomerate, Verläufe) des neuen Stuck- marmors werde dann nahezu perfekt an das Muster des Bestands angepasst.

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