01. Januar 2016

Ein Haus mit Charakter

Ardex_bibliothek_1 Ausbau und Fassade - Ein Haus mit Charakter

In Stuttgarts neuer Stadtbibliothek schlägt ein weißes Herz. Es handelt sich dabei um ­einen reinweiß gestalteten Kubus, der sich über insgesamt vier Etagen streckt. Auf knapp 1000 Quadratmetern Wandfläche kam ein besonderer Dekorspachtel zur Verwendung.

 

Architektonisch gesehen ist er ein absoluter ­Solitär: der Neubau der Stadtbibliothek in Stuttgart. Das würfelförmige Gebäude begeistert gleichermaßen mit seinem außergewöhnlichen Konzept wie mit seiner einzigartigen Architektur. Was tagsüber als herausragender Glaskubus im neuen Europaviertel erstrahlt, erleuchtet nachts die Fassade eindrucksvoll in weicher Eleganz. Das zentrale Element im Inneren ist das sogenannte »Herz« der Bibliothek. Der vollkommen leere, sich über vier Geschosse erstre­ckende Raum präsentiert sich wie aus ­einem Guss.
Die klare, fast fugenlose Oberflächen­gestaltung an Wand und Boden reflektiert den Anspruch der ­hohen architektonischen Qualität. Die charakteristische Wirkung des Raumes wurde durch ein besonders hochwer­tiges Materialkonzept erzielt.

Charakteristische Würfelform
»Es ist ein Haus mit Charakter, an dem man sich reiben kann«, begründete die Wettbewerbsjury seinerzeit ihre Entscheidung. Der koreanische Architekt Eun Young Yi konzipierte die neue Stadtbibliothek am Mailänder Platz als freistehenden, gläsernen Würfel – ­architektonisch und technisch kompakt gegliedert. Das von vier Seiten begeh­bare Gebäude erstreckt sich über neun oberirdische sowie zwei unterirdische Geschosse und bietet auf über 11500 Quadratmetern Platz für mehr als eine halbe ­Million Bücher und Medien. Die Gebäudehülle ist als Doppelfassade aus Glasbausteinen in hellen Sichtbeton­rahmen mit innerer Glasfassade aus­gestaltet. Die schlichte und einfache Würfelform unterstreicht die öffentliche Bedeutung des Hauses.
Im Zentrum des Gebäudes befindet sich das sogenannte »Herz«: ein Ort der Vertiefung und zugleich ein Ruhepol für die Besucher in einer immer hektischer werdenden Außenwelt. Der 15 Meter hohe, vollkommen leere Raum, der sich über vier Etagen streckt, ist das Kernstück dieser Bibliothek. Die Idee dahinter war ein geordneter, absolut geometrischer, reinweißer Raum, der sich als vollkommener Kubus präsentiert. Beleuchtet wird er durch ein ­zentrales Oberlicht, durch die er seine meditative Ausrichtung erhält. Um die charakteristische Wirkung des Raumes zu erzielen, setzten die Architekten mit »Pandomo« von Ardex auf ein hochwertiges Materialkonzept. Es handelt sich um ein monolithisches System zur fugenlosen, individuellen Oberflächengestaltung.
Ziel war es, im Raum ein optisches ­Kontinuum an Boden, Wand und Decke mit absolut homogenen und in ihrer Wirkung bewusst klaren, schlichten Flächen zu erzielen. Entstanden sind auf über 1000 Quadratmetern vollkommen einheitlich gestaltete, reinweiße Wand- und Bodenflächen mit einer farblich ­akkurat eingebundenen Schallschutzdecke. Die nahezu fugenlose Flächigkeit intensiviert das prägende Raumerlebnis.

Über acht Gerüstlagen die Wand hinab
Die Umsetzung an den Wänden erforderte von den Mitarbeitern des Maler- und Gipserbetriebs Raisch aus Pfalz­grafenweiler viel Erfahrung und handwerkliches Geschick. Allein die schiere Größe der Wandflächen von 15 x 15 m über vier Stockwerke ist beeindruckend. Im ersten Schritt mussten die Raisch-Mitarbeiter den Rohbau flucht- und winkelgerecht akkurat verputzen, um die gewünschte Kubus-Geometrie im Raum sauber herzustellen. Auf dem sorgfältig vorbereiteten Untergrund ­erfolgte der Auftrag von Pandomo W1, einem Dekorspachtel auf zementärer Basis, der durch seinen Oberflächenglanz und seine Festigkeit überzeugt.
Entsprechend dem vorgegebenen Farbkonzept wurde das Material direkt aus dem Sack in Reinweiß angemischt und mit Kelle und Traufel aufgespachtelt. Ganz ohne Pause auf großer Fläche, ­immer »frisch in frisch«, um so sichtbare Ansätze gleich auszuschließen.

Schneller Rhythmus
Die einzelnen Kellenschwünge blieben dabei bewusst erhalten und verleihen dem Raum seine individuelle Handschrift. Auf der obersten Gerüstlage an der Wand wurde jeweils begonnen, in der Regel mit sechs Leuten nebeneinander, und dann ging es über acht Gerüstlagen 15 Meter nach unten. Und während sich die einen Kollegen hinab­arbei­teten, ­begannen andere bereits wieder oben mit dem Filzen und Nachglätten des Materials. So wuchs das Team zu einer Einheit mit einem ein­gespielten, schnellen Rhythmus. Jeweils am zweiten Tag wurden dann die entsprechenden Wandflächen poliert und mit Steinöl imprägniert. Dabei sorgt die ­Politur für die matt glänzenden, homogenen Oberflächen.

Einzigartiges Gestaltungskonzept
In nur acht Tagen war der gesamte ­Kubus mit seinen knapp 1000 Quadratmetern Wandfläche fertiggestellt. Im abschließenden »Feintuning« mussten dann nur noch die ausstehenden Fens­terleibungen eingebunden werden. Für den durchgängigen Anschluss am Boden sorgten die Spezialisten der Firma Otto Aman mit »Pandomo Terrazzo Micro«. Gleichermaßen in reinweiß und nahezu fugenlos auf über 200 Quadratmetern verlegt, vermittelt der Boden den Eindruck einer gewachsenen Steinplatte. ­
So entstand im System durch die Gleichbehandlung aller Oberflächen von Boden, Wand und Decke ein Raumkon­tinuum als einzigartiges Gestaltungskonzept. 

Abbildungen: Ardex                                                                                                            Ausgabe: 1/2013

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