18. Juni 2010

Neues Kompetenzzentrum für integrale Fassadenentwicklung


Wolfgang Priedemann, Wolfgang Feuerlein und Lars Anders, die drei Gesellschafter des neu eröffneten Facade-Lab in Großbeeren bei Berlin, mit dem Geschäftsführer des Partnerunternehmens Progeo, Andreas Rödel. (Foto: Facade-Lab/Mike Jentsch)
Höher, weiter, schneller: Immer komplexere internationale Großbauprojekte mit starkem Qualitäts-, Termin- und Kostendruck lassen die Anforderungen an die Bauplanung und -ausführung stetig steigen. Besonders die Gebäudehülle mit ihren vielfältigen Funktionen als repräsentatives »Gesicht« eines Gebäudes, als Schutz vor den klimatischen Umweltbedingungen sowie als Belichtungs- und Belüftungselement schafft ein Aufgabenfeld, das längst nicht mehr ohne hochqualifizierte Spezialisten auskommt. Mit der Gründung des am 11. Juni eröffneten Entwicklungs- und Forschungszentrums Facade-Lab in Großbeeren bei Berlin will das Unternehmen Priedemann Fassadenberatung den technologischen Fortschritt in diesem Segment vorantreiben und die Verknüpfung von Entwurf, Planung, Ausführung und Bewirtschaftung optimieren. Unter dem Motto »Experience Sustainable Technology« werden Entwicklung und Anwendung neuester Fassadenlösungen erlebbar gemacht.


Als international erfolgreiches Ingenieurbüro für Fassadenberatung und -planung sieht das Unternehmen großes Potenzial in der Vereinigung von spezialisiertem Ingenieurwissen und Kompetenzen in der elektronischen Datenverarbeitung. Zentrales Thema des Facade-Lab ist »Intelligent Facade Engineering« (IFE), ein virtuelles, integriertes Verfahren zur optimierten Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Fassadenkonstruktionen nach der Methode des »Building Information Modelling« (BIM). Dabei werden alle relevanten Informationen in einer digitalen Datenbank hinterlegt und zu einem virtuellen, bauteilorientierten 3D-Fassadenmodell vernetzt. Dieses enthält nicht nur die Geometrie der einzelnen Bauteile, sondern auch Sachdaten wie Kosten, Primärenergieaufwand und Kapazitätsvorgaben. Das parametrische Volumenmodell dient der Generierung von Daten für die Ausführungs- und Werkplanung, für Bestell- und Materiallisten bis hin zur Ansteuerung von CNC‑Fertigungsautomaten. So lassen sich beispielsweise bereits im frühen Planungsstadium Prototypen und 1:1-Musterfassaden (Mock-Ups) für die Qualitätssicherung von Gebäuden erstellen.


Optimierter Planungs- und Ausführungsprozess durch »Intelligent Facade Engineering« (IFE)
Verglichen mit der klassischen Bauplanung, bei der Planungsänderungen mühsam in alle Einzelzeichnungen sowie Massen- und Kostenermittlungen übertragen werden müssen, sorgt die parametrische Gebäudemodellierung für einen deutlich reduzierten Koordinierungs- und Arbeitsaufwand und verbessert den Informationsaustausch zwischen den Planungsbeteiligten. Änderungen an der Projektdatei werden automatisch mit den verknüpften Parametern abgeglichen und sind für alle Beteiligten als generierbare Zeichnungen wie Schnitte und Ansichten und auch als Datenpaket unmittelbar verfügbar. Mit IFE lassen sich effizient verschiedenste Darstellungen von Varianten und Stadien des Planungs- oder Bauprozesses inklusive der zugehörigen Daten zu Primärenergiebedarf, Mengen und Kosten sowie Projektsteuerungsabläufen erstellen, um komplexe Projekte bereits in der Planung modellbasiert zu optimieren. Nicht zuletzt überwindet IFE die durch Dateninkompatibilität oder Übertragungsfehler oft verlustreichen Schnittstellen zwischen den an Planung und Ausführung Beteiligten, indem aus dem virtuellen Fassadenmodell heraus die Daten zur Maschinenansteuerung in der Bauteilfertigung generiert und die Abläufe auf der Baustelle koordiniert werden können. Auch in der Phase der Gebäudeverwaltung durch das Facility Management liefert es konsistente Informationen zu Nutzung und Bewirtschaftung, wie beispielsweise Wartungsintervalle, Instandhaltungsanforderungen und Herstellerdaten.


Synergie-Effekte durch Verknüpfung von vier Tätigkeitsfeldern
Um das zentrale Thema IFE herum gruppiert das Facade-Lab seine vier Eckpfeiler zur Entwicklung und Markteinführung nachhaltiger Technologien rund um die Gebäudehülle.


Der Bereich »Forschung« liefert zukunftsweisende Impulse und entwickelt innovative Fassadentechnologien bis zur Marktreife.


Unter dem Stichpunkt »Realisierung« entstehen durch einen CNC-Fertigungsautomaten oder in externer Herstellung funktionale Prototypen sowie geschosshohe Mock-Ups im Maßstab 1:1.


Der »Showroom« bietet mit einer Vielzahl an Musterfassaden Fachbesuchern einen Überblick über die neuesten Materialien und Technologien in der Fassadenkonstruktion.


Das »Forum« als Veranstaltungsort zum fachlichen Austausch von Forschungs- und Entwicklungsergebnissen schließlich ist die Grundlage für die Implementierung der entwickelten Verfahren und Technologien in die nationalen und internationalen Märkte und bereichert wiederum die Forschung. Alle vier Bereiche unter dem Dach des Facade-Lab sind eng verknüpft und stimulieren sich durch vielfältige Synergie-Effekte gegenseitig.