03. Dezember 2019

Loslassen vom Lebenswerk

Foto: Kaesler Media / Fotolia.com

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Im Handwerk gibt es viele klassische Alleinunterhalter, die emotional stark mit der Firma verbunden sind. Da fällt das Loslassen aus mehreren Gründen schwer. Mit ein Grund, warum viele Chefs die Entscheidung der Nachfolge vor sich herschieben. Doch mit diesem Verhalten werden Chancen für eine erfolgreiche Übergabe vergeben.

Die familieninterne Betriebsnachfolge ist im Handwerk erste Wahl. Wenn klar ist, dass eines der Kinder die Nachfolge übernimmt, scheint eine gute Lösung gefunden. Doch Vorsicht: Wenn der Nachfolger zu lange von Führungsaufgaben ferngehalten wird oder wenn das Ausstiegsszenario des Seniors mit Langeweile verbunden wird, dann kommen die Vorwürfe: „Du bist noch nicht so weit oder Du willst ja nur nicht loslassen“. Andere Familienmitglieder werden dann in die angespannte Situation mit eingebunden. Es besteht die Gefahr, dass die Gereiztheit des Alltags keine normale Kommunikation mehr zulässt und weitere Konfliktbereiche angesteckt werden. Familienbetriebe ticken so betrachtet besonders. So auch dieser typische Handwerksbetrieb:Chef und Chefin werden in Kürze beide 60 Jahre alt. Die beiden Kinder, mittlerweile junge Erwachse, sind im Alter zwischen 24 und 28 Jahre. Die von den Großeltern übernommene Firma ist in der dritten Generation erfolgreich am Markt positioniert. Allerdings hatte der Arbeitseinsatz der letzten Jahre seinen Preis. Die Familie musste viel zu oft unter der fehlenden Präsenz des Vaters leiden. Entsprechend war die Stimmung häufig angespannt. Trotzdem hat der jüngere Sohn nach reiflicher Überlegung entschieden, als Nachfolger einzusteigen. Jetzt nach der Meisterschule wird er mit konkreten Aufgabenbereichen Schritt für Schritt aufgebaut. So der Plan. Im betrieblichen Alltag funktionieren der Betriebsübergang und die Zusammenarbeit zwischen Vater und Sohn leider nicht wie vorgesehen. Der Senior beklagt so manches Verhalten seines Sohnes. Umgekehrt nervt den Junior, zu wenig Entscheidungs- und Handlungsspielräume zu bekommen. Wichtige Informationen werden ihm vorenthalten. Der Vater argumentiert, dass dies alles zu früh und zu kompliziert wäre. Außerdem glaubt er, dass der Junior mit der einen oder anderen Aufgabe noch überfordert ist. Er soll sich langsam einarbeiten, dann wird sich alles ergeben. Tatsächlich wird der Sohn deswegen von Führungsaufgaben ferngehalten, weil der Vater nicht loslassen kann. So wird er keine eigenen Erfahrungen sammeln. Man kann sich vorstellen, dass der Junior sich nicht wirklich wertgeschätzt und verstanden fühlt. Hinzu kommt, dass sich die Mutter immer öfter zugunsten des Sohnes einbringt. Je stärker der Vater angegriffen wird, umso sturer verhält er sich und zieht sich mit seiner eingefahrenen Haltung zurück.

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