01. Januar 2016

Marketing mit sozialen Netzwerken

Netzwerke Ausbau und Fassade - Marketing mit sozialen Netzwerken

Kleinanzeigen, die Gelben Seiten und Mund-zu-Mund-Propaganda – früher war die Marketing-Welt überschaubar. Heute setzen viele Betriebe auf ­Facebook, Xing oder Google, um neue Kunden anzulocken. Können das soziale Netzwerke leisten?

Immer mehr Firmen schaffen sich eine virtuelle Präsenz in sozialen Netz­werken: In Deutschland sind bereits 47 Prozent aller kleinen und mittelstän­dischen Unternehmen auf Plattformen wie Facebook, Xing oder Google+ aktiv. Weitere 15 Prozent haben bereits ­konkrete Pläne, damit in Kürze zu ­beginnen. Das geht aus einer repräsentativen Studie des Hightech-Verbands »Bitkom« hervor. »Soziale Medien sind in vielen Unternehmen fester Bestandteil der internen und externen Kommunikation geworden«, erklärt Bitkom-Präsident Prof. Dieter Kempf. »Für den Social-Media-Einsatz werden zunehmend feste Strukturen mit spezialisierten Mitarbeitern und eigenen Budgets geschaffen.« Als wichtigstes Ziel ­nennen 82 Prozent der Unternehmen, die soziale Medien nutzen, die Steigerung ihres Bekanntheitsgrades. Für 72 Prozent steht die Gewinnung neuer Kunden im Vordergrund, für 68 Prozent die Pflege von Kundenbeziehungen. 42 Prozent der Befragten wollen ihr Image verbessern und 23 Prozent neue Mit­arbeiter gewinnen. Prof. Dieter Kempf: »Soziale Medien sind für die Unternehmen auf dem Weg vom Soll zum Muss.«

Netzwerke boomen
Doch was sind soziale Medien eigentlich? Unter diesem Sammelbegriff ­werden Internet-Plattformen verstanden, auf denen sich Nutzer kostenlos anmelden, ein eigenes Profil erstellen und ­untereinander vernetzen können. Zu den sozialen Medien zählen unter ­anderem Weblogs, Netzwerke wie Facebook, Xing und Google+, Kurznachrichtendienste wie Twitter sowie Platt­formen zum Austausch von Videos oder Fotos, wie Youtube und Flickr. Im ­Mittelpunkt steht in sozialen Medien die Kommunikation mit Gleichgesinnten, oft auch die regelmäßige Produk­tion von tagebuchartigen Einträgen. Auf vielen Plattformen lassen sich ­zudem eigene Fotos und Videos hoch­laden, die von anderen Nutzern ange­sehen und kommentiert werden ­können. Täglich findet so ein umfangreicher »sozialer Austausch« statt – und genau diesem verdanken Facebook, Xing und Co. ihren großen Erfolg.
»Soziale Netzwerke haben sich zu ­zentralen Anlaufstellen im Web entwickelt und sind wegen ihrer hohen Reichweite die mit Abstand beliebteste Plattform für Unternehmen«, erklärt Bitkom-Präsident Prof. Dieter Kempf. Die Plattform Wer-kennt-wen.de kommt aktuell auf etwa 9,6 Millionen Nutzer, das Empfehlungsnetzwerk ­Qype.com wird regelmäßig von 4,8 ­Millionen deutschen Nutzern angesteuert. Bei Qype können Kunden angemeldete Unternehmen, Produkte oder Dienstleistungen bewerten und ­einen eigenen Kommentar hinterlassen. Mit einem Mausklick auf den Button »Folge uns« lassen sich hier – ähnlich wie bei Facebook – aktuelle Neuig­keiten des jewei­ligen Unternehmens abonnieren.

Schneeball-Effekt als Anreiz
Der unangefochtene Platzhirsch ist aber Facebook: Allein auf dieser Plattform vernetzen sich mehr als 25 Millionen deutsche Anwender. Neben Personen können hier auch Unternehmen oder Organisationen mit eigenen Profilen präsent sein. Das kann sich lohnen, denn viele Millionen »Facebooker« ­nutzen diese Unternehmensseiten, um sich über Dienstleistungen und neue Produkte zu informieren. Mit einem Klick auf den »Gefällt mir«-Button ­können sie außerdem der Welt zeigen, dass sie ein »Fan« der Marke oder Firma sind. Dies wird dem eigenen Netzwerk automatisch angezeigt. Jetzt startet ein Schneeball-Effekt: Viele Kontakte des eigenen Netzwerks werden die Seite des virtuell empfohlenen Unternehmens aufrufen – oft allein aus Neugier. Und wer dann selbst den »Gefällt mir«-­Button klickt, sieht künftig alle Nachrichten des Unternehmens direkt auf der eigenen Facebook-Startseite. ­Besonders interessant: ­Auch für ein­zelne Produkte oder Kampagnen ­können auf Facebook eigene Seiten ­erstellt werden.

Nur zeitlicher Aufwand
Diese virtuelle Mund-zu-Mund-Propaganda nutzen immer mehr Unter­nehmen – auch, weil die laufenden ­Kosten niedrig sind. Investieren müssen Betriebe vor allem Zeit: für die digitale Selbstdarstellung, Kundenpflege und Kommunikation. Denn das bloße An­legen eines Profils bringt meist keinen Nutzwert – erst aus der Interaktion mit anderen Nutzern und Kunden entstehen Aufmerksamkeit und neue Marketing-Erfolge. Der Einsatz kann sich lohnen: Denn nicht selten lassen sich über ­soziale Netzwerke Kunden ansprechen, die auf anderen Wegen nie zum eigenen ­Betrieb gefunden hätten. Der ­Social-Media-Einsatz bringt Unternehmen laut Bitkom messbare Vorteile: ­eine ­schnellere Kommunikation mit Kunden, die Ansprache neuer Zielgruppen sowie die Steigerung der eigenen Marken­bekanntheit. Wenn kleine und mittelständische Unternehmen den Einsatz sozialer Medien vorantreiben, ­würden Kontakte in sozialen Netzwerken schnell Teil des alltäglichen Kunden­services. Zudem könne das Social Web genutzt werden, um neue Produkte und Dienste mit Beteiligung der Netzgemeinde zu entwickeln.

Verzicht birgt Risiken
Trotzdem sind laut Bitkom-Umfrage 38 Prozent aller Unternehmen bislang gar nicht im ­Social Web aktiv. Die Gründe sind vielfältig: Einige Unternehmen fürchteten einen Kotrollverlust, für ­andere hat ­dieses Thema im Moment keine hohe Priorität. »Manche Bedenken sind verständlich, aber auch der Verzicht auf den Einsatz sozialer Medien birgt ­Risiken«, erläutert Prof. Dieter Kempf. »Diskussionen über Marken und Pro­dukte von Unternehmen finden im ­Social Web ohnehin statt. Wer sich den sozialen Medien verschließt, verzichtet bewusst darauf, Einfluss zu nehmen.«
 
Thomas Busch,
Fachjournalist

Abbildungen: Fotolia                                                                                                           Ausgabe: 2/2013

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