04. Mai 2017

Mut zum Weglassen

Auf die richtige Balance kommt es an
Foto: Fotolia

Besser und anders muss nicht immer mehr sein. Fast schon reflexartig werden neue ­Produkte und Dienstleistungen ins Angebot aufgenommen, neue Projekte installiert und noch mehr Apps hinzugefügt. Das alles ist gut gemeint. Es mangelt nicht an Aktivität. In Wirklichkeit aber herrscht ein Defizit an Fokus. Darunter leiden die Konzentration und die Effizienz.

Der Zeitgeist, möglichst einhundert Prozent und mehr zu bieten, basiert auf der Annahme, man müsse immer noch mehr machen. Schließlich lässt sich immer noch »eine Schippe drauflegen«. Genug ist nämlich nie genug. Um mehr Umsatz zu machen, wird beispielsweise das Dienstleistungsangebot ausgebaut. Die Produktpalette wird nochmals diversifiziert. Im bereits mit Daten überfrachteten Branchenprogramm werden weitere Artikelkataloge aufgespielt. Obwohl alle schon am Anschlag sind, werden weitere Termine und Baustellen draufgesattelt. Beim Arbeitstempo geht ohnehin schon noch was. ­Man glaubt, irgendwie klappt das schon. Das alles ist mit dem verständlichen Ziel verbunden, größeren Erfolg haben zu wollen. Sinnvoll ist diese Wachstums­variante nur dann, wenn dadurch die Überlebens- und Zukunftsfähigkeit des Unternehmens verbessert wird und es den Kunden gleichermaßen hilft.

Weniger kann mehr sein

Wenn jedoch der Aufwand rund um Kundenfragen, Kalkulation, Schulungsbedarf oder Dokumentation überhand nehmen, geht der Schuss schnell nach hinten los. Die Ballastzunahme hat nämlich eine ­geringere Effizienz zur Folge. Die Fehleranfälligkeit steigt. Ganz schleichend werden die Abläufe anfäl­liger und Kunden sowie Mitarbeiter ­unzufrieden. Mittel- bis langfristig ­bekommt auch das fitteste Unternehmen Wettbewerbsprobleme. Beschleunigt wird diese Tendenz in einer digitalen und vernetzten Welt, in der Tempo und Zeitdruck ständig zunehmen. Das geht so weit, bis manch einer nicht mehr Herr der Lage ist. Spätestens dann ist weniger mehr.

»Wenn Du es eilig hast, gehe langsam«. Das Sprichwort, welches Tempo und Zeitdruck meint, passt auch gut zum »Mut zur Lücke«. Sollte dieses Denken Unmut hervorrufen, ist ein erstes Ziel erreicht. Wie beim Heilfasten geht es darum, unnötigen Ballast loszuwerden. Was folgt, ist das befreiende und gute Gefühl, Dinge nicht mehr tun zu müssen, die ohnehin nur wenig Sinn machen, sondern nur Unruhe schaffen, den Aufwand erhöhen oder den egoistischen ­Tatendrang bestimmter Menschen ­bestätigen. Deswegen muss regelmäßig geprüft werden, mit welchen Angeboten, Kunden, Aktivitäten oder Projekten keine oder nur eine geringe Wertschöpfung erbracht werden.

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