05. September 2017

Bekenntnis zur Blutgruppe H

»Blutgruppe H« und der »Blutgruppe V
Harry Luik: »Ich wünsche mir mehr erfolgreiche Stuckateur-Unternehmer.«

Die Stuckateure mit der »Blutgruppe H« und der »Blutgruppe V« laufen Harry Luik in seiner Tätigkeit als Sachverständiger regelmäßig über den Weg und veranlassten ihn dazu, sich über den Beruf des Stuckateurs Gedanken zu machen. Es geht um das Handwerk, Werte und um Erfolg. ausbau + fassade sprach mit ihm.

Herr Luik, Sie erhielten für Ihre Rede auf der Delegiertenversammlung des baden-württembergischen Stuckateurverbandes große Resonanz. Sie beschreiben darin verschiedene Typen aus dem Stuckateurhandwerk. Sie selbst bezeichnen sich als Stuckateur mit der »Blutgruppe H«. Erklären Sie uns das!

Meine Sachverständigen-Kollegen und ich erleben in unserer Tätigkeit die echte Welt der Stuckateure. Da gibt es Stuckateure mit der Blutgruppe H, die mit ihrem Herzblut ihr Handwerk leben und auch verstehen. Sie brennen für Putze, für Farben, alte und neue Techniken. Sie haben immer neue Ideen, sind menschlich und in ihrem Stolz verletzlich. Auch diese Stuckateure haben manchmal Probleme mit Kunden, die die Werte dieses Handwerks nicht schätzen, weil sie zu weit entfernt davon sind. Von diesen Vollblut-Stuckateuren der Blutgruppe H gibt es leider zu wenig.

Welchen Typ treffen Sie denn häufiger an?

Am häufigsten sind es Stuckateure der »Blutgruppe V«. Das sind die Verkäufer der neuen Generation. Ihnen wurde beigebracht, dass das Geld im Büro verdient wird. Dass nur Einkaufen und Verkaufen wichtig ist. Dass Umsatz nur gut ist, wenn er stetig wächst und der Gewinn nur dadurch maximiert wird, wenn der Kunde möglichst viel für etwas bezahlt, was zum möglichst niedrigen Preis eingekauft wurde. Durch geringe Löhne, durch Sub, am Rande oder außerhalb der Legalität. Weil billiger geht’s nicht mehr.

Regelverstöße müssen geahndet werden. Aber letzten Endes zählt doch der wirtschaftliche Erfolg?

Die Strafe dafür geben sich solche Firmen selbst, indem sie mit dem Rücken zur Wand stehen und keine unternehmerische, insbesondere handwerkliche Freiheit besitzen.

Wie kommt es dazu?

Man hat ihnen immer wieder beigebracht, dass man Bedürfnisse wecken und diese breit streuen soll.

Bedürfnisse und Versprechungen, welche auch die Baustoffindustrie antreiben. Doch die Bedürfnisse und großen Erwartungen können von einem Stuckateur der reinen Blutgruppe V nicht mehr geleistet und kontrolliert werden. So wächst die Differenz zwischen Bausoll und Bauhaben. Deshalb geht den Sachverständigen und Rechtsanwälten die Arbeit nicht aus.

Was sind die Konsequenzen?

Man hat den Stuckateuren der Blutgruppe V auch leider vergessen beizubringen, dass das erfolgreiche Machen, das wahrhaftige Können bedingt. Denn wer selber nur verkaufen kann, begibt sich in die Opferrolle. Er braucht Helfer und Berater. Das geht sogar so weit, dass Lieferanten die Planung für Projekte leisten, Materialberechnungen anstellen, LVs gar mit »Marktpreisen« ausfüllen und im Auftragsfall die Ausführung auch noch aktiv begleiten. Sie übernehmen die ur­eigene Arbeit eines Handwerksunternehmers und schaffen damit eine Abhängigkeit, die dann nach außen groteskerweise als Partnerschaft bezeichnet wird.

Was ist der Kern des Problems Ihrer Meinung nach?

Auf der Strecke bleibt die Ethik, also das wertorientierte Verhalten. Darunter leidet die gesamte Branche. Dem Nachwuchs fehlt der sichtbare Wert und das Handwerk erscheint oberflächlich. Und so sieht das Stuckateurhandwerk bisweilen von außen aus. Und jetzt soll der Nachwuchs all das beherrschen, was der Meister der neuen Generation selbst für nicht mehr wichtig hält? Uns gehen die Vorbilder aus, die Stuckateure mit der Blutgruppe H.

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