01. Januar 2016

Schenk tritt für Deutschland an

Neben dem Messebetrieb bei der »Farbe - Ausbau und Fassade« stand für die Stuckateur-­Nationalmannschaft die Qualifikation für die WorldSkills 2013 auf dem Programm. Andreas Schenk setzte sich durch und vertritt die deutschen Farben bei der Berufs-WM in Leipzig.

In Halle 7 bei der Messe »Farbe - Ausbau und Fassade« herrschte reges Treiben: junge Handwerkerhände zogen Stuck, Schweiß floss, keiner der Beteiligten sprach ein Wort, die Konzentra­tion war bei allen Beteiligten immens hoch. Die Baustelle mit zehn Trockenbaukonstruktionen auf dem Stand des Bundesverbands Ausbau und Fassade war mit einem rot-weißen Flatterband vom hektischen Messebetrieb abgetrennt worden. Immer wieder blieben zahlreiche Fachbesucher stehen und schauten mit respektvollen, teil­weise bewundernden Bilcken ein paar Minuten zu, auf welch hohem Niveau die neun Junghandwerker der deutschen Nationalmannschaft der Stuckateure arbei­teten. Julia Leipold, die ein­zige Frau im Team, war zu diesem Zeitpunkt bei der Qualifikation für die Berufs-Weltmeis­terschaft in Leipzig ­leider schon nicht mehr dabei. Die 19-Jährige hatte sich bereits am zweiten Wettkampftag an der Schulter verletzt. Als echte Teamplayerin drückte sie aber fortan den Jungs die Daumen: »Ich ­gönne es ­jedem, der es zu den World­Skills schafft.«
»Das ist eine richtig tolle Mannschaft«, lobte auch Teamchef Frank Schweizer den Zusammenhalt seiner Handwerkertruppe. »Alle sind in Bestform und bis in die Haarspitzen motiviert angekommen«, erklärte der Initiator der Stuckateur-Nationalmannschaft.

Vier Module als Hürde für Leipzig
Die Auf­gabe des Ausscheidungswettkampfes in Köln orientierte sich an der Wettbewerbsaufgabe für die WM 2013 in Leipzig, sie bestand also in ihren ­wesentlichen Bestandteilen aus Trockenbau und verschiedenen Gestaltungselementen aus dem Stuckateur­bereich. Die Wettkampfarbeit teilte sich in vier Module auf: Zunächst musste ­eine Trockenbau-Unterkonstruktion aus Ständerwand-Profilen erstellt werden und eine Beplankung der Innen- und Außenflächen erfolgen. Fenster- und Türausschnitte mit Leibungen sollten eingebaut werden. Auf die Maße und die Winkel-Genauigkeit legten die ­Prüfer großen Wert. Im zweiten Teil des Wettkampfs wurden alle Ecken sowie Kanten der Konstruk­tion bewehrt und alle Flächen eben verputzt. Danach ging es ans Verspachteln aller Oberflächen, Öffnungen und ­Leibungen in Qualitätsstufe Q3. Am dritten Tag wurden Stuckelemente ­gezogen, zugeschnitten und nach ­genauer Planvorgabe versetzt. Zum Abschluss durften die Wettkämpfer ihre Kreativität beweisen: Sie ­bekamen die Gelegenheit, eine Außenwand nach ­eigenen Vorstellungen zu gestalten. Die Vorgabe war: Grüße an die Stadt Köln und seine Wahrzeichen.

Straffes Programm
Insgesamt standen den Stuckateur­gesellen 22 Stunden für die Aufgaben­bewältigung zur Verfügung. »Man muss bei der Arbeit seinen Rhythmus finden und in der vorgegebenen Zeit fertig werden, ohne dass die Qualität darunter leidet«, brachte Schweizer das Anforderungsprofil auf den Punkt. Über Sieg oder Niederlage sollte das ­beste Zeit­management entscheiden. Darüber ­hinaus waren bei der WM-Qualifikation Fitness, Konzentration und ­vor allem Nervenstärke gefordert. Am Ende des Wettkampfes hatte sich Andreas Schenk durchgesetzt. Der Ehinger schloss die ­Punktewertung als klarer Sieger ab und wird die deutschen ­Farben bei den WorldSkills vertreten. Den zweiten Platz belegte der Saar­länder Philipp Becker, er steht damit als Nachrücker bereit.

Inspiration und Begeisterung
Schenk zeigte sich optimistisch in ­Bezug auf Leipzig: »Im letzten Jahr sind wir bei den Europameisterschaften nur knapp an Bronze vorbeigeschrammt. Auch wenn die WorldSkills noch anspruchsvoller werden, zeigt das, dass wir mit den Besten mithalten können. Ich werde alles ­geben.« Aus dem Nationalteam war zu hören, dass alle Mitglieder nach Leipzig fahren werden, um ihren Kollegen anzufeuern und ihm zur Seite zu stehen. Frank Schweizer zeigte sich sehr zufrieden: »Sicher ist Andreas zugute gekommen, dass er die Anspannung schon einmal erlebt hat. Und bei allem Ehrgeiz - ich bin stolz, dass wir uns als echtes Team präsentiert haben.« Der Auftritt in Köln hat tatsächlich zahlreiche ­Zuschauer inspiriert und ­begeistert. ­Viele von ­ihnen hörte man sagen: ­»Dieses Jahr bilde ich auch ­ wieder aus. Vielleicht ist dann einer meiner Mit­arbeiter in drei Jahren im Nationalteam dabei.«

dm

Abbildungen: Sto Stiftung/Dolt                                                                                       Ausgabe: 4/2013