02. Mai 2017

Mit Kreativität und Fingerspitzengefühl

Ausbau_Manager_1 Ausbau und Fassade - Mit Kreativität und Fingerspitzengefühl
Foto: Knauf
Foto: Knauf

Auf die Verbindung von praktischem Können und theoretischem Wissen im Handwerk zielt das vom Bundesverband Ausbau und Fassade, den Beruflichen Schulen Leonberg und der Knauf Akademie initiierte Ausbildungsmodell »Ausbau-Manager« ab. Im Herbst vergangenen Jahres ist der zweite Ausbildungsjahrgang an den Start gegangen. Nicht nur Männer nehmen die Chance wahr, auch drei weibliche Teilnehmerinnen sind mit dabei.

Der Stuckateur-Beruf ist eine reine Männer - domäne, in der Frauen nichts zu suchen haben? Das ist ein Klischee, an das heute keiner mehr glaubt. Auch Frauen entscheiden sich zunehmend für eine Ausbildung im (Stuckateur-) Handwerk – zum Beispiel um mit einem soliden Fundament in den elterlichen Betrieb einzusteigen und diesen gegebenenfalls später zu übernehmen. Besonders attraktiv ist der Stuckateurberuf zudem durch das Modell des »Ausbau- Managers« geworden, das für Abiturienten und Fach- Abiturienten konzipiert wurde: eine vollwertige praktische Stuckateur-Ausbildung zum Gesellen und Meister verbunden mit wichtigen Managementthemen, wie man sie heute als Führungskraft braucht.

Stuckateurberuf ist vielseitig
Das überzeugte auch Jasmin Pfeiffer, die im vergangenen Jahr ihr Abitur gemacht hat und durch ihren Vater auf die Möglichkeit hingewiesen wurde, sich mit dem »Aufbau-Manager« das notwendige Rüstzeug für eine spätere Übernahme des im Familienbesitz befindlichen Stuckateurbetriebes – die Pfeiffer GbR Tettnang – zu holen. Mit dieser Motivation befindet sie sich in bester Gesellschaft: »Über die Hälfte aus meiner Klasse sind Unternehmerkinder wie ich und es ist unser Ziel, den elterlichen Betrieb weiterzuführen«, erklärt die 19-Jährige selbstbewusst. »Die betriebswirtschaftliche und unternehmerische Ausbildung brauchen wir, um später in der Lage zu sein, den Betrieb in die richtige Richtung zu lenken.« Am Stuckateurberuf schätzt sie vor allem die Vielseitigkeit – »von Trockenbau über Stuck, Spachteltechniken und Oberflächengestaltung bis WDVS. Und man sieht jeden Tag, was man geschafft hat.« Nach der Ausbildung liebäugelt sie noch mit der zusätzlichen Ausbildung zum Gerüstbaumeister; danach möchte sie ins Geschäft einsteigen. Ein Problem mit der Akzeptanz seitens der männlichen Kollegen gebe es nicht. »Als Frau in der Branche wird man eher mit besonderem Respekt angesehen, da es immer noch eine schwere Arbeit ist und man nichts geschenkt bekommt.« Sobald die Kollegen merkten, dass man schnell kapiere und die Aufgaben gut umsetze, begegne man sich auf Augenhöhe. Frauen sind nach Ansicht von Jasmin Pfeiffer für den Job sehr gut geeignet, »da sie in vielen Teilbereichen des Stuckateurhandwerks das feinere Auge haben.«

Volle Rückendeckung
Auch darüber hinaus haben sich die Erwartungen, die sie zu Beginn der Ausbildung hatte, mehr als erfüllt. »Es läuft viel besser als gedacht, in der Berufsschule und in der ÜbA.« Manchmal gehe es etwas unkoordiniert zu, weil der Ausbildungsgang einfach noch relativ neu sei und sich erst formen müsse. »Aber alle geben sich sehr viel Mühe, um das Beste daraus zu machen.« Auch von Seiten der Industrie bekommen die angehenden Ausbau- Manager volle Rückendeckung. Jasmin Pfeiffer: »Knauf steht jederzeit für Rückfragen zur Verfügung und gibt uns wertvolle Tipps und Tricks an die Hand, damit wir noch bessere Unternehmer werden können.« Sehr zufrieden mit der Ausbildung ist auch Naemi Dürr, die ebenfalls das Handwerker-Gen in sich trägt. Der Stuckateurbetrieb Dürr aus Simmozheim ist ein Traditionsbetrieb, der auch in Zukunft in Familienhand bleiben soll. Nach der Fachhochschulreife mit dem Abschluss Technischer Assistent entschied sich Naemi Dürr, vom Vater ermutigt, für den »Ausbau-Manager« – ein Ausbildungsmodell, das in ihren Ohren »vielversprechend « klang. Und es tatsächlich auch ist, denn das Handwerk werde hier gut vermittelt. »Das Programm hält, was es verspricht« – so lautet ihr Urteil nach den ersten Monaten. Wie auch andere Kollegen würde sie sich allerdings eine bessere Absprache zwischen den Institutionen wie Schule und ÜbA wünschen.

Paten sind hilfreich
Vom Industriepartner fühlt sie sich wie auch die anderen Kollegen gut unterstützt. Interessant fand sie zum Beispiel die Teilnahme an den »Knauf Tagen« mit Führungen, Anregungen und kleineren Projekten wie dem Ausarbeiten von Alleinstellungsmerkmalen. »Außerdem haben wir alle einen Knauf-Paten zugeteilt bekommen, der uns bei Fragen und Problemen zur Seite steht«, was gerade in der Anfangsphase hilfreich ist. Als Frau in einem bislang von Männern favorisierten Beruf zu arbeiten, findet sie »super«. Im Betrieb werde sie behandelt wie jeder Auszubildende, ohne Rücksicht auf das Geschlecht. Eine unpassende Bemerkung im Stil von »kein Job für Frauen« habe es zwar schon gegeben, aber die kam von einem Zulieferer einer Fremdfirma. Naemi Dürr: »Das hab ich einfach ignoriert.« Und was kommt nach dem Ausbau-Manager? Dann möchte sie weiter bei ihrem Vater im Unternehmen arbeiten und vielleicht in ein paar Jahren den Betrieb übernehmen. »Aber wer weiß schon genau, was die Zukunft bringt?« Ziemlich konkrete Vorstellungen davon, was die Zukunft bringt, hat Luisa Blattner, die 2015 ihr Abitur machte. Sie bekam ebenfalls vom Vater den Tipp, dass sich mit dem Ausbau-Manager eine interessante Chance auftut, Praxis und Theorie zu verbinden. Nach der dreieinhalbjährigen Ausbildung möchte die 20-Jährige dual in einem Betrieb studieren – »BWL-Handwerk oder etwas Richtung Farbe und Design« – um später bestens gerüstet in den Familienbetrieb mit einzusteigen. Den Ausbau-Manager sieht sie als komprimierte und niveauvolle Ausbildung. »Es macht viel Spaß und wird nie langweilig. Es ist zu spüren, dass Zug dahinter ist. Alle sind mit Ehrgeiz dabei, was ein sehr schönes Arbeits- und Klassenklima mit sich bringt.« Lediglich den Jahresplan findet sie etwas unglücklich gestaltet. »Wir wechseln derzeit 16 Wochen zwischen ÜbA und Schule und sind so lange Zeit nicht im Betrieb.«


Zwei Chefinnen und eine Malerkollegin
Im Gegensatz zu Jasmin Pfeiffer und Naemi Dürr hatte sie sich entschieden, den praktischen Teil der Ausbildung nicht im elterlichen Betrieb zu absolvieren. »So habe ich die Chance, noch einen anderen Betrieb kennenzulernen und andere Abläufe zu sehen.« Außerdem wollte sie behandelt werden wie alle anderen Azubis ohne Sonderstatus als »Tochter vom Chef«. Da ihr Ausbildungsbetrieb die Besemer Ausbau und Fassade GbR in Kohlberg ist, ist das Thema Männer- oder Frauenarbeit irrelevant. »Ich habe zwei Chefinnen und eine andere Malerkollegin. Somit ist es für meine männlichen Kollegen Alltag, mit Frauen zu arbeiten.« Auch andere Firmen reagierten fast immer positiv. »Man hat selten das Gefühl, dass man nicht akzeptiert wird oder die Männer einem weniger zutrauen.« Man werde eher bewundert und interessiert ausgefragt. Dem einzigen Manko gegenüber den männlichen Kollegen – der körperlichen Konstitution – stehen ihrer Ansicht nach weibliche Skills wie Kreativität und Fingerspitzengefühl gegenüber. Luisa Blattner: »Gerade im Umgang mit der Kundschaft haben Frauen überhaupt keine Nachteile, sondern zeigen vielleicht sogar mehr Einfühlungsvermögen für die Wünsche der Kunden.« Weitere Info unter: www.ausbau-manager.de

Andreas Gabriel, Knauf Gips KG

 

Ausgabe 05 / 2017

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