01. Januar 2016

»Wir haben Biss und Ehrgeiz«

Stuckateurin_Maniquiz_1 Ausbau und Fassade - »Wir haben Biss und Ehrgeiz«

Sarah Maniqiuz ist eine von vielen Frauen in der Baubranche, die sich beruflich durch­gesetzt haben. Ihre Liebe zur Kunst und Kunstgeschichte brachte sie zum Stuckateur­-beruf – eine Entscheidung, die sie nicht bereut hat.

Obwohl wir inzwischen im 21. Jahr­hundert leben, gibt es immer noch Menschen, denen eine Frau in einem Handwerksberuf seltsam vorkommt. Für Sarah Maniquiz, die seit 2005 als Stuckateurin bei der Firma Hürth in Brühl (Nordrhein-Westfalen) arbeitet, ist ihr Job längst zum geliebten Alltag ­geworden. »Ja, es stimmt. Für ­manche Kunden sind Handwerkerinnen ein eher gewöhnungsbedürftiger Anblick. Einige unserer Mitarbeiterinnen mussten sich schon mal erklären. Das ist nicht immer einfach«, sagt die 31-Jährige. »Doch die Vorurteile werden immer schnell ausgeräumt, zumal unser Team mit fach­lichem Können, Biss und Ehrgeiz auch die ­kritischsten Gemüter überzeugt.« Wer nun vermutet, dass Sarah Maniquiz aus einer Handwerkerfamilie stammt und ihr Berufsweg deshalb quasi vorbestimmt war, ist völlig auf dem Holzweg. Wie bei ihren vier Kolleginnen spielte der Zufall eine große Rolle.

Abitur und Orientierungssuche
Nach dem Abitur in ihrer Heimatstadt Siegen begab sich ­Sarah Maniquiz 2001 auf Arbeitssuche. Sie schrieb sich zunächst an der Universität ein, wollte Deutsch und Englisch auf Lehramt ­studieren. »Doch wirklich ernsthaft ­habe ich das Ganze nicht verfolgt«, gibt sie lächelnd zu. »Irgendwann wollte ich mich aber doch für einen Berufsweg entscheiden und habe meine persön­lichen Interessen abgeklopft. Wenn man eine Fachhochschule für ­Restaurierung besuchen wollte, musste man ein einjähriges Praktikum in der Baubranche vor­weisen können. Also ­habe ich in die Gelben Seiten geschaut, die Firma Hürth in Brühl gefunden und dort 2002 als Praktikantin angefangen.« Schnell zeigte es sich, dass sie diese Wahl nicht bereuen sollte: Bei dem Meisterbetrieb Hans-Hermann Hürth liegen die Schwerpunkte auftragsmäßig in den Bereichen ­Restaurierung und Denkmalpflege – ­also das ideale ­Betätigungsfeld für ­jemanden, der sich wie Sarah für Kunstgeschichte begeis­tern kann. Dem Praktikum ließ sie eine Ausbildung zur Stuckateurin folgen. 2005 war Sarah mit der Lehre fertig, konnte damals aber aus wirtschaft­lichen Gründen nicht übernommen werden.

Rückkehr und Neustart
Sie kehrte ins Siegerland zurück und heiratete im November 2005. ­Die ­nächsten beiden Jahre arbeitete Sarah Maniquiz für mehrere Malerunternehmen aus ihrer Heimatregion. 2007 erreichte sie ein Anruf ihres ehemaligen Chefs: Hans-Hermann Hürth bot ihr nicht nur ihren alten Arbeitsplatz, ­sondern ­sogar eine Projektleiterstelle an. »Von da an ging alles Schlag auf Schlag«, sagt sie. »Ich schrieb mich in Köln für die Meisterschule ein. 2009 hatte ich den Meisterbrief in der ­Tasche. Im Anschluss habe ich in Vollzeit eine Fortbildung zur Betriebswirtin (HWK) gemacht. Beides kann ich nur empfehlen, denn das betriebswirtschaftliche Know-how und die geknüpften Kontakte sind für meinen Job sehr wichtig.« Als Projektleiterin hat sich Sarah längst bewährt. In die Verantwortung genommen zu werden, ist für sie keine Belastung, sondern ein ­Ansporn.

Gutes Zeitmanagement
Neben der Arbeit im Betrieb engagiert sich Sarah Maniquiz seit einigen Jahren auch als Lehrbeauftragte der Handwerkskammer zu Köln für die Meisterausbildung im Stuckateurhandwerk. Kein Wunder, dass für das Privatleben etwas weniger Zeit übrig bleibt. »Ich habe einen toleranten Mann«, sagt sie und lacht. »Eigentlich hätte ich einen für Handwerkerinnen nicht ungewöhnlichen Tages­ablauf: Morgens um halb fünf ­stehe ich auf, um Viertel nach sechs plane ich den Tag in einem ­Gespräch mit Herrn Hürth. Ab sieben Uhr bin ich auf der Baustelle, im Büro oder habe ­einen ­Termin bei Kunden. Gegen 17 Uhr geht mein offizieller ­Arbeitstag zu Ende, ­danach hätte ich normalerweise Freizeit. Aber mein Mann und ich haben uns vor Kurzem ein Haus in Brühl ­gekauft - da gibt es noch einige Renovierungsarbeiten zu erledigen. Die ganzen Aktivitäten unter einen Hut zu bringen, ist nicht ­immer einfach, aber es macht mir großen Spaß«, ver­sichert sie.

Kompetenz und Kommunikation
Die Stärken des zehnköpfigen Hürth-Teams (fünf Frauen, fünf Männer) sind für Sarah schnell auf den Punkt gebracht: »Wir haben einen sehr guten Kontakt zu unseren Kunden. Wir binden sie in den Arbeitsprozess mit ein und erklären ihnen die einzelnen Arbeitsschritte. Die Qualität der Arbeit und der Kundenservice sind bei uns sehr gut. Wir achten darauf, dass es so bleibt, schließlich bekommen wir die meisten Auft­räge immer noch auf dem klassischen Weg über Mundpropaganda.«
Was müsste eine junge Frau mitbringen, damit sie bei Hürth als Stuckateurlehrling anfangen kann? ­Sarah Maniquiz: »Wichtig ist, dass auf beiden ­Seiten die Chemie stimmt. Wenn das Mädchen aufrichtig, handwerklich ­geschickt und teamfähig ist, dann sind die Grundvoraussetzungen gegeben.«

dm

Abbildungen: Fürth                                                                                                    Ausgabe: 5/2013

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