04. Juni 2018

»Viele unvergessliche Erlebnisse«

Schenk_1 Ausbau und Fassade - »Viele unvergessliche Erlebnisse«
1 Andreas Schenk, Stuckateur-Weltmeister von 2013: »Es lohnt sich auf jeden Fall, während der Ausbildung gute Leistungen zu bringen. Die tollen Erfahrungen und Eindrücke, die ich im Nationalteam und meiner Wettkampfzeit sammeln konnte, sollte jeder selbermachen.«

Die Zeit rast! Mittlerweile ist es schon fünf Jahre her, dass Andreas Schenk aus Ehingen-­Altbierlingen sich in Leipzig bei den WorldSkills 2013 zum Stuckateur-Weltmeister krönte. Wie dieser Titel sein privates Leben und den Arbeitsalltag verändert hat, erzählt er in unserem Interview.

Andreas, was hat der Titel für Dich persönlich ­bedeutet und was hat er Dir beruflich gebracht?

Der Weltmeistertitel 2013 in Leipzig bedeutet mir noch immer sehr viel. Die tollen Erfahrungen, die ich im Rahmen der WorldSkills sammeln durfte, haben mich große Schritte nach vorne gebracht. Ich bin immer noch stolz darauf, dass ich die deutschen ­Farben im Stuckateur- und Trockenbauhandwerk vertreten durfte. Nach der Holzmedaille (4. Platz) bei der Europameisterschaft 2012 im belgischen Spa war die Gold­medaille ein Jahr später bei der Weltmeisterschaft mein größter Erfolg. Ich habe gelernt, mit größtem Druck umzugehen und mich voll zu konzentrieren. Bis heute bin ich erstaunt, wie präzise und schnell ich ­arbeiten kann, wenn es darauf ankommt.

Was für Auswirkungen hatte diese Auszeichnung für euren Familienbetrieb – der Matthäus Schenk Putz-Stuck-Trockenbau GmbH?

Der Weltmeistertitel hat sich auch bei uns im Familienunternehmen widergespiegelt. Der Erfolg sprach sich sehr schnell herum und jeder aus der Umgebung bekam es irgendwie mit. Alle verbinden die WM-­Medaille mit Qualität. Ohne diese hohe Qualität bei der Ausführung, aber auch beim Zeitmanagement, wäre der Sieg nicht möglich gewesen. Das wissen auch unsere Kunden zu schätzen.

An welche Geschehnisse – beim Training und Wettkampf – kannst Du Dich noch am Besten erinnern?

Da gibt es viele Dinge, die ich nie vergessen werde. Während meiner intensiven Trainingszeit im Juni 2013 war es extrem heiß. In der Werkstatt im Ausbildungszentrum Leonberg brannte ab der Mittagszeit die Sonne durch die Fenster, so dass ich täglich klatschnass geschwitzt war. Ähnlich heiß war es dann im Juli beim Wettkampf in Leipzig. Ich habe es damals ­geschafft, mich voll und ganz auf die Wettbewerbsaufgabe zu fokussieren und konnte meine beste Leistung abrufen. Ich ließ mich durch nichts ablenken und habe von dem ganzen Trubel vor der Bande nichts mitbekommen. In den Schlusssekunden des Wettbewerbs beim Freestyle-Modul habe ich die farbigen, freihängenden Stuckstrahlen des WorldSkills-Logos abgewischt, so dass diese zu wackeln anfingen und abzubrechen drohten. Wie ich später mitbekommen habe, hat das wohl so manchem Zuschauer und Unterstüt­zter sämtliche Nerven gekostet (lacht).

Auch an die Eröffnungsfeier erinnere ich mich gerne zurück. Als Gastgeberland duften wir, das deutsche Team, als letzte Nation einlaufen und alle Zuschauer  haben sich von den Plätzen erhoben und applaudiert. Das war ein Gänsehaut-Moment, wie bei Olympischen Spielen. Ein besonderes Erlebnis war auch die Siegerehrung. Das lange Warten, bis der Stuckateurberuf dran war, kam uns allen unendlich vor. Als mein Name aufgerufen wurde, wusste ich, dass ich eine Medaille gewonnen hatte und war schon sehr glücklich. Bronze wurde vergeben, jedoch noch nicht an mich. Die Spannung stieg. Dann gab es diesen unvergesslichen Satz der Moderatoren: »There is no silver medal.« Es gibt keine Silbermedaille. Ich hatte Gold! Ein unbeschreib­liches Gefühl, ganz oben auf dem Treppchen zu stehen.

Wer hat Dich bei dem Sieg unterstützt?

Ich wurde von sehr vielen Seiten unterstützt. Von Seiten der Eltern wurde mir stets der Rücken freigehalten. Also ungehindertes Training und volle Unterstützung der Familie. Auch Freunde, Arbeits- und Meisterschulkollegen standen immer voll hinter mir.

Ein besonderer Dank gilt aber sicher Ingo Neumann, Ausbildungsmeister bei der ÜbA Leonberg. Mit ihm habe ich sehr viel Zeit in der Werkstatt verbracht, Techniken und Arbeitsweisen verbessert und das ­unvergessliche Freestyle-Modul entwickelt. Frank Schweizer, der Leiter des Ausbildungszentrums ­Leonberg, war damals mein Experte und Teil der ­internationalen Jury. Er hat mich optimal gefördert. Stets unterstützt hat mich auch Josef Gruber, Leiter des Ausbil- dungszentrums Nürnberg, der mir immer mit Rat und Tat zur Seite stand. Ebenso wie Jochen Drescher, Ausbildungsmeister bei der ÜbA Leonberg und World Skills-Experte, der stets ansprechbar war, wenn es um Regularien und Kontrollkriterien ging. Auch der Sto-Stiftung – den damaligen Sponsoren des Nationalteams – sowie allen, die mich gefördert und mir die Daumen gedrückt haben, bin ich sehr dankbar.

2. Referent Andreas Schenk bei der 15. Auflage der Winterseminare von Schwenk Putztechnik. Das Thema: »Auf demWeg zumWeltmeister«.  Fotos: Mioc/Schenk

2. Referent Andreas Schenk bei der 15. Auflage der Winterseminare von Schwenk Putztechnik. Das Thema:
»Auf demWeg zumWeltmeister«. Fotos: Mioc/Schenk

Würdest Du es dem Stuckateur-Nachwuchs empfehlen, in Deine Fußstapfen zu treten?

Ich kann es nur jedem empfehlen, dem sich so eine Chance bietet. Diese tollen Erfahrungen und Eindrücke, die ich im Nationalteam und meiner Wettkampfzeit sammeln konnte, sollte jeder selber machen. Es ist oft nicht einfach, aber es macht Spaß, sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen. Es lohnt sich auf jeden Fall, während der Ausbildung gute Leistungen zu bringen, um möglicherweise diese einmalige Chance im Nationalteam zu bekommen.

Wie hast Du die Zeit in der Stuckateur-National­mannschaft insgesamt empfunden?

Diese Zeit werde ich sicher nie vergessen. Es war sehr schön, zwei Jahre Teil des Nationalteams zu sein und gemeinsam diese Erfolge zu feiern. Schon bei der Gründung der Stuckateur-Nationalmannschaft 2011 haben wir zehn Mitglieder super harmoniert und uns immer wieder gegenseitig zu Höchstleistungen motiviert. Es war ein tolles Miteinander, auch fernab von Trainings und Wettbewerben. Wir haben uns richtig gut verstanden und haben teilweise heute noch Kontakt.

Inwieweit hat sich damals Dein Leben verändert?

Es hat sich einiges verändert. Ich bin an diesem Erfolg gewachsen und gereift und habe mich persönlich und beruflich weiterentwickelt. Auch durfte ich viele Leute kennenlernen, unter anderem unsere Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, Welttorhüter Oliver Kahn, die Olympiasiegerin im Fechten Britta Heidemann sowie viele weitere Persönlichkeiten aus Politik und Sport. Der Erfolg hat mich bekannter gemacht und ich konnte viele neue Kontakte herstellen, die mich weitergebracht haben. Dennoch bin ich bodenständig ­geblieben und freue mich, immer wieder Mal von den WorldSkills 2013 erzählen zu dürfen.

Bist Du heute noch beim Nationalteam involviert?

Im Moment habe ich kein offizielles Amt bei der Nationalmannschaft, verfolge aber nach wie vor alles, was rund um das Nationalteam abläuft. Unter anderem war ich bei den WorldSkills 2015 in Sao Paulo und 2017 in Abu Dhabi als Zuschauer und Unterstützer mit dabei. Das ein oder andere Training habe ich mit dem Nationalteam abgehalten, um meine Erfahrungen an meine Nachfolger weiterzugeben. Ich freue mich, ein Teil dieser tollen Initiative für das Stuckateurhandwerk zu sein und hoffe, dass wir gemeinsam noch viele ­Erfolge feiern dürfen. 

Das Interview führte Damir Mioc

Ausgabe 06 / 2018

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