01. Januar 2016

Stuckateur als Schimmelexperte

Hoeninger Ausbau und Fassade - Stuckateur als Schimmelexperte

Stuckateur Josef Höninger bringt Theorie und Praxis der Schimmel­sanierung unter einen Hut. Der Sachverständige und Unternehmer aus dem ober­schwäbischen Ertingen ist damit ein gefragter Mann.

Kann man es Leidenschaft nennen? Zumindest dreht sich bei Josef Höninger ziemlich viel um den Schimmel und die Feuchtigkeit in Gebäuden. Dafür ist er häufig auch über die Grenzen des heimischen Bundeslandes Baden-Württemberg hinaus unterwegs – für Vorträge, Symposien, Verbandstreffen und Expertengespräche. Zeitnah einen Termin zu finden, ist nicht immer ganz leicht. Hinzu kommt, dass er auch ­Unternehmer ist und einen Stuckateurbetrieb führt. Das hat den Vorteil, dass er als Praktiker sein Fachwissen vor Ort bei den Kunden immer wieder unter Beweis stellen kann. Die Sanierung von Schimmelpilzschäden sieht er auch unter dem Aspekt des Marktes. »Mit dem Einbau dichterer Fenster sind die Probleme aufgekommen und das Geschäftsfeld hat sich entwickelt.«
Seit 1995 ist Höninger Sachverständiger. Im Laufe dieser Tätigkeit beschäftigte er sich intensiv mit der Thematik und arbeitete Vorträge dazu aus. 2010 war Höninger dann schon sehr sattelfest. Er absolvierte nicht nur das Qualifizierungsseminar zum Sachverständigen mit dem Schwerpunkteintrag »Schimmelpilzproblematik« erfolgreich, sondern ersetzte dabei auch einen ausgefallenen Referenten und wurde nur wenig später zum Ausbilder und Prüfer berufen.
Bislang haben sich rund 40 Sachverständige für den Schwerpunkteintrag »Schimmelbeseitigung – Erkennen – Bewerten – Sanieren« qualifiziert. Im Winter 2013/2014 werden wieder ­Seminare für Sachverständige im Stuckateur-, Maler- und Schreinerhandwerk angeboten. Veranstalter sind die Bundesverbände dieser Gewerke. Mit dabei ist dann auch Josef Höninger.
Absolventen dieser Fortbildung sind Experten. Ein Fachhandwerker muss aber kein Sachverständiger oder gar Spezialist mit Zusatzqualifikation sein, um sich in der Schimmelsanierung zu betätigen. »Aber eine Grundausbildung ist ein Muss«, fordert Höninger von seinen Kollegen. Ausbildungsangebote gibt es viele. »Verbände bieten so etwas an, wie zum Beispiel unser Fachverband SAF in Baden-Württemberg. Dort gibt es Grundseminare und zweitägige Aufbauseminare. Aber auch die Industrie macht Schulungen«, weiß der Stuckateur aus Oberschwaben.

Fehler können teuer werden
»Wer bislang keine Erfahrungen auf dem Gebiet hat, sollte sich unbedingt schlau machen.« Unverzichtbar sind die Leitfäden des Landesgesundheits­amtes Baden Württemberg (LGA) und des Umweltbundesamtes (UBA) sowie die Kenntnisse der arbeitsrechtlichen Vorschriften, konkret der BGI 858 der BG BAU Literaturangaben dazu in InfoPlus als Download, mehr dazu auf Seite 10).
Weiterhin sollte man mit dem Begriff der »Schwarz/Weiß-Trennung« etwas anfangen können. Darunter ist die staub­dichte Abschottung des Arbeits­bereiches zu verstehen. Die Verteilung der Sporen muss nämlich verhindert werden. Wer hier keine Vorsorge trifft, für den kann es sehr teuer werden. Zu den Worst-Case-Szenarien gehört die Umquartierung der Bewohner in ein Hotel, und der schlimmste Fall tritt dann ein, wenn Menschen krank geworden sind.
Ein großes Defizit bei vielen Unternehmen sieht Höninger auch in der Feinreinigung. Hier wird viel falsch gemacht. Unverzichtbar sind Geräte zur oberflächlichen Reinigung, wie etwa ein Sauger mit HEPA-Filter (High Efficiency Particulate Airfilter).
Mit seinen Vorträgen will er seine Kompetenz unterstreichen, aber auch sensibilisieren. Dazu kommen hauptsächlich Eigentümer und Vermieter, Mieter seltener. Dabei ist Höninger der Ansicht, dass 80 Prozent der Schäden durch das Nutzerverhalten hervorgerufen werden – also durch Nicht-Heizen und falsches Lüften.
Für eine erfolgreiche Sanierung ist wichtig: Der Bauherr muss verstehen wollen. »Deshalb kläre ich auf, zum Beispiel über die Anforderungen der DIN 4108 Wärmeschutz im Hochbau, über die Taupunktberechnungen oder über bauphysikalische Einflussfaktoren.«
Als Unternehmer möchte er sein Expertenwissen auch rentabel einsetzen. Deshalb ist er von der Erstberatung als Pauschalangebot abgekommen. »Das war nicht wirtschaftlich, weil der Aufwand zu groß war«, so Höninger. »Jetzt mache ich eine schriftliche Auswertung und stelle diese in Rechnung.« Er vergleicht gerne die Tätigkeit eines Sachverständigen mit der Aufnahme eines Unfalls. Man war nicht dabei und muss herausfinden, was geschehen ist. Dazu verfügt er über die einschlägigen Messgeräte bis hin zum Datenlogger. »Ohne dieses Geräte geht es nicht. Auch Mieter akzeptieren das Gerät in der Wohnung, da auch sie an der Problemlösung interessiert sind«, berichtet Höninger. Mit dazu gehört auch die Zusammen­arbeit mit Labors. Dorthin schickt er Material- und Klebefilmproben und kann so auch nach der Sanierung den Erfolg nachweisen.
Das alles hat mit der Tätigkeit eines »normalen Gipsers« nichts mehr zu tun. Auch Höningers Mitarbeiter müssen wissen, worum es geht und haben einschlägige Seminare besucht. Dabei gibt Josef Höninger gerne zu: »Wir verdienen inzwischen auch unser Geld mit Schimmelpilzen.« Dieser Satz klingt nüchtern – fast so, als ginge das alles ohne Leidenschaft.

pd

Ausgabe: Sonderheft/2013

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