01. Januar 2016

Dämmen mit Holz – kein Problem!

Portrait_Kloeble_1 Ausbau und Fassade - Ausbau und Fassade

Die Restaurierung eines fast 550 Jahre alten Fachwerkhauses ist kein leichtes oder ­alltägliches Projekt - zumal das historische Gebäude in der Ulmer Platzgasse mit einem modernen Holzfaser-WDVS ausgerüstet werden sollte. Der Maler- und Gipserbetrieb Klöble hat sich der Herausforderung gestellt und sie mit Erfolg bestanden.

In der Ulmer Stadtmitte steht ein imposantes Fachwerkhaus, das die Alteingesessenen als ehemalige Kron-Apo­theke kennen. Die Grundsteinlegung des ­Gebäudes war anno 1465, seit den 1950er-Jahren und bis zur Schließung Ende 2008 wurden dort Arzneien verkauft. Heute ­bietet ein Hörgeräte-Akus­tiker seine Dienste an, aber ursprünglich wurde das markante ­Gebäude ganz ­anders ­genutzt: als Haus eines Tuch­machers, in dem gleichzeitig gearbeitet, verkauft und ­gewohnt wurde – hochherrschaftlich auf der ersten Etage, klein, eng und winkelig auf den beiden anderen. Nach einem Eigentümer­wechsel (2008) stand zwecks Umnutzung eine energetische Totalsanierung an (2011), welche die ausführenden Handwerksfirmen länger als ein ganzes Jahr beschäftigte. Die Wärmedämmung mit Holzfaserdämmstoffen und das ­Verputzen der Fassade übernahm der Ulmer Maler- und Gipser­betrieb Klöble, der über besondere Kenntnisse mit histo­rischen Beschichtungen verfügt.

Massiv und wertig
Malermeister Hermes Klöble sitzt entspannt in ­seinem sonnendurchfluteten Büroraum und erinnert sich mit einem Lächeln an den Tag, als er den Auftrag für das altehrwürdige Fachwerkhaus annahm: »Jörg Schmitz, der Ulmer Stadtbild­pfleger und Besitzer des ­Gebäudes ­sowie die beauftragten ­Architekten Dr. Stefan Uhl und Frido Mauser kannten mich bereits. Wir hatten schon einige Projekte zusammen ­gemacht, ­deswegen entschieden sie sich auch bei diesem Projekt für mich.« Die Architekten ver­traten die Ansicht, dass der Phasenverschiebungswert von Holzfaserplatten speziell im Dach­bereich des Fachwerkhauses von Vorteil sein könnte. Temperaturschwankungen sollten so besser ausgeglichen werden. ­Darüber hinaus sind diese ­Platten härter als jene aus Mineral­fasern, was sie noch massiver und ­wertiger wirken lässt - ein weiterer Vorteil aus Sicht des Bauherrn.
Den Auftrag nahm Klöble gerne an, ­obwohl er zugibt, dass er damals noch wenig Erfahrungen mit Holzfaser-­WDVS hatte. »Ich wollte aber dem Wunsch des Kunden Rechnung tragen, darüber ­hinaus war ich auf der Suche nach Alternativen zu Styropor und ­Mineralfasern. Schnell wurde klar: »Das Material weist eine hohe Druckfes­tigkeit auf und für meine Handwerker war es von der ›Hautverträglichkeit‹ her eine angenehmere Arbeit als mit Mineralfaserplatten.« Ferner sei die Umweltbelastung bei der Herstellung der Holzfaserplatten deutlich niedriger und die Entsorgung unproble­matischer.

Herausforderung bestanden
Formstabile, gerade Platten und ein ­altes, an vielen Stellen krummes und schiefes Fachwerkhaus - die ehemalige Kron-Apotheke erwies sich als echte Herausforderung und als historisches Gebäude, das in seinem Charakter erhalten bleiben sollte. »Die vielen verschiedenen Untergründe erforderten, dass verschiedene Anwendungen zum Einsatz kamen. Der Zimmerer Wolfgang Metzger hat uns Tipps beim Zuschneiden des Materials gegeben, schließlich mussten die Krümmungen des Gebäudes berücksichtigt werden. Schon nach wenigen Tagen hatten wir uns an das Material gewöhnt und der Zuschnitt und das Verputzen der Platten ging prob­lemlos und schnell von der Hand«, erinnert sich der 44-Jährige.
Aber wann ist denn der Einsatz von Holzfaserplatten wirklich sinnvoll, schließlich haben auch mineralische Platten durchaus ­ihre Vorteile, beispielsweise beim Schall- oder Brandschutz? »Wenn der Bauherr seinem Haus ökologisch und energiebilanzmäßig etwas Gutes tun will«, antwortet Klöble spontan. Als Deckputz kam zum Abschluss der Arbeiten ein faserarmierter Renoviermörtel zum Einsatz, der Bauteilspannungen gut auffängt und für eine ­rasche Verdunstung sorgt.

Ulmer Familienunternehmen
Den Maler- und Gip­serbetrieb Klöble gibt es in Ulm schon seit dem Jahr 1962. ­Hermes' Vater, der Stuckateur- und Malermeister Raimund Klöble, führte das Familienunternehmen fast 40 Jahre lang, bevor er sich langsam in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedete und die ­Geschäftsführung an ­Hermes übergab. Der Älteste der drei Klöble-Söhne ­(Orestes ist Restaurator in Bensheim, Ares Arzt in Tübingen) hatte bereits von 1988 bis 1991 eine Ausbildung zum ­Maler im heimischen Betrieb absolviert und dort auch die Gesellenzeit verbracht. 1995 hatte er den Meis­terbrief in der Tasche. ­»Meine berufliche Laufbahn hat sich von ­ganz alleine ­ergeben. Schon als ­Kinder haben wir auf Baustellen mitgeholfen. Wir sind ohne elterlichen Druck in die Branche hineingewachsen.« Als Kernkompetenzen seines Betriebs bezeichnet Hermes Klöble klassische Malerarbeiten wie Putzreparaturen, Wärmedämmung, Trockenbau, Brand- und Lärmschutz ­sowie Restaurierungsarbeiten.

Guter Kontakt zu anderen Gewerken
Das Büro und die Wohnung von ­Hermes Klöble sind in einem Haus in der Ulmer Stadtmitte vereint. Die Werkstatt, der Maschinen- und der Fuhrpark ­liegen im Stadtteil Ulm-Jungingen. Ab sechs Uhr morgens ist der Chef im Büro, eine ­halbe Stunde später treffen seine ­sieben Mitarbeiter ein, danach gehts es auf die Baustellen – drei sind es derzeit. Und nach dem ­offiziellen Feierabend um 17 Uhr stehen gelegentlich Kunden­gespräche oder Büroarbeit an. Klöble: »Mir macht meine Arbeit Spaß – auch weil ich darauf Wert lege, dass auf der Baustelle ein guter Kontakt zu den ­anderen ­Gewerken und Handwerkern besteht. Eine gute Atmosphäre sorgt dafür, dass anfallende Probleme schnell gelöst ­werden können.«      dm

Abbildungen: 1+2: Klöble; 3: mioc                                                                                                    Ausgabe: 11/2013

  1. Portrait_Kloeble_1 Ausbau und Fassade - Ausbau und Fassade
  2. Portrait_Kloeble_2 Ausbau und Fassade - Ausbau und Fassade
  3. Portrait_Kloeble_3 Ausbau und Fassade - Ausbau und Fassade