15. Juli 2010

Mehr Energieeffizienz in Baden-Württemberg gefordert

Deutlichen Nachholbedarf in der Energiepolitik des Landes sieht der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT). „Die bisherigen Anstrengungen, Energieeffizienz und Versorgungssicherheit zu gewährleisten, reichen nicht aus“, kritisierte Landeshandwerkspräsident Joachim Möhrle.

Das im Energiekonzept 2020 der Landesregierung angepeilte Ziel einer Steigerung der Energieproduktivität um jährlich zwei Prozent werde verfehlt, stellte Möhrle im Zusammenhang mit der Vorstellung des Energieberichts des Landes durch Wirtschaftsminister Ernst Pfister fest. Zudem falle Baden-Württemberg auch im bundesdeutschen Vergleich zurück.


Der Handwerkstag fordert deshalb, offensiver und breiter über das Thema Gebäudeenergieeffizienz zu informieren und schlägt einen Ausbau des Marketingprogrammes Zukunft Altbau vor. Eine wichtige Voraussetzung für die Investitionswilligkeit von Gebäudeeigentümern sei außerdem die Kontinuität von Förderprogrammen, sagte Möhrle. Die Aussicht, dass die bisher vom Bund bereitgestellten Gelder für Gebäudeenergieeffizienz im kommenden Jahr um etwa zwei Drittel gekürzt werden sollen, sei absolut kontraproduktiv für Aktivitäten in diesem Bereich. Möhrle: „Diese Entscheidung muss gekippt werden.“

Dringend notwendig sei es, die Effizienzgewinne durch Kraft-Wärme-Kopplung, also die gleichzeitige Gewinnung von elektrischem Strom und nutzbarer Wärme für Heizzwecke (Fernwärme) oder Produktionsprozesse (Prozesswärme) in einem Heizkraftwerk zu verbessern. Dies sei aber nur mit Hilfe einer systematischen Förderung von Kleinanlagen und der Verpflichtung von Großkraftwerken zur Nutzung der Abwärme zu erreichen.

Positiv bewertete Möhrle das Projekt ECO+ des Landes, das gerade kleinen Betrieben helfe, durch verbesserte Ressourceneffizienz und gering investive Maßnahmen Energiekosten zu sparen. Ein besonders hohes Einsparpotential bestehe bei alten Kälteanlagen wie sie häufig in kleinen Unternehmen der Lebensmittelhandwerke im Einsatz sind. Während jedoch Großbetriebe für ihre Kälteanlagen ein Förderprogramm des Bundesumweltministeriums nutzen können, bleibe das Handwerk außen vor, weil die Anlagen in der Regel nicht die vorgeschriebenen Mindestgrößen erreichten. Möhrle: „Wir brauchen deshalb ein Förderprogramm des Landes zum Austausch alter Kälteanlagen in kleinen und mittleren Betrieben.“ Auch eine Qualifizierungsoffensive zum „Kälteberater im Handwerk“ zum Beispiel als Zusatzqualifikation für bereits aktive Gebäudeenergieberater (HWK) wäre sinnvoll.

Als wichtigen Faktor für die zukünftige Energieversorgung sieht Möhrle den Aufbau dezentraler Energienetze parallel zum Ausstieg aus der Atomenergie. Voraussetzung hierfür sei der flächendeckende Ausbau der erneuerbaren Energien, der Kraft-Wärme-Kopplung sowie die Weiterentwicklung der Speichertechnologie. Jedes Gebäude müsse in drei Funktionen betrachtet werden: als Erzeuger, Speicher und Verbraucher von Energie.

Möhrle unterstrich erneut die Forderung des Handwerkstages, zusätzliche Gewinne der Energieversorgungsunternehmen durch verlängerte Laufzeiten der Großkraftwerke in die weitere Erforschung der erneuerbaren Energien und deren Speichermöglichkeit zu investieren.