03. Januar 2011

Geförderte Neugründer sind zufriedene Unternehmer

Auch im Jahr 2010 hat sich die Meistergründungsprämie NRW als ein begehrtes Finanzierungsinstrument für Handwerksmeister erwiesen: 783 Existenzgründer erhielten einen Zuwendungsbescheid über jeweils 7.500 Euro, um ihnen den Start in die Selbstständigkeit zu erleichtern. Absender war die Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks (LGH), die im Auftrag des Landes das Programm abwickelt. Seit 1995 haben insgesamt 13.508 Handwerksmeister die Förderung erhalten. Ihre wirtschaftliche Lage ist sehr gut. Das ergab eine Befragung der LGH und der Universität Lüneburg.


Danach liegt der so genannte Geschäftsklima-Index als Kombination von Lage- und Zukunftseinschätzungen bei 92,3 (plus 7,5 Punkte gegenüber 2009). Ein so hoher Wert ist in den zehn Jahren der Begleitforschung zu dem Förderprogramm noch nie verzeichnet worden. Diejenigen Gründer, die sich 2007 und später selbstständig gemacht haben, rangieren sogar bei 95,6. Von Krisenstimmung ist also bei den »Jung-Unternehmern« schon lange keine Spur mehr. (Zum Vergleich: Der Geschäftsklima-Index für das Gesamthandwerk NRW lag im Herbst bei 86 und blieb damit erneut unter dem Wert für die Gründer.)


»Die Meistergründungsprämie ist nicht nur eine äußerst effektive Förderung für Existenzgründer im Handwerk. Sie schafft auch die Grundlagen für langfristig erfolgreiche Unternehmen und neue Arbeitsplätze«, sagte NRW-Wirtschaftsminister Harry K. Voigtsberger dazu.


Im Einzelnen haben die Empfänger der Meistergründungsprämie zu 39 Prozent ihre aktuelle geschäftliche Situation als »gut« bezeichnet (plus neun Prozentpunkte gegenüber 2009), nur zu neun Prozent als »schlecht«. Noch bessere Geschäfte erwarten im nächsten halben Jahr 27 Prozent (plus sechs Punkte), lediglich sechs Prozent gehen von einer Verschlechterung aus.


Ihre Umsatz- und Gewinnziele haben die Geförderten allerdings eher nicht erreicht: Der Mittelwert zu beiden Fragen liegt bei 2,6 beziehungsweise 2,4 auf einer fünfstufigen Skala, wobei 3 bedeutet, das Ziel wurde erreicht, und 2, dass es leicht unterschritten wurde. Die betriebliche Auslastung der Gründer blieb auf dem »normalen« Niveau von 80 Prozent.


Auch die Beschäftigtenzahl ist auf einem »Allzeit-Hoch« angekommen: Inklusive dem Inhaber gibt es in den geförderten Handwerksbetrieben im Schnitt 5,57 Mitarbeiter (2009 noch 5,1 Mitarbeiter), darunter 0,8 Auszubildende. Die meisten geschaffenen oder gesicherten (sozialversicherungspflichtigen) Stellen vermelden die Gründer aus den Jahrgängen 2004 bis 2007: Unter den bei ihnen im Schnitt beschäftigten 6,3 Menschen sind 0,99 Lehrlinge. Aber selbst die nach 2007 Geförderten weisen im Mittel knapp 4,8 Mitarbeiter aus, darunter bereits 0,74 Auszubildende. Insgesamt bedeuten diese Zahlen, dass in den geförderten Betrieben mehr als 75.000 Menschen Arbeit gefunden haben und dass jede Stelle den Steuerzahler nur etwa 1.350 Euro »gekostet« hat.


Einen bislang noch nie erreichten Betrag ergab die Befragung auch bei den Umsätzen im zurückliegenden Jahr: Die Gründer gaben an, im Durchschnitt 429.000 Euro eingenommen zu haben (plus fünf Prozent gegenüber 2009). Investiert hat jeder Betrieb gut 22.000 Euro. Diese Zahl ist vor allem in den Anfangsjahren deutlich höher. So haben die Prämienempfänger aus 2010 im Durchschnitt mehr als 60.000 Euro ausgegeben. Auf die geförderten Handwerksmeisterinnen entfielen dabei durchschnittlich knapp 37.000 Euro an Investitionen. Den Spitzenwert erzielte eine Friseurmeisterin mit rund 230.000 Euro. Die Meister investierten im Schnitt 67.000 Euro. Hier tätigte ein Dachdeckermeister mit 1,2 Millionen Euro die größte Investition.


Immerhin 37 Prozent der Gründer gaben an, ihr ursprüngliches Geschäftskonzept noch vollständig beibehalten zu haben. Ein knappes Viertel schätzte die Anpassungen auf maximal 15 Prozent. Demnach haben weniger als vier von zehn Geförderten ihr anfängliches Konzept, das ja von Unternehmensberatern der Handwerkskammer geprüft worden war, am Markt tiefergehend geändert beziehungsweise ändern müssen. Die Aussagen dazu sind erwartungsgemäß abhängig vom »Alter« des Unternehmens: Bei den vor 2004 Geförderten sind nur noch bei 51 Prozent mindestens 85 Prozent des anfänglichen Konzepts »übrig«.


Der Fragebogen-Rücklauf bei der LGH-Umfrage ist traditionell ungewöhnlich hoch für derartige Aktionen. In diesem Jahr hat er mit 41,5 Prozent erneut die 40-Prozent-Grenze überschritten. Das ist Garant für eine hohe Verlässlichkeit der Aussagen.


Beim »Jahrgang« 2010 betrug der Anteil der Männer unter den Existenzgründern knapp 80 Prozent, ein Prozentpunkt mehr als 2009. Wie schon in den Jahren zuvor haben fast 70 Prozent der Meisterinnen und Meister ein neues Unternehmen gegründet. 28 Prozent übernahmen einen bestehenden Betrieb und gut drei Prozent entschieden sich für eine tätige Beteiligung.