17. März 2011

Ingenieure überwiegend optimistisch

Laut dem Verband Beratender Ingenieure (VBI) blicken seine Mitglieder derzeit auf eine positive konjunkturelle Entwicklung. Nach der aktuellen VBI-Konjunkturumfrage 2011 unter 457 seiner Mitglieder schätzen 9 Prozent der befragten Ingenieurunternehmen (Vorjahr 6 Prozent) ihre wirtschaftliche Lage als sehr gut und 40 Prozent (2010: 39 Prozent) als gut ein. 33 Prozent vergeben ein »Befriedigend« (Vorjahr 37 Prozent). Weitere 11 Prozent bewerten die Wirtschaftslage noch als »ausreichend«. Lediglich ein Anteil von knapp 5 Prozent kämpft derzeit mit schweren wirtschaftlichen Problemen.


Der Auftragsbestand der Büros bleibt weiterhin stabil: Fast die Hälfte (46 Prozent) der Befragten bezeichnen ihn als sehr gut bis gut (7 Prozent sehr gut, 39 Prozent gut; 2010: 6 Prozent und 33 Prozent). 33 Prozent (2009: 35 Prozent) bewerten den Auftragsbestand als befriedigend, weitere 8 Prozent noch als ausreichend. Knapp 8 Prozent (Vorjahr 10 Prozent) verfügen derzeit über eine nicht ausreichende Zahl an Aufträgen. Dennoch stellt sich der Auftragsbestand insgesamt besser als im Vorjahr dar. Dies wertet der VBI als ein positives Signal für die Bauwirtschaft, denn was die Ingenieurunternehmen in diesem Jahr planen, werde von Bauindustrie und Baugewerbe in der Folgezeit umgesetzt.


Die Bilanz des Vorjahres: 42 Prozent der VBI-Unternehmen konnten ihre Umsätze 2010 steigern. 21 Prozent verzeichneten stabile Umsätze. Allerdings musste ein knappes Drittel (32 Prozent) der Befragten rückläufige Umsätze verkraften. 406 Unternehmen erzielten allein einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro.


Allerdings erzielten 2010 nur 29 Prozent höhere Umsatzrenditen als im Vorjahr. Bei 41 Prozent blieben sie unverändert und bei 24 Prozent gingen sie sogar zurück. Dies belegt nach Auffassung des VBI, dass die Erhöhung der Planerhonorare durch die Novellierung der HOAI 2009 kaum Wirkung auf die Büros zeigt. 62 Prozent der Unternehmen konnten keinerlei Auswirkung auf das Geschäftsergebnis feststellen – dies die ernüchternde Bilanz.


Die Erwartung der Umsätze für 2011 ist überwiegend optimistisch: 22 Prozent gehen von steigenden (Vorjahr 18 Prozent), 53 Prozent wie im Vorjahr von gleich bleibenden Umsätzen aus. 21 Prozent erwarten einen Rückgang ihrer Umsätze (Vorjahr 28 Prozent). Insgesamt stellt sich die Lage für Büros, die schwerpunktmäßig im Wirtschaftsbau oder im öffentlichen Bau tätig sind, annähernd gleich dar. Nur die Umsatzerwartung ist für 2011 im Wirtschaftsbau etwas stärker als im öffentlichen Bau.


Die insgesamt positive Lage in den deutschen Planungsbüros drückt sich – wie für diese Branche charakteristisch – unmittelbar in Personalaufbau aus: 32 Prozent der Büros haben 2010 neue Mitarbeiter eingestellt, 56 Prozent den aktuellen Personalstamm gehalten. Nur 9 Prozent mussten Personal abbauen. 145 VBI-Unternehmen (32 Prozent der Befragten) haben 2010 allein 707 Stellen neu geschaffen. Auch 2011 wollen die deutschen Planungsbüros weiter wachsen und Personal aufbauen. 123 Büros (27 Prozent, Vorjahr 20 Prozent) geben an, sie werden 2011 mindestens 442 hoch qualifizierte Arbeitsplätze neu schaffen. 60 Prozent wollen ihren Personalbestand stabil halten. Nur 40 Büros (9 Prozent) planen aktuell Entlassungen.


Allerdings stellt sich der Personalbaufbau nicht einfach dar. 66 Prozent der VBI-Mitglieder geben an, dass sie wegen des Mangels an qualifiziertem Ingenieurnachwuchs Schwierigkeiten haben, Personal zu finden. 9 Prozent geben an, dass sie bereits jetzt unter massiver Abwerbung qualifizierten Personals leiden. Die seit langem prognostizierte »Ingenieurlücke« ist für die Planungsunternehmen Realität.


Die Verschärfung weiterer wirtschaftlicher Rahmenbedingungen macht den unabhängigen Ingenieurbüros zu schaffen. So beklagen 61 Prozent der Unternehmen einen weiteren Verfall der Preise für Ingenieurleistungen. 29 Prozent sehen damit einhergehend ein Überangebot an Ingenieurunternehmen. Nur ein Drittel gibt die Wirtschafts- und Finanzkrise als Ursache für verschärfte Wettbewerbsbedingungen an. Besonders ernst zu nehmen sind Wettbewerbsverzerrungen im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Betätigung öffentlicher Stellen. So bemängeln 18 Prozent der Unternehmen Eigenplanungen der öffentlichen Hand. 16 Prozent müssen in ihren Märkten mit scheinprivatisierten Unternehmen und damit Quersubventionen aus öffentlichen Haushalten konkurrieren.