26. Juli 2016

Bauwirtschaft zunehmend stärker vom demografischen Wandel betroffen

Bauwirtschaft steht vor der Herausforderung, die Beschäftigung bei zunehmend ungünstigerer demografischer Entwicklung konstant zu halten. Dies geht nur durch verstärkte Ausbildung. Foto: Soka-Bau

Die demografische Entwicklung macht sich zunehmend in der Bauwirtschaft bemerkbar. Dies zeigt ein Vergleich der Altersstruktur der Erwerbstätigen verschiedener Wirtschaftszweige. Zwar liegt der Anteil der älteren Erwerbstätigen im Baugewerbe noch knapp unter dem bundesweiten Durchschnitt. Er ist in den vergangenen Jahren aber deutlich stärker gestiegen als in anderen Branchen. 

Darüber hinaus ist es in der Bauwirtschaft kaum möglich, die Lebensarbeitszeit deutlich anzuheben. Umso wichtiger wird damit die Fachkräftesicherung, unter anderem im Rahmen der betrieblichen Ausbildung. Ein Vergleich der Altersstruktur der Erwerbstätigen über die vergangenen sieben Jahre zeigt, dass die Bauwirtschaft bereits jetzt stark von der demografischen Entwicklung betroffen ist. Nach Zahlen von Eurostat waren im vergangenen Jahr 33,5 % der Erwerbstätigen (Arbeitnehmer und Selbstständige) im Baugewerbe mindestens 50 Jahre alt. Anders ausgedrückt muss in den kommenden 17 Jahren ein Drittel der Erwerbstätigen ersetzt werden. Absolut betrachtet sind dies rund 900.000 Erwerbstätige.

Der Anteil dieser Altersgruppe an den gesamten Erwerbstätigen lag zwar noch knapp unter dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt in Höhe von 35 %, er ist in den vergangenen Jahren aber im Vergleich zur Gesamtwirtschaft verstärkt gestiegen. Im Jahr 2008 lag der Anteil der Erwerbstätigen in der Baubranche, die mindestens 50 Jahre alt sind, noch zehn Prozentpunkte tiefer bei 23 % (Gesamtwirtschaft: 26,7 %). Darüber hinaus wird der gesamtwirtschaftliche Durchschnitt durch den Dienstleistungsbereich beeinflusst, in dem ein noch größerer Anteil älterer Erwerbstätiger anzutreffen ist. So liegt zum Beispiel im Wirtschaftszweig „Grundstücks- und Wohnungswesen“, der den Kauf und Verkauf, die Vermietung sowie die Vermittlung und Verwaltung von Grundstücken und Gebäuden umfasst, der Anteil der Erwerbstätigen, die mindestens 50 Jahre alt sind, sogar bei 50 %.

Anders als in den Dienstleistungsbereichen ist es aber im Baugewerbe kaum möglich, die Lebensarbeitszeit kontinuierlich zu verlängern und auf diese Weise dem demografischen Wandel entgegenzuwirken. Aus diesem Grund bietet sich eher ein Vergleich mit dem Verarbeitenden Gewerbe an. Dort war der Anteil der Erwerbstätigen, die mindestens 50 Jahre alt sind, zuletzt auf dem gleichen Niveau wie in der Bauwirtschaft, ist in den vergangenen sieben Jahren aber weniger stark gestiegen.

Absolut betrachtet ist die Zahl älterer Erwerbstätiger (über 50 Jahre) am Bau seit 2008 um 55,4 % gestiegen, und damit deutlich stärker als im Verarbeitenden Gewerbe (29,5 %) oder in der Gesamtwirtschaft (39,1 %). Darüber hinaus stellt sich heraus, dass sich der Beschäftigungsaufbau, der in den vergangenen Jahren in der Bauwirtschaft stattgefunden hat, auf die Altersklasse der älteren Erwerbstätigen ab 50 Jahren beschränkt: In der Altersklasse der 25- bis 49-jährigen sowie der 15- bis 24-jährigen ist die Zahl der Erwerbstätigen seit 2008 gesunken, und zwar um 6,0 % bzw. um 13,4 %.

Die Zahlen verdeutlichen, dass die Bauwirtschaft allein schon vor einer Herausforderung steht, die Beschäftigung bei zunehmend ungünstigerer demografischer Entwicklung konstant zu halten. Dabei kommt es darauf an, alle Potentiale in der Erwerbsbevölkerung zu nutzen. Mit dem Programm „Berufsstart Bau“ etwa wird angestrebt, Jugendlichen einen Ausbildungsplatz zu verschaffen, die aufgrund ihrer Qualifikation ohne vorbereitende Unterstützung keinen Ausbildungsplatz bekommen hätten.