07. Oktober 2016

Dämmmaterial blockiert Betriebe und Baustellen von Stuckateuren und Dachdeckern

477153_original_R_B_by_ErichWestendarp_pixelio.de Ausbau und Fassade - Dämmmaterial blockiert Betriebe und Baustellen von Stuckateuren und Dachdeckern
Foto: Erich Westendarp/pixelio.de

Die Weigerung aller Verbrennungsanlagen in Nordrhein-Westfalen, Dämmmaterial anzunehmen, welches das Flammschutzmittel HBCD enthält, bringt Bau- und Ausbaubetriebe in enorme Probleme. Der Entsorgungsnotstand blockiert Betriebsgelände und Baustellen und könnte zu Kurzarbeit führen. Deswegen haben sich die Baugewerblichen Verbände (BGV) an NRW-Umweltminister Johannes Remmel gewandt. Er soll dafür sorgen, dass das Material wieder verbrannt wird. Dann könnten die jetzt eingestellten Arbeiten an Dächern und Fassaden fortgeführt und neue Aufträge angenommen werden.

Hintergrund des Problems ist eine Änderung der Abfallverzeichnisverordnung (AVV) von Anfang Oktober. Seitdem sind die HBCD-haltigen Dämmstoffe als gefährliche Abfälle eingestuft. Über viele Jahre hinweg war jedoch HBCD das wirtschaftlich bedeutendste Flammschutzmittel für Dämmstoffe auf Basis von Polystyrol. Es fällt also jetzt bei Erneuerungen von Dämmungen in großen Mengen an. „Der aktuelle Entsorgungsnotstand betrifft in unserem Wirtschaftsbereich besonders die Stuckateure und die Dachdecker“, beschreibt der Hauptgeschäftsführer der BGV, Lutz Pollmann, die Situation. „Als Konsequenz droht bei diesen Betrieben die Stilllegung von vielen hundert Baustellen mit einem enormen volkswirtschaftlichen Schaden, oder der Verzicht von Bauherren, Dämmmaßnahmen an ihren Gebäuden vornehmen zu lassen, was aus Umwelt- und Klimagesichtspunkten kontraproduktiv wäre.“ Vor allem Dachdeckerfirmen würden bereits die Anordnung von Kurzarbeit erwägen.

Die Ablehnung des Materials in den Verbrennungsanlagen sei deswegen absolut unverständlich, weil nach Darstellung des Umweltministeriums HBCD-haltige Abfälle sehr wohl umweltverträglich in diesen Anlagen entsorgt werden können. „Wir bitten Sie daher dringend, die Betreiber der Anlagen unverzüglich und nachdrücklich auf diese Sicht Ihres Hauses hinzuweisen“, heißt es dementsprechend in dem Brief des Baugewerbes an Remmel. In einem zweiten Schritt solle der Minister „Initiativen zur neuerlichen Änderung der AVV im Sinne einer Klarstellung in Sachen HBCD unterstützen“.

Es gehe nicht an, dass die „offensichtlichen Missverständnisse zwischen Verordnungsgeber und Entsorgungswirtschaft auf dem Rücken der verarbeitenden Betriebe, unserer Mitglieder, ausgetragen werden“, protestiert Pollmann. „Preise für auszuführende Arbeiten können wegen der unklaren Situation nicht kalkuliert, Arbeiten nicht begonnen beziehungsweise fortgeführt werden, die Entsorgung des Dämmmaterials ist nicht möglich.“ Dies alles sei keinesfalls im Sinne des energieeffizienten Bauens.

Der Dachdecker-Verband Nordrhein hat ergänzend seine Mitgliedsfirmen aufgefordert, sich per Brief an Remmel zu wenden und ihm ihre spezifische Situation zu schildern.

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