13. Juni 2017

Für eine nachhaltige Ausbildung im Stuckateurhandwerk

17-06-13-BiBB_480 Ausbau und Fassade - Ausbau und Fassade
V.l.: Frank Schweizer, Teamchef Nationalteam der Stuckateure, Lukas Kirschmer, Teilnehmer WorldSkills 2017 und Ministerialdirigent Thomas Sondermann, BMBF. Foto: Dolt

Das Kompetenzzentrum Ausbau und Fassade der Überbetrieblichen Ausbildungsstätte (ÜBA) Leonberg ist Partner im Modellversuch „Q_EN_POLIS“ zur Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung unter der Leitung vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Vertreter der Ausbildungsstätte trafen sich am 31. Mai 2017 mit Ministerialdirigent Thomas Sondermann und Helga Berg vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Beim Treffen stand vor allem die ÜBA als ein auf Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit ausgerichteter Lernort im Mittelpunkt.

Nachhaltige Entwicklung stellt ähnlich wie Digitalisierung eine große Herausforderung für die berufliche Bildung dar. Auch das Stuckateur-Handwerk befindet sich wie viele Handwerksbranchen im Umbruch: Der Klimaschutz führt beispielsweise zu neuen Anforderungen an Gebäudegestaltung, -bau und -instandhaltung. Inhaber und Handwerksmeister werden immer stärker zu wichtigen Beratern ihrer Kunden, deren Wünsche sich zunehmend auf energiesparende Techniken zur Wärmedämmung oder Flächenheizsysteme richten. Aus diesem Grund wurde schon im vorherigen BIBB-Förderschwerpunkt zur nachhaltigen Entwicklung der Modellversuch „BauNachhaltig“ gefördert. Darin wurden neue Lernmodule zur nachhaltigen Entwicklung im Ausbaugewerbe erarbeitet, bei denen es unter anderem um die Verzahnung der Gewerke beim energieeffizienten Bauen ging. Es reicht jedoch nicht, nachhaltige Entwicklung und globale Verantwortung in der Ausbildung zu vermitteln. Es bedarf zudem entsprechender Organisations- und Personalentwicklung, um auch als Unternehmen oder Organisation Nachhaltigkeit als Leitidee authentisch zu leben.

Die Gestaltung solcher „nachhaltigen Lernorte“ ist Aufgabe von sechs Modellversuchen des aktuellen BIBB-Förderschwerpunkts „Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung 2015-2019“, welcher aus Mitteln des BMBF gefördert wird. Im Modellversuch Q_EN_POLIS wird dazu gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Praxis ein ganzheitliches Konzept für eine Überbetriebliche Ausbildungsstätte entwickelt und erprobt.

Sowohl Auszubildende als auch das Berufsbildungspersonal sollen befähigt werden, diesen Prozess mit zu gestalten und aus einer passiven Rolle in eine aktive Beteiligten-Rolle hinein zu wachsen. Projektpartner in Q_EN_POLIS sind unter anderem die Berufsfördergesellschaft mbH Leonberg, das Kompetenzzentrum für Ausbau und Fassade und der Fachverband der Stuckateure für Ausbau und Fassade Baden-Württemberg.

Die große Bedeutung, die der Nachhaltigkeit in der Ausbildung im Ausbaugewerbe zukommt, wird durch ein Treffen mit Vertreterinnen und Vertretern des baden-württembergischen Stuckateurverbandes, dem Kompetenzzentrum für Ausbau und Fassade und des „Jobstarter plus Projekts Go2Bau“ im Haus der Wirtschaft in Stuttgart deutlich: Ministerialdirigent Thomas Sondermann und Helga Berg vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sprachen dort in Vertretung ihrer Ministerin Johanna Wanka mit Stuckateurinnen und Stuckateuren sowie Ausbaumanagerinnen und Ausbaumanagern der Ausbildungsstätte über nachhaltige Ausbildungsinhalte und die ÜBA als nachhaltigen Lernort.

Die Fachorganisation der Stuckateure engagiert sich zusätzlich zum BIBB-Modellversuch verstärkt in der Nachwuchsförderung und bietet jungen Stuckateurinnen und Stuckateuren die Möglichkeit der Teilnahme an den beruflichen Europa- und Weltmeisterschaften – den EuroSkills und WorldSkills. Lukas Kirschmer, dem Teilnehmer des Nationalteams der Stuckateure an der WorldSkills 2017, die im Oktober in Abu Dhabi durchgeführt wird, überreichten sie als Maskottchen und Glücksbringer ein von Ministerin Wanka signiertes Stucki-Männchen.

Mit dem „Jobstarter-plus Projekt Go2Bau“ fördert der Verband die Vernetzung und den Aufbau von Strukturen, die den kleinen und mittleren Unternehmen des Gewerks landesweit  Zugang zu Förderprogrammen rund um die Azubi-Gewinnung und somit zur Fachkräftesicherung ermöglichen. Daneben wird mit dem Ausbau-Manager ein attraktives Ausbildungsmodell  angeboten, das Abiturientinnen und Abiturienten in nur sieben Semestern die Qualifikationen Stuckateurgeselle, Stuckateurmeister, Ausbau-Manager und Gebäudeenergieberater ermöglicht. Mehr dazu unter www.ausbau-manager.de.

Zusätzlich zum überbetrieblichen Unterricht für aktuell 433 Auszubildende werden auch Förderkurse, Zusatzqualifikationen, Praktika und Kurse für die Integration von Flüchtlingen angeboten. Neben Nachhaltigkeit ist dabei auch die Digitalisierung ein wichtiges Thema in der Aus- und Weiterbildung. Nachhaltigkeit zeigt sich auch bei früheren Projekten mit dem BIBB: So werden bis heute motivierte Stuckateurgesellen als ausbildende Fachkräfte zu Azubi-Trainern weiter qualifiziert.

Quelle: Fachverband der Stuckateure/Stephan Bacher