21. Januar 2013

Badische Stuckateure: Auftragslage im Wohnungsbau befriedigend

Das badische Stuckateurhandwerk verzeichnet zum Jahreswechsel 2012/2013 eine alles in allem befriedigende Auftragslage. Die ergab eine aktuelle Erhebung des Fachverbandes Ausbau und Fassade Baden unter seinen Mitgliedsbetrieben.

„Relativ günstig stellt sich weiterhin die Situation im Ein- und Zweifamilienhausbau dar“, erklärte Verbandsvorsitzender Michael Bleich anlässlich einer Vorstands- und Obermeistersitzung am 17. Januar 2013 in Freiburg. In dieser Sparte bezeichnen 18 Prozent der Unternehmen ihre Auftragsbestände als „verhältnismäßig groß“, 36 Prozent als “ausreichend“. Im Bereich Mehrfamilienhausbau liegt der Anteil der Firmen, die über ausreichend Aufträge verfügen, bei 40 Prozent. Grund für die insgesamt zufrieden stellende Situation im Wohnungsbau sind das niedrige Zinsniveau sowie die solide gesamtwirtschaftliche Entwicklung der vorangegangenen Jahre, verbunden mit einem stabilen Arbeitsmarkt und steigenden Einkommen. Zusätzlich macht sich der durch die Euro-Schuldenkrise und die Turbulenzen auf den internationalen Kapitalmärkten bedingte Trend zu Investitionen in wertbeständige Wohnimmobilien bemerkbar. Im Vergleich zum Wohnungsbau überwiegen in den Sparten Wirtschaftsbau und öffentlicher Hochbau die negativen Meldungen. Bedingt durch die in den vergangenen Monaten deutlich abgeschwächte Konjunktur klagen im Wirtschaftsbau 73 Prozent der Stuckateurfirmen über zu geringe Auftragsbestände. Im öffentlichen Hochbau äußern sich sogar 90 Prozent der Betriebe unzufrieden mit ihrer Auftragssituation. Hier finden die bei Bund, Land und Gemeinden herrschenden Sparzwänge ihren Niederschlag.

Nach wie vor großes Marktpotenzial im Bereich Sanierung und Modernisierung
Am besten bewerten die befragten Unternehmen die Lage im Bereich Altbausanierung und Modernisierung. In diesem Tätigkeitsfeld bezeichnen 30 Prozent der Firmen ihre Auftragsbestände als „verhältnismäßig groß“, 40 Prozent als „ausreichend“. „Fest steht: Aufgrund des hohen Baubedarfs im Gebäudebestand, steigender Energiepreise und der sich verschärfenden Anforderungen der Energiesparverordnung stellen die Altbausanierung und -modernisierung weiterhin ein gewaltiges Marktpotenzial für das Stuckateurhandwerk dar“, so Bleich.

Förderung der energetischen Gebäudesanierung sowie demografisch bedingter Sanierungsmaßnahmen unabdingbar
Der Fachverband Ausbau und Fassade Baden fordert mit Nachdruck eine steuerliche Förderung energetischer Sanierungsmaßnahmen an Wohngebäuden. Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde vom Bundestag im Juni 2011 beschlossen, scheiterte nach Ablehnung durch den Bundesrat aber im Dezember 2012 im Vermittlungsausschuss. Stattdessen stellt die Bundesregierung 300 Millionen Euro für ein Förderprogramm der KfW-Bank zur Verfügung. Da erfahrungsgemäß viele Hausbesitzer zur Gebäudesanierung keine Kredite aufnehmen, wird das KFW-Förderprogramm bei weitem nicht die durch eine steuerliche Förderung mögliche Wirkung entfalten. Um die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen, bedarf es dringend eines Steuerförderprogramms zur Erhöhung der Sanierungsrate. Angesichts der demografischen Entwicklung setzt sich der Verband darüber hinaus für eine Förderung des altengerechten Wohnungsumbaus mit Mitteln aus dem Bundeshaushalt ein. Denn nur über direkte Zuschüsse kann es gelingen, ältere Eigentümer verstärkt zu Investitionen in ihre Wohnung zu bewegen. Wie eine Studie des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung gezeigt hat, besteht kurzfristig ein zusätzlicher Bedarf von 2,5 Millionen altersgerechten und barrierefreien Wohnungen, der sich in den nächsten Jahren weiter erhöhen wird. Derzeit entsprechen nur 3,5 Prozent der insgesamt 39 Millionen Wohneinheiten einem altersgerechten Standard.