24. Januar 2013

12 Yotube-Filme über Akustik in Schulen

"Haben Architekten eigentlich Ohren?" - das fragte Soundexperte Julian Treasure die Besucher des Forum Sound Education in München. Julian Treasure und weitere Fachleute aus Wissenschaft, Unterrichtspraxis und Verwaltung sprachen in der BMW-Welt zum Thema Akustik in Schulen und stellten dazu spannende Studien vor.

Die Vorträge können Sie hier auf YouTube ansehen.

Hier der Nachbericht zum Forum Sound Education in München

In der BMW-Welt München erfuhren 85 Besucher des Forums Sound Education von Experten aus Unterrichtspraxis, Wissenschaft und Verwaltung, wie stark Schüler und Lehrer von der Akustik in Schulen beeinflusst werden.

Eröffnet wurde das Forum von dem britischen Akustikexperten Julian Treasure. Sein Appell an Architekten lautet, beim Design einer Schule nicht nur das Äußere zu gestalten, sondern tatsächlich hinzuhören und den Schulalltag in das Design einfließen zu lassen. Schließlich stellt ein Klassenzimmer, das für Frontalunterricht ausgelegt ist, andere Ansprüche an die Akustik als ein Raum, in dem Gruppenarbeiten gemacht werden. Ohne solche Vorüberlegungen kann es passieren, dass ein Schüler in der vierten Reihe nur noch die Hälfte von dem versteht, was der Lehrer sagt.

Ohnehin ist jeden Tag das Gehör von etwa 16 Prozent der Schüler beeinträchtigt - betroffen sind nicht nur Kinder mit einer Hörschädigung, auch eine simple Erkältung oder Heuschnupfen stören den Gehörsinn. Ist dann auch noch die Akustik in der Schule schlecht, wirkt sich das zusätzlich negativ auf die Sprachverständlichkeit aus.

Laut Prof. Dr. Niedermeyer von der Technischen Universität München klagen bisher noch 50 bis 76 Prozent der Lehrer über Stimmstörungen, weil sie in Räumen mit schlechter Akustik arbeiten. In deutschen Klassenzimmern herrscht ein Lärmpegel von rund 65 Dezibel. Lehrer müssen also ständig gegen eine Geräuschkulisse ansprechen, die dem Rattern einer Schreibmaschine entspricht.

„Schulräume ohne akustische Optimierung beeinträchtigen die kognitive Leistung und das Lernklima. Grundschulkinder können Nebengeräusche nicht so differenzieren, wie Erwachsene es können“, so Dr. Michael Kirch von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU).

Gemeinsam mit der LMU und der Firma Ecophon wurde in der Grundschule Haimhauserstraße ein Klassenzimmer akustisch optimiert. Lehrerin Kerstin Wöhrle berichtete von ihren Erfahrungen: „Vorher habe ich zugunsten meiner Gesundheit manchmal überlegt, auf aktive Unterrichtsphasen oder Gruppenarbeit zu verzichten. Dabei sind das oft die schönsten Momente, aber es war einfach zu laut – für die Schüler und für mich. Im Uni-Klassenzimmer baue ich solche Elemente gern ein. Alles läuft viel ruhiger ab, die Schüler können sich länger konzentrieren und ich bin entspannter".

Für moderne Unterrichtsformen wie Gruppenarbeit ist eine optimierte Akustik also unverzichtbar. Das unterstreichen auch die Ergebnisse der Essex-Studie, vorgestellt von Holger Brokmann von Ecophon. Untersuchungen in einer britischen Schule haben gezeigt, dass eine gute Raumakustik leiseren Unterricht und disziplinierteres Verhalten zur Folge hat, den positiven Umgang zwischen Schülern und Lehrern fördert und die Lehrer weniger belastet.

Auch für die Inklusion hörgeschädigter Kinder ist eine gute Akustik im Klassenraum unerlässlich. Carsten Ruhe, beratender Ingenieur für Akustik beim Deutschen Schwerhörigenbund, berichtet, dass Schüler mit AVWS-Schwerhörigkeit (Töne werden nicht korrekt an das Gehirn weitergeleitet) bis zu 200 km Wegstrecke auf sich nehmen, um in einer akustisch gut ausgestatteten Schule zu lernen. Die Kosten dafür übersteigen bei weitem jene, die beim Einbau von Akustikdecken und absorbierenden Wandpaneelen auftreten. Und von diesen Maßnahmen profitieren am Ende schließlich alle Schüler und Lehrer. Holger Brokmann von Ecophon stellte dazu verschiedene Möglichkeiten vor, wie die Akustik im Klassenraum optimiert werden kann.

Zu den weiteren Sprechern gehörten Claudia Langer vom Albrecht-Ernst-Gymnasium (AEG) in Oettingen und Walter Schreiber von der Kommunalen Unfallversicherung Bayern (KUVB). Claudia Langer schilderte den Unterrichtsalltag in ihrer Schule. Dort lernen die Schüler der fünften bis siebten Stufe eigenverantwortlich in sogenannten Lernlandschaften – Klassenräume mit Glaswänden ohne Türen. Walter Schreiber erläuterte in seinem Vortrag, welche Vorgehensweisen die akustische Situation in Schulen verbessern können. Laut Schreiber gibt es hier kein Erkenntnisproblem - die Auswirkungen schlechter Akustik sind den Verantwortlichen bekannt - sondern es hapert rein an der Umsetzung in den Schulen.

Moderator Rainer Machner fasste die Veranstaltung mit dem Anliegen zusammen, aus der bestehenden Lärmumgebung schnellstmöglich eine Lernumgebung für Schüler und Lehrer zu machen.