18. Februar 2013

Europäischer Wohnungsbau: Ende der Durststrecke in Sicht

Im Jahr 2012 sind die Wohnungsbauleistungen in Europa geschrumpft, und auch für dieses Jahr rechnet das europäische Forschungs- und Beratungsnetzwerk „Euroconstruct“ mit einem Minus von nahezu einem Prozent. Doch es herrscht Zuversicht. So erwarten die Bauexperten in den Jahren 2014 und 2015 eine Zunahme der Wohnungsbauaktivitäten im Euroconstruct-Gebiet.  Insbesondere in Deutschland und Norwegen dürfte die Baunachfrage spürbar zunehmen.

Laut der aktuellen Prognose von Euroconstruct werden sich im laufenden Jahr die Wohnungsbauleistungen in den 19 Partner-Ländern des Netzwerkes allenfalls stabilisieren ( 0,8 %), nachdem deren Umfang im vergangenen Jahr noch um 3½ % auf 585 Mrd. Euro geschrumpft war. Der bisherige Höchstwert vom Jahr 2007 mit knapp 760 Mrd. Euro (jeweils in Preisen von 2011) wird damit deutlich verfehlt. Die Zahl der Wohnungsfertigstellungen wird in den 19 Euroconstruct-Ländern dieses Jahr merklich zurückgehen, 2014 stagnieren und erst im Jahr 2015 um rund 50 000 Einheiten auf etwa 1,4 Mio. Wohnungen zunehmen.

Der Rückgang der Neubauaktivitäten – vor allem in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise – führte unter anderem dazu, dass mittlerweile die Bestandsmaßnahmen den Wohnungsbau dominieren. Seit 2009 fließt deutlich mehr Geld in den Erhalt bzw. die Modernisierung von Wohngebäuden als in den Neubau. So wurden im Jahr 2012 rund 125 Mrd. Euro (in Preisen von 2011) mehr in bestehende Gebäude investiert als in Neubauten. „Während in früheren Jahren vielerorts eine Überproduktion neuer Wohnungen zu beobachten war, auf die dann eine notwendige Marktkorrektur folgte, hat sich am hohen Bedarf zur Instandhaltung bestehender Gebäude grundsätzlich nichts geändert“, erklärt Ludwig Dorffmeister, ifo-Experte aus dem Bereich Industrieökonomik und neue Technologien.

Mittelfristig günstige Aussichten für Nord- und Mitteleuropa
Für Norwegen erwarten die Euroconstruct-Experten mittelfristig die höchsten Zuwächse: Hier dürften die Wohnungsbauleistungen von 2012 bis 2015 durchschnittlich um fast 5 % pro Jahr zunehmen. Auch für den deutschen Markt sind die Aussichten positiv. So wird bis 2015 mit einem jährlichen Anstieg von im Durchschnitt 2½ % gerechnet. Ferner dürfte sich der Wohnungsbau in Dänemark, Polen, Österreich und der Schweiz günstig entwickeln, wobei die durchschnittlichen Zuwächse voraussichtlich bei 1 bis 1½ % pro Jahr liegen werden.

Angespannt bleibt die Lage dagegen in Italien, Tschechien und Irland, vor allem aber in Portugal und Spanien. In diesen Ländern dürfte die Wohnbautätigkeit in den Jahren 2012 bis 2015 zum Teil spürbar abnehmen. Zwar wird für 2014 und 2015 zumeist eine Marktbelebung erwartet, die Rückgänge in den Vorjahren dürften allerdings bei weitem nicht aufgeholt werden. So nahm beispielsweise in Italien der Umfang der Wohnungsbaumaßnahmen allein in den Jahren 2007 bis 2012 um insgesamt ein Viertel ab, in Irland betrug der Rückgang im selben Zeitraum sogar drei Viertel.

Den Einschätzungen der Euroconstruct-Gruppe zufolge geben im Wohnungs-bau vorerst die negativen Einflussfaktoren den Ton an. Die hohe Arbeitslosigkeit in Europa, die vielerorts schwierigen Finanzierungsbedingungen, aber auch die reduzierte öffentliche Förderung dämpfen die Baunachfrage. Im weiteren Verlauf dürfte sich der Markt jedoch beruhigen. Für 2014 wird mit einem Wachstum der europäischen Wohnungsbauleistungen von knapp 2½ % gerechnet, 2015 sollte der Anstieg sogar rund 3 % betragen. „2014 dürfte unter den 19-Partnerländern lediglich Portugal ein rückläufiges Wohnungsbauvolumen aufweisen“, ergänzt Dorffmeister.